Z 1000 (ZZ-Top)Naked Bikes mit der Modellbezeichnung „Z“ haben bei Kawasaki seit ihrem Erscheinen in den 70er Jahren des vergangenen Jahrtausends schon immer etwas Legendäres an sich, angefangen beim ersten wirklich japanischen Großserien-Big Bike, der Z 900, die aufgrund ihrer für damalige Verhältnisse bombastischen Motorleistung von 82 PS und dem damit hoffnungslos überforderten Fahrwerk auch unter dem Namen „Frankensteins Braut“ bekannt wurde, über den verbesserten Nachfolger Z 1000 oder die klassischen Zephyr-Modelle der 90er bis hin zu den aktuellen Modellen. Wie ein Hammer schlugen Anfang 2003 diese aggressiv mit klassischen Z-Elementen gestylten und in provozierenden Farben erhältlichen Mopeds in die Herzen der Biker ein und rüttelten die irgendwie im Tiefschlaf schlummernde gesamte Kawa-Führungsriege auf und gab ihr das abhanden gekommene Selbstvertrauen zurück. Seitdem schicken die Macher des kleinsten japanischen Herstellers ein innovatives Bike nach dem anderen auf die Straßen dieser Welt. Eine große Zahl von Änderungen musste (durfte) der Jahrgang 2007 über sich ergehen lassen – ohne gleich von einem völlig neuen Modell sprechen zu wollen. Optisch rückt der aggressiv dreinschauende Streetfighter mit seinen seitlichen „Gottesanbeterinnen-Klauen“, in die die Blinker integriert sind, ein wenig der Benelli TNT auf den Leib. Leider musste die charakteristische 4 in 4-Auspuffanlage, die an den seligen Urahn erinnerte, aus Euro 3-Abgasnorm-Gründen einer voluminösen 4 in 2 Anlage weichen. Diese soll nun aber ein bekanntes Manko des seitherigen Modells beheben: die offensichtliche Durchzugsschwäche des Vierzylinder-Triebwerks. So wurde in die Anlage eine drehmomentfördernde Klappe eingebaut. Engere Kanäle und kleinere Ventile im überarbeiteten Zylinderkopf tun ihr Übriges dazu. So beträgt das Drehmoment nun 99 Nm bei 8200 U/min (vorher 96 Nm bei 8000 U/min). Zudem wurde eine kürzere Übersetzung der Antriebskette gewählt, so dass im unteren Drehzahlbereich mehr „Muckis“ als bisher zur Verfügung stehen. Weitere Änderungen im technischen Bereich: Radstand verlängert auf 1445 mm (vorher 1420 mm), Federweg hinten von 138 auf 150 mm erhöht, Bodenfreiheit vorher 145, jetzt 160 mm, radial befestigte Bremsanlage mit 300 mm-Scheibe im Wave-Design, ABS Serie. Leider hat das Teil auch etwas Speck angesetzt. So steigt das Trockengewicht von 198 auf 209 Kilogramm (fahrfertig 232 zu 221 Kilo). Einen weiteren Kritikpunkt muss die „Grüne“ aufgrund der fehlenden Kühlerabdeckung einstecken. Der Kühler ist nun umher fliegendem Rollsplitt schutzlos ausgeliefert. Dies trifft im Übrigen auch auf das hintere Zentralfederbein zu. Auch hier wurde auf einen Spritzschutz komplett verzichtet. Welch’ geile Farbe! „Pearl Wildfire Orange“ nennt Kawasaki den Glanzlack, in dem die Glitzerpartikel in der Sonne um die Wette funkeln. Die wilde „Orangenhaut“ wurde dem WHEELIE’s vom Kawasaki-Vertragshändler WARM-UP aus Aalen zur Verfügung gestellt. Herzlichen Dank! Ausgesprochen kommod fällt die Sitzposition aus. Die Lenker sind relativ weit nach hinten gekröpft, die Fußrasten ziemlich weit vorn angebracht. Dies sorgt für eine, im ersten Augenblick nicht zur aggressiven Optik des Bikes passende defensive, fast tourermäßige Sitzhaltung. Langes Touren setzt allerdings eine gewisse Leidensfähigkeit des Piloten bzw. dessen Allerwertestem voraus, denn das dünne Sitzkissen macht auf der Urlaubstour nur dem „Fakirclub“ richtig Freude. Über die Mitnahme einer Sozia hüllen wir bezüglich Reisekomforts diskret den Mantel des Schweigens. Startknopf gedrückt – dumpf brabbelt der Vierzylinder vor sich hin und nimmt sofort willig Gas an. Das Getriebe lässt sich wunderbar weich schalten, die einzelnen Gangstufen liegen eng beieinander. Leider lässt die Dosierbarkeit der seilzugbetätigten Kupplung zu wünschen übrig. Zudem sollten einstellbare Handhebel in dieser Klasse selbstverständlich sein. Tja, Fehlanzeige! Raus aus der City, darf der „Fighter“ nun endlich in der Praxis zeigen, ob die umfangreichen Modellpflegemaßnahmen uneingeschränkt greifen. Und wie sie das tun – zumindest was den Durchzug betrifft! Schon ab 2000 U/min schiebt das Teil recht ordentlich und ohne Ruckeln an – ab 6000 Touren hat sie mächtig Paprika im Arsch. Ein absolut feuriger Temperamentsbolzen – kein Vergleich zur behäbigen Kraftentfaltung unter 7000 U/min bei der „Alten“. Da haben es nun selbst die hubraumstärkeren Big Bikes vom Schlage einer Bandit oder FJR schwer, auf dem Dragstrip der agilen „Zett“ folgen zu wollen. Spätestens wenn die Gerade aufgehört hat eine Gerade zu sein und es vom Sprint in den Kurvenwalzer übergeht, entschwindet das hübsche Diodenrücklicht aus den Augen der Verfolger. Allerdings sollte jeder seine passende individuelle Abstimmung der voll einstellbaren Federelemente finden. Im Serientrimm steht die Kawa vorne viel zu hoch und ist hinten zu weich abgestimmt. Ein geändertes Setup und schon ist die gewünschte Stabilität vorhanden. Mit etwas Nachdruck will die hübsche Japanerin in Schräglage gezwungen werden – Tribut an die dicke 190er Walze auf fetter 6-Zoll-Felge. Ein Schritt auf einen 180er-Reifen zurück wäre fahrspaßtechnisch meiner Meinung nach ein echter Schritt nach vorn gewesen. Zudem quittiert der Schlappen in Schräglage jeden Zug an der Bremse mit einer heftigen Aufstellneigung. Ansonsten gibt es nichts auszusetzen. Die Stabilität in Kurven ist prima – das Gefühl für das Vorderrad und somit Rückmeldung über den Straßenzustand genial. Der „Straßenkämpfer“ krallt sich regelrecht in den Asphalt. Da macht es echt Laune das Bike von der einen Ecke in die andere zu werfen – immer untermauert durch das heißere aber unaufdringliche Fauchen des Vierzylinders beim Herausbeschleunigen aus der Kurve. Die Änderungen an der Bremsanlage fallen zunächst einmal optisch auf. Brachial gestylte Wave-Bremsscheiben liegen im Trend und passen auch zur kantigen Optik der neuen Z hervorragend. Wie von einer Kawasaki nicht anders gewohnt verbeißen sich auch an dieser die Vierkolben-Festsättel äußerst giftig in den Scheiben. Wirft man reflexartig einmal zu stark den Anker, regelt nun ein serienmäßiges ABS den Bremsvorgang. Dieses greift relativ spät ein, regelt dann aber angenehm in recht feinen Intervallen. Beim Stopp am Motorradtreffpunkt „Ställe“ in Weißenstein war die „Orangenhaut“ rasch von neugierigen Bikern umringt, die Blicke strichen wohlwollend über die von Kopf bis Fuß durchgestylten Formen und die saubere Verarbeitung der Z. Nicht wenige ließen sich zur Aussage verlocken, dass sie sich durchaus vorstellen könnten, so ein „Motorrad pur“ in der Garage stehen zu haben. Und des „Volkes Stimme“ dürfte den Machern bei Kawasaki recht geben und dieses gelungene Bike zu einem weiteren Verkaufserfolg werden lassen. Fazit: Eine absolut überzeugende Vorstellung der neuesten Ausgabe von Kawasakis Designerstück. Dass es den Kawa-Ingenieuren gelungen ist, die einstige Charakterschwäche, nämlich den schwachen Durchzug auszumerzen, ist der größte Quantensprung an diesem Bike. Endlich fährt sie auch so, wie sie aussieht. Ein Moped, wo man lacht, wenn man sich draufsetzen darf und heult, wenn man wieder absteigen muss – es sei denn, man fährt die ca. 350 Kilometer Reichweite (mit 18,5 Liter vollem Tank) an einem Stück. Dann hört Hirn auf Arsch! Wo wir beim Manko wären. Denn wer vor allem auf große Touren gehen möchte, sollte lieber zu einem Reiseschiff oder einer Reiseenduro greifen. Wer allerdings lieber auf seinen Hausstrecken unterwegs ist und einfach nur Motorradfahren pur erleben möchte, der wird mit diesem japanischen „Rough Boy“ glücklich werden. Wirklich ZZ-Top!
Daten und Messwerte: Motor: Wassergekühlter Vierzylinder-Viertakt-Reihenmotor, Zwei oben liegende Nockenwellen Hubraum: 953 ccm Leistung: 125 PS bei 10.000 U/min, max Drehmoment 99 Nm bei 8.200 U/min Bereifung: 120/70 ZR17 vorn / 190/50 ZR 17 hinten
Maße und Gewichte:
Radstand: 1445 mm Federweg v/h: 120/150 mm Sitzhöhe: 820 mm Gewicht vollgetankt: 232 kg Zul. Gesamtgewicht: 401 kg Tankinhalt: 18,5 Liter
Fahrleistungen:
Topspeed: 240 km/h Beschleunigung: 0-100 km/h: 3,3 sek. 0-140 km/h: 5,4 sek. 0-200 km/h: 10,8 sek. Durchzug: 60-100 km/h: 3,8 sek. 100-140 km/h: 3,9 sek.
Verbrauch: 5,2 Liter Super (Landstraße)
Preis: 10.400 Euro (+ Nebenkosten 180 Euro)
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