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BUELL / XB 12 X Ulysses / 


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XB 12 X Ulysses

Buell Haben wir uns schon mal (GS)sehen? Mit Sicherheit nicht! Und wenn, wäre es eine dumme Frage. Was Eric Buell und seine Mannen mit der XB12X auf die Gummis gestellt hat, ist unumstritten ein Motorrad mit Tourenambitionen, aber viel eigenständiger als es im ersten Augenblick erscheint. Schon bei ihrer ersten Präsentation dachte ich, die willst du mal ausgiebig testen. Nun, nichts ist einfacher als das, einen Testtermin mit Buell Deutschland vereinbart, am verabredeten Tag in Mörfelden ? Walldorf angereist und das Übergabeprozedere vollzogen. Der Schlüssel den ich dann in der Hand halte gehört zu einem ganz erstaunlichen Motorrad. Nicht das kurze gedrungene Äußere, das die Harley ? Davidsontochter sonst ihren Kreationen in die Wiege legt, sondern eine ausgewachsene Maschine mit unverkennbaren Reiseendurogenen steht da vor mir. Ich wundere mich darüber dass ich in den nächsten Wochen häufiger zu hören bekam: ?Das ist ja gar keine BMW GS!? Freilich ist sie das nicht, will es ja auch gar nicht sein. Von weitem, ja von ganz weitem vielleicht wegen dem Schnabel aber den haben andere Motorräder ja auch. Auch das Zweiaugen-Gesicht fällt direkt auf, das nach Meinung der Designer hinter Gitter gehört. Stimmt zwar nicht, gibt dem Ganzen aber einen brachialeren Auftritt. Der Blick schweift weiter über die zu kurz geratene Tourenscheibe auf die Informationszentrale der Buell. Die nett gezeichneten Armaturen, eine wie mittlerweile übliche Kombination aus analogen und digitalen Anzeigen sind gut ablesbar und versorgen den Fahrer mit einer Vielzahl an Informationen. Ein netter Gimmick: Die zurückgelegte Wegstecke seit dem Erreichen der Reserve wird einem automatisch angezeigt, vorausgesetzt man / frau hat den Tankrucksack oder besser Luftfilterabdeckungverkleidungsrucksack nicht montiert. Hat man das getan können nur die größeren Piloten noch die Infos ablesen. Neben dem Rucksack war die Testmaschine noch mit dem kompletten Koffersystem ausgestattet. Dies stammt von Hepco - Becker und wurde für die Ulysses leicht modifiziert. Unter dem buelltypischen Tankrahmen mit seinem Fassungsvermögen von 16,7 Litern dann das, was die Buell wirklich zur Buell macht: der 1203 ccm V2 mit seinem Drehmoment von 110Nm und einer Leistung von knapp über 100 PS. Das ganze wird unterstrichen von dem Kanonenofen, der ihr als Auspuffanlage dient. Liebe Designer, nehmt euch bitte seiner an. Niedriger Schwerpunkt hin oder her, es muss nicht wie 10 kg Alteisen aussehen. Richtung Heck kommt der für die ganze Fahrzeugfamilie obligatorische Zahnriementrieb, der sich um die als –l- Reservoir genutzte Schwinge legt. Ich kann mich immer wieder darüber wundern, dass die Harley´s und Buell´s damit fast alleine stehen. Als Stichwort sei nur die Wartungsfreundlichkeit erwähnt. Es macht wirklich nur wenigen von euch Spaß, ständig die Kette zu Reinigen und neu zu fetten und ein Kardanantrieb mit seiner teuren Fertigung ist nur bei reinen Tourenschiffen angesagt. Am kurzen Heck der Buell rundet dann noch ein zeitgemäßes LED - Rücklicht das Ensemble ab. Was soll ich noch sagen? Die Ulysses ist abgesehen von ihrem Abgassystem ein echter Augenschmaus. Beim Platznehmen auf dem extrem hohen Sitz, der einer Enduro alle Ehre macht, habe selbst ich mit meiner Größe (1,87m) Probleme, mit dem ganzen Fuß Bodenkontakt zu haben. Ein bisschen Supermotofeeling à la KTM und Co. kommt noch dazu. Das rührt von der sehr vorderradorientierten Sitzposition, die, so stellte es sich während des Test heraus, ein hervorragendes Handling der Ulysses ermöglicht. Die Ulysses? Eigentlich müsste ja der Ulysses heißen, denn es bedeutet nicht anders als Odysseus. Aber Irrfahrten wird es mit ihr / ihm kaum geben, denn auch eine Schotterpiste oder ein kleiner Feldweg werden mit Bravour weggesteckt. Die Federwege sind mit 165mm vorne, 162mm hinten ordentlich dimensioniert. Für den harten Offroad ? Einsatz ist sie allerdings nicht geschaffen. Alleine Ihre Sechs ? Speichengussräder würden wohl auch schnell das zeitliche Segnen. Genug im Vorfeld erzählt, jetzt Zündschlüssel einstecken und dem V2- Bollern lauschen, aber wo bitte ist das Schloss? Da wo es bei 90% aller Fahrzeuge ist, ist es nicht. Ach ja Harley-Gene also rechts unter dem Tank. Nein da auch nicht. Ich finde es schließlich vorne an der Gabel, wo irgendwann in den 70ern auch das Schloss meiner Herkules saß. Aber jeder wie er will und es soll ja auch hier was besonderes sein. Zündschlüssel in Startposition gedreht und Engine run gerückt. Etwas verhaltener als erwartet nimmt der 2- Zylinder seinen Dienst auf. Bei einer Buell hätte ich mehr Bass erwartet, aber die Zubehörindustrie kann hier bestimmt Abhilfe schaffen. Die ersten Meter auf der Ulysses sind ungewohnt und das Vorderrad neigt zum flattern. Auf der Autobahn ab 160 km/h ist sie kaum noch zu halten, also kehrt Marsch zurück in Richtung Mörfelden zur Buell - Pressewerkstatt. Hier wird das komplette Vorderrad ausgetauscht, weil sofort der Verdacht gehegt wird, dass ein Wuchtgewicht sich verabschiedet hat. Aber Fehlanzeige. Dasselbe Spiel bei der anschließenden Probefahrt. Die Techniker bei Buell und meine Wenigkeit sind etwas ratlos und wir sinnieren eine Weile über mögliche Ursachen nach. Bis einem einfällt, er hätte da schon mal was bei einem anderen Hersteller gehabt mit Aufschwingen durch den Windaufschlag an den Koffern. Da die 2006er Ulysses noch eine relativ schwammige Grundeinstellung auf der Vordergabel hat, durchaus möglich. Also die Koffer runter und getestet. Alles im grünen Bereich. Der Rest war dann ein wenig Einstellarbeit an der 43mm Showa Upside- Down-Gabel. Ein bisschen Druckstufe hier, ein bisschen Zugstufe da, die Jungs bei Buell hatten sie in Windeseile optimal eingestellt. Im Modelljahr 2007 wird das von vorneherein besser, da sie dann progressiver gewickelte Federn in die Gabel bekommt. Nachdem das alles erledigt war, stand an diesem Tag noch Spaß pur auf dem Programm. Die Maschine ist nur mit viel gutem Willen und einer gefühlvollen Gashand mit ihren zwei Rädern auf dem Boden zu halten. Selbst im dritten Gang bei 50 Km/h reicht ein wenig Unvernunft und die Buell wird zum Einrad. Genial viel Grinsen im Gesicht. Überhaupt macht die Buell dank ihres Fahrwerks einen Heidenspaß, ob in der City von Frankfurt oder hinaus in den Taunus. Bei einer Rheintour nach Köln oder über die Autobahn, da gibt es kaum einen Anlass sich zu beschweren. Natürlich muss man sich einem Supersportler bei der Höchstgeschwindigkeit geschlagen geben und eine Supermoto ist in den Kehren ein wenig agiler, aber das Gesamtpaket stimmt allemal. Der Durst der Ulysses hält sich mit den von mir ermittelten 5,5 L/100km in Grenzen, nur bei langen Vollgasetappen nimmt auch die Buell einen gehörigen Expresszuschlag. Alles in allem sind Tankstopps erst nach ca. 300 Km notwendig und unterstreicht ihre Tourenambitionen. Das leicht zu schaltende Fünfganggetriebe ist Dank des hohem Drehmoments ausreichend, man vermisst den 6ten Gang in keiner Situation. Ein kleiner Wehmutstropfen ist die etwas aufwendige Leerlaufsuche. Mit einem Leergewicht von 227 kg (fahrbereit), ist sie sicherlich kein Leichtgewicht bewegt sich aber da wo sich die meisten Ihrer Klassenkameraden auch tummeln. Die Zuladung von 6 WHEELIES WHEELIES 7 204 kg kann man entspannt eine voll gepackte Urlaubstour in Angriff nehmen. Selbst meine Sozia mit ihrem sonst so sensiblen Popometer äußerte sich über die Amerikanerin nur wohlwollend, Sie besäße eine superbequeme Sitzbank mit Fußrasten, die an der richtigen Position an den Rahmen geschraubt wurden. Ebenso vermittele sie der Sozia ein souveränes Mitfahrgefühl. Das kann ich als Fahrer nur bestätigen, einzig die Bremsen könnten etwas giftiger sein, die große 375mm Bremsscheibe sieht zwar schick aus, ist aber nicht so bissig, wie ich es gerne hätte. Hier lässt sich vielleicht mit einer anderen Belagkombination Abhilfe schaffen. Auf den folgenden Taunuskehren ist aber alles im grünen Bereich und wir haben an diesem Tag die letzten Sonnenstrahlen des ausgehenden Sommers ausgiebig genossen. Das Lieblingsterrain der Ulysses sind aber eindeutig die kurvigen auch gerne mal etwas kantigere Land- und Nebenstrassen. In der Stadt stört auf Dauer der nervige, wenn auch notwendige Lüfter, der für die Kühlung des hinteren Zylinders zuständig ist. Der Thunderboltmotor ist nämlich ein luftgekühlter Twin, der ansonsten erhebliche thermische Probleme bekommen würde. Leider ist dieser Lüfter so laut, dass er den V2 ? Sound fasst übertönt. Das kann nur bedeuten, raus aus der Stadt und hinaus ins Kurvengewimmel rund um Frankfurt und die verbleibende gemeinsame Zeit genießen. Resume: Die XB 12 X Ulysses ist ein echter Hingucker, vor allem dem weiblichen Geschlecht scheint es Ihre Optik angetan zu haben. Eisdielenfaktor 9,5. Selbstfahrerinnen dürften allerdings aufgrund ihrer Sitzhöhe zu Zehenspitzengängern oder Sozias mutieren müssen. Mir persönlich hat dieses Motorrad trotz oder gerade wegen seiner Schwächen wirklich zwei Wochen reinen Spaß gebracht. Ich werde auf alle Fälle das 07er Modell testen um die geänderte Abstimmung der Vordergabel auszuprobieren. Der Preis von 11.499 EURO ist zwar kein wirklicher Schnäppchenpreis aber für die Exklusivität muss halt ein kleiner Zusatzobolus geleistet werden. Unsere österreichischen Bikerfreunde werden uns aber trotzdem beneiden, die müssen immerhin 14.190,- EURO unserer so lieb und teuer gewordenen Euros hinlegen. Folglich lohnt sich ein Grauimport nicht und man seine Ulysses auch getrost beim einheimischen Händler seines Vertrauens testen/kaufen.

Technische Daten:

Motor: Luft/ Lüftergekühlter 45° V-Zweizylinder 2 Hydrostößelgesteuerte obenliegende Ventile pro Zylinder Verdichtung: 10:1
Leistung: 74,6kW / 101,4 PS bei 6600 U/min Drehmoment: 110Nm bei 6000 U/min
Kupplung: Mehrscheiben - Nasskupplung mit Torsionsdämpfer
Bereifung:
Pirelli ab Modelljahr 07 Dunlop vorne 120/70 ZR-17, hinten 180/55 ZR17
Länge: 2.180 mm
Breite: 900 mm
Sitzhöhe: 808 mm
Radstand:
1.370 mm
Gewicht:
227 kg Zul. Gesamtgewicht: 431 kg
Preis:
11.499,00 EURO

 

 












 
© Regio Verlag Schwäbisch Hall 2008

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