Anzeigen

Meyers Motorradstadl

Anzeigen

team Metisse



Kawasaki / Versys 650 / 


ApriliaBenelliBMWBUELLDucatiHarley DavidsonHondaKawasakiZ 1300 - Teil2Ninja 250 RVersys 650GTR 1400Z 1000ER-6f 2006KTMMoto GuzziMoto MoriniPiaggioRoyal EnfieldSuzukiTriumphVergleichtestsVoxanYamaha


 

Versys 650

Seit geraumer Zeit etabliert sich eine neue Gattung von Motorrädern auf dem Markt. Ich spreche hier von Bikes wie der: Triumph Tiger, Ducati Multistrada, Aprilia Pegaso und Benelli TreK, um nur ein paar zu nennen. Sie sehen auf den ersten Blick aus wie Enduros, wäre da nicht die 17-Zoll-Bereifung. Für eine Super-Moto sind sie jedoch nicht aggressiv genug. Es handelt sich hier irgendwo um eine Mischung aus Funbike, Tourer und Sportbike. Je nachdem, um welche es sich gerade handelt: von dem einen etwas mehr, von dem anderen etwas weniger. Und dieses Konzept scheint Erfolg zu haben. Man findet heute bei immer mehr Herstellern ein solches Bike im Programm, für das es eigentlich noch nicht einmal eine offizielle Bezeichnung gibt. Dabei ist diese Gattung gar nicht wirklich neu. Yamaha hatte 1991 mit ihrer TDM dieses Konzept bereits aufgegriffen. Die Zeit war wohl damals noch nicht reif für solche sportlichen „Touren -Funduros“.

Kawasaki bietet mit der Versys auch ein solches Bike an, und zwar in der Mittelklasse. Wer jetzt schreit, Mittelklasse-Motorräder seien langweilig, sollte sich die Versys einmal genauer anschauen. Sie besticht zuerst durch ihre an einen Totenkopf erinnernden Scheinwerfer und wirkt überhaupt durch ihre breite hohe Front sehr erwachsen. An ihr finden sich außerdem edelste Komponenten, wie die Upside-down-Gabel, eine interessante Bananenschwinge mit Gewindeaufnahme für einen Montageständer, an der das Federbein in einer besonderen Art und Weise angebracht ist. Lage und Form des Auspuffs runden das Bild ab. Der 180 Grad-Twin und der Rahmen wurden von dem Schwestermodell ER6 übernommen. Jedoch wurde der Rahmen der Versys zur Verbesserung der Tourentauglichkeit mit einem steiferen Heck versehen, was eine Montage von Koffern ermöglicht. Dank dem Underflur-Auspuff ist hier nichts im Wege.

Nachdem ich 2006 die ersten Bilder der Versys gesehen hatte, war ich sofort von ihr angetan. Somit konnte ich Ebbse auch gleich davon überzeugen, dass hier ein Bericht im Wheelies bereits überfällig ist. Er organisierte daraufhin auch gleich einen Termin beim Heilbronner Kawasaki- und Triumph-Zweirad-Center Umbach. Ich konnte dann am darauf folgenden Freitagabend die in leuchtendem Orangemetallic lackierte Versys abholen. Diese Farbe gab es leider nur beim 2007er Modell. Dafür gibt es die Versys ab diesem Jahr in kawagrün (alternativ blaumetallic oder schwarz). Bei der Sitzprobe  fielen mir die mit 840 mm relativ hohe Sitzposition sowie die langen Federwege von 105 mm/145 mm auf. Diese Daten lassen an eine Enduro erinnern. Die Sitzhöhe relativiert sich dank der schmalen Sitzbank und des schmalen Tanks.
Beim Einschalten der Zündung schlägt die Nadel des Drehzahlmessers voll aus. Ich lasse mir dann alle Funktionen des Cockpits erklären. Es bleiben hier an und für sich keine Wünsche offen, außer dass nicht alle Funktionen auf einen Blick ersichtlich sind, sondern per Knopfdruck entsprechend angewählt werden müssen.

Nach dem Starten des Motors läuft der Twin mit hoher Drehzahl, für meinen Geschmack etwas zu hoch, an und ich wühle mich durch den Heilbronner Stadtverkehr. Die leichtgängige Kupplung ist das erste, was mir beim Stopp and Go angenehm auffällt – und das ohne Hydraulik. Da ich hauptsächlich auf großvolumigen, drehmomentstarken Motorrädern unterwegs bin, tu´ ich mich am Anfang beim Test von Mittelklassemotorräder meist etwas schwer. Bei der Versys war dies so nicht der Fall. Sie zieht für ihre 650 ccm kräftig und übers gesamte Drehzahlband durch und entwickelt dabei keine nennenswerten Vibrationen, wobei sie sich bei Drehzahlen unter 3000 U/min. nicht wirklich wohl fühlt. Der spürbare Drehmomentzuwachs gegenüber ihrem Schwestermodell ER6 ist durch geänderte Steuerzeiten sowie das Interferenzrohr zwischen den Krümmern zu erklären. Die Versys hat zwar dadurch 8 PS eingebüßt, aber ich denke, zu einem guten Zweck. Da muss dann nicht permanent das durchaus gut schaltbare Sechs-Gang-Getriebe in Anspruch genommen werden.

Nachdem ich auf der Hinfahrt bereits an mehr Radarfallen als Dönerbuden vorbeigekommen bin, verlasse ich die Bundesstraße und fahre lieber auf kleinen, holprigen Landstraßen weiter. Hierbei stellt sich heraus, dass das Fahrwerk zwar recht straff abgestimmt ist, aber noch genügend Komfort für Straßen dieser Art bietet.

Am nächsten Morgen starte ich auf eine Tour durch die Schwäbische Alb. Dort zeigt der Twin nochmals, dass er nicht nur kräftig aus dem Keller zieht, sondern auch keine höhere Drehzahl scheut. Die angegebenen 64 PS machen mich stutzig, ich würde sagen, es sind gefühlte 80 PS. Wie dem auch sei: Diese Leistung ist ausreichend für eine Höchstgeschwindigkeit von fast 200 km/h.

Das knappe Windschild ist in der Höhe dreifach verstellbar und bietet bei höheren Geschwindigkeiten mehr Windschutz, als man ihm zutraut. Die voll getankte 211 kg schwere oder besser leichte Versys zeigt sich nun von ihrer sportlichen Seite, ist unglaublich handlich und lässt sich geradezu spielerisch durch die Kurven zirkeln. Mit ihr muss nicht eine streng vorgegebene Linie gefahren werden, sie verzeiht auch Korrekturen in den Kurven. Ich wäre enttäuscht gewesen, wenn es nicht so wäre, bei einem Bike mit diesem Gewicht, einem so kurzen Radstand (1.415mm) und der für heutige Verhältnisse schmalen Bereifung (120/70  bzw. 160/60). Die Bremsen sind nicht aggressiv und werden erst beim kräftigen Durchziehen richtig bissig. Das macht sie schön dosierbar. Ein Überbremsen ist dank ABS nicht möglich.

Die Sitzposition ist für mich bei einer Körpergröße von 1,80 m ideal und so merke ich gar nicht, wie die Kilometer dahin fliegen. Der 19 Liter fassende Stahltank in Verbindung mit einem Verbrauch von unter fünf Litern macht eine Reichweite von weit über 300 km möglich. Nach einem ausgiebigen Tag auf der Alb konnte ich feststellen, dass die Versys (zu deutsch: vielseitig) ihrem Namen alle Ehre macht. Sie ist ein echter Allrounder und beweist, dass ein Mittelklassemotorrad nicht langweilig sein muss und dass Vernunft und Spaß durchaus zusammen gehören können. Man sollte sie nicht als Einstiegs-/Wiedereinstiegs- oder Frauenmotorrad herabsetzen. Sie ist ein vollwertiges, ernst zu nehmendes Motorrad. Selbst im Soziusbetrieb gab es nur wenig Beanstandungen. Der Sozius sitzt zwar etwas hoch, aber ansonsten nicht unbequem.

An dieser Stelle ist es nun Zeit über Geld zu reden. Auch da muss sich die Versys nicht verstecken. Mit einem Listenpreis von 7.295,00 Euro kann man hier von einem ausgewogenen Preis-Leistungs-Verhältnis sprechen. Derzeit läuft sogar noch die Aktion Versys Travel-Edition, die für einen geringen Aufpreis bei insgesamt 7.695,00 Euro ein komplettes Kofferset beinhaltet.

Alles im allem hinterließ die Versys bei mir nach diesem Wochenende einen sehr positiven Eindruck und mir fiel es fast etwas schwer, die kleine Kawa wieder abgeben zu müssen.











 
© Regio Verlag Schwäbisch Hall 2008

Anzeigen