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Harley Davidson / V-Rod Muscle / 


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Bodybuilding

Hey man! Ich weiß – ich seh’ verdammt gut aus! Nein, ich bin nicht eitel. Meine Schöpfer in Milwaukee haben sich bei mir eben besonders ins Zeug gelegt. Fett, breit und unendlich lang ducke ich mich über den Asphalt. Gerade so, als hätte man einem 57er Chevy die seligen Blattfedern ausgebaut. Sollte sich mir jemand von hinter nähern, flösst schon mein 240er Schlappen mächtig Respekt und Ehrfurcht ein. Tja, und so hat mich meine Company nun nach Europa geschickt, um meine beiden Schwestern, die V-Rod und die Night-Rod Special, im Verkauf zu unterstützen. Ganz klar, ich bin der neue Star der Familie! Der Grund, warum ich in Deutschland gelandet bin, kommt nicht von ungefähr. Stammt mein V2-Herz mit strammen 1.250 Kubikzentimetern doch in seiner Grundkonzeption von eurem schwäbischen Edelflitzer-Bauer Porsche. Dass die Motoren bauen können, muss ich euch, als Amerikanerin, ja wohl nicht erzählen. Nur soviel: Ich lasse nicht nur äußerlich die Muskeln spielen. Auch mein Innenleben fetzt gehörig! Mit 121 PS und einem Drehmoment von 115 NM können die Japan-Cruiser von mir aus antanzen, wie sie wollen. Außer meinem fetten Arsch bekommen sie von mir, nachdem die Ampel auf GRÜN umgesprungen ist, nicht viel zu sehen.

Damit ich gut in Form bleibe, habe ich mich im Fitness-Studio b4 in Heubach zu einem Probetraining angemeldet. Ich muss zugeben, etwas geschmeichelt fühle ich mich schon, als die Jungs und Mädels dort nur so staunen, als sie mich zum ersten Mal sehen. Deutlich kann ich fühlen, wie ihre Blicke bewundernd bis lüstern über mein breites Kreuz wandern. Dabei fällt manche anerkennende Bemerkung über die vielen schönen Detaillösungen, die ich zu bieten habe. Das fängt schon bei meinen in den Spiegelauslegern integrierten Blinkern an, setzt sich über meine Infotainment-Armaturen im feinsten Designer-Outfit fort und hört bei der wunderschönen Aluschwinge und bei meinem formschönen LED-Rücklicht noch lange nicht auf. Auffallend sei auch meine tadellose Verarbeitung, meint einer noch. Nach einigen Übungseinheiten, wo ich denen gezeigt habe, wo irgend so ein Bartel ein wohl schwäbisches Getränk namens Most holt, bin ich fit für den bevorstehenden Testride, den Präsi vom WHEELIE’s mit mir unternehmen will.
Nachdem dieser meinen Anlasser-Knopf gedrückt hat, runzelt er doch etwas skeptisch die Stirn. Da hat er vermutlich mehr und etwas anderes erwartet, als das Geräusch, welches meinen Auspufftöpfen entweicht. Vielleicht erinnert er sich an seine Tour durch die USA, wo er mit meinen Vettern aus der Road-King-Fraktion unterwegs war. Zugegeben, da kann ich wirklich nicht mithalten. Das zugeschnürte Blubbern passt nicht so recht zu meinem Traum-Body. Ihr hier mit euren Abgas- und Lärmbestimmungen. What a shit!

Grinsen muss ich, als er seine Cowboyboots auf meine Sozius-Fußrasten stellt und versucht, den ersten Gang einzulegen. Dass er seine Beine gehörig ausstrecken muss, um fast einen Meter weiter vorn seinen Arbeitsplatz zu erreichen, blickt er erst auf den zweiten Anlauf. Sieht schon cool aus, wie er nun lässig vom Parkplatz fährt – wahrscheinlich fühlt er sich auch so. Bequem ist dies auf Dauer allerdings nicht. Das wird er nach einiger Zeit schon merken. Da kommen dann wieder meine Pseudo-Sozius-Fußrasten ins Spiel. Einen Mitfahrer dulde ich schon aus stilistischen Gründen überhaupt nicht (ganz zu schweigen, dass der/die Sozius/ Sozia den Piloten nach einigen Kilometern wegen abartiger Folterpraktiken vors Gericht zerren würde, sofern der nach einer Beschleunigungsorgie überhaupt noch hinten drauf sitzt!). Da bleibt für Präsi das hin- und herwechseln seiner Füße, um mal lässig über den Boulevard zu cruisen oder sportlich aggressiv über die Landstraße zu räubern. Hierzu sollte sich aber jeder Pilot genügend Zeit nehmen, um mich näher kennen zu lernen. Schließlich bin ich mir für One-night-stands viel zu schade. Wenn die Boys und Girls den Kniff dann mal raus haben und wissen, wohin der Rabbit läuft, kann man mit mir durchaus Spaß haben und so manche Dinge tun! So wie Präsi, der mich nach einigen Tagen und Kilometern Eingewöhnung in sein Lieblingsrevier, das Kochertal, mitnimmt. Mit meinem beachtlichen Radstand von immerhin 1,70 Metern, meinem Kampfgewicht von über 300 Kilos und meinem hinteren Bigfoot tanzt dieser mit mir zwar keinen Kurven-Rock’n-Roll, aber für einen groovigen Blues reicht es dicke! Dabei merkt er schnell, dass für flottes Vorankommen der ganze Körpereinsatz gefordert ist. Mit genügend Druck lasse ich mich von einer in die nächste Kurve werfen. Auf eine korrekte Vorgabe der Linie bestehe ich allerdings, denn Korrekturen mag ich absolut nicht. Dass der von mir geforderte Fahrstil seinen besonderen Reiz haben kann, merke ich dem Präsi an, schließlich kann der gar nicht genug davon bekommen. Das liegt vielleicht auch an den Geraden, die nach dem Kurvenende folgen. Da freuen sich alle (neben den GRÜNEN Ampeln) am meisten drauf. Wenn der Zeiger meines Drehzahlmessers die Zahl 6.000 überschreitet, werden die Dragster-Gene, die mir meine Erzeuger mit auf den Weg gegeben haben, in mir geweckt. Wie am Gummiband gezogen, schnalze ich über den Asphalt, mein Pilot krallt sich am breiten Lenker fest und ich sorge so dafür, dass auch er sein spezielles Oberarm-Muskeltraining bekommt. Auch Präsi kann es sich nicht verkneifen, immer wieder zwei Gänge in meinem exakten und leichgängigen Getriebe hinunter zu kicken und den Hahnen zu spannen. Kick gas! Na, mein Boy, wie wär’s mit einer Gage für die Produktion von Glückshormonen?

Für den Fall, das irgendwann mal Übermut mit ins Spiel kommt und nach dem Zwischenspurt die nächste Kurven viel zu früh vor meinem Vorderrad auftaucht: No fear – es kann nicht viel passieren. Für die Verhütung sorge ich! Und zwar mit meinem serienmäßigen ABS, welches nicht nur zur rechten Zeit eingreift, sondern auch noch sehr feinfühlig regelt. Überhaupt die Bremsen. Bei meinen Old-Style-Cousins immer noch ein Thema mit, wie sagt ihr hier, Gschmäckle: Wir V-Rods allerdings sind hier echt up-to-date. Da hat auch Präsi seine Freude daran.
Total zufrieden mit sich und vor allem mit mir, steuert er die nächste Eisdiele an. Soll er sich mit dem Amaretto-Becher doch seine Figur vollends versauen. Ich für mich genieße es, wie die Besucher meine Figur bestaunen. Es wäre schlichtweg gelogen, wenn die Menschentraube, die sich rasch um mich bildet, meinem Ego abträglich wäre. It’s Showtime, Ladies and Gentlemen! Auch ihr Biker dieser Welt könnt mir doch nichts vormachen. Setzt euch tagsüber auf eure Rennsemmeln oder Plastikcruiser und träumt nachts unter der Bettdecke von mir, der V-Rod Muscle. Nennt mich ruhig eingebildet, eitel oder größenwahnsinnig. Dies wird Jennifer Lopez auch nachgesagt und doch würden die meisten Männer sie nicht von der Bettkante stoßen!

Bedanken möchte ich mich ganz herzlich bei Esther Hartmann von Harley-Davidson Deutschland. Das Mädel hat dafür gesorgt, dass das Rendezvous mit Präsi stattfinden konnte. Mein weiterer Dank gilt Huggy und den Mädels und Jungs vom Fitness-Studio b4 in Heubach, die mir die aufwendige Trainingseinheit ermöglicht haben und zu guter Letzt Gundel, der beim Foto-Shooting alles gegeben hat. Den Beweis seht ihr hier.
Nachfolgend nun meine inneren Werte und meine sexy Maße:
Motor und Kraftübertragung
Wassergekühlter Zweizylinder-60-Grad-V-Motor Vier Ventile pro Zylinder
Hubraum:    1.246 ccm
Bohrung und Hub:    105 x 72 mm
Leistung:    121 PS bei 8.250 U/min.
max. Drehmoment:    115 Nm bei 6.500 U/min.
5-Gang-Getriebe
Antrieb über Zahnriemen

Fahrwerk, Bremsen und Rahmen
Stahl-Doppelschleifenrahmen
Upside-down-Gabel vorn
Aluminium-Zweiarmschwinge mit zwei Federbeinen hinten
Doppelscheibenbremse mit Vierkolben-Sättel vorn
eine Scheibenbremse hinten
Bereifung vorn:    120/70 ZR 19
Bereifung hinten:    240/40 R 18 (krass fett, gell!)

Maße und Gewichte
Radstand:    1.700 mm
Lenkkopfwinkel:    56 Grad
Federweg vorn:    102 mm
Federweg hinten:    74 mm
Sitzhöhe:    705 mm
Tankinhalt:    18,9 Liter
Gewicht (getankt):    306 kg
Verbrauch:    6,3 Liter
    (Landstraße/WHEELIE’s-Messungen)

Fahrleistungen
V-max:    225 km/h (dabei viel Spaß!)
0 – 100 km/h    3,7 sek.
0 – 140 km/h    6,4 sek.
60 – 100 km/h    4,1 sek.
100 – 140 km/h    4,7 sek.

Preis:    knappe 19.000 Mäuse












 
© Regio Verlag Schwäbisch Hall 2008

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