Mit dem Motorrad durch TunesienWieder einmal zog es mich in den Süden. Diesmal sollte es mit dem Motorrad durch Tunesien gehen. Zunächst ging es jedoch nach Italien genauer gesagt nach Genua. Am Hafen lernte ich eine Gruppe Österreicher kennen die mit drei KTMs, einem Geländewagen und einem LKW mit Campingaufsatz ebenfalls auf dem Weg nach Tunesien waren. Weil die Fähre mit zwei Stunden Verspätung in Genua ab legte und nach 24 Stunden mit drei Stunden Verspätung bei Regen in Tunis an kam war es dort bereits dunkel. Wir hatten die notwendigen Formalitäten für die Einreise mit dem eigenen Fahrzeug bereits mit langen Wartezeiten an drei verschiedenen Schaltern an Bord erledigt so daß die eigentliche Einreise nun relativ schnell verlief. Da die Österreichische Gruppe die GPS Koordinaten des Campingplatzes Jasmin in Nabeul hatte schloß ich mich ihnen an. Zum Glück regnete es nicht mehr als wir am nächsten Tag zunächst eine Bank aufgesucht mußten um Geld zu tauschen bevor wir in Richtung der großen Stadt Kairouan aufbrachen. Um die Fahrt etwas anspruchsvoller zu gestalten wurde eine Flussdurchfahrt anvisiert. Während der Nissan Patrol und die Motorräder damit keine Probleme hatten blieb der LKW trotz Allradantriebes im weichen Untergrund stecken. Dies bot die willkommene Gelegenheit die angebaute Seilwinde unter reellen Bedingungen zu testen bis auch der LKW wieder festen Boden unter den Rädern hatte. Am nächsten Tag fuhren wir Piste in Richtung Tozeur. Das Gelände wurde immer steiniger und steiler. Am späten Nachmittag erreichten wir Tozeur wo ich mir eine kleine Hütte auf dem Campingplatz mietete. Der Campingplatz Belvedere ist wenn man mal von den fehlenden Toilettenbrillen und dem in Tunesien generell fehlenden Papier absieht sehr gepflegt und bietet sogar warmes Wasser in den Duschen. Am nächsten Tag ließen wir unsere Sachen auf dem Campingplatz und fuhren eine relativ schwere Piste in Richtung der Kulissen des bekannten Scince Fiction Films "StarWars". Gelegentlich legten wir Pausen an interessanten Stellen ein an denen jeder sein Fahrkönnen und seinen Mut unter Beweis stellen konnte bevor es weiter ging. Endlich am Ziel wurde die Freude der Besichtigung durch extrem aufdringliche Händler getrübt. Trotzdem war es erstaunlich wie einfach mit Holzlatten, Gips und alten Rohren das Leben auf einem anderen Planeten nachgebaut wurde. Zurück ging es auf einer weniger schwierigen aber unangenehmen Wellblechpiste. Am nächsten Tag trennte ich mich von den geländefreudigen Österreichern um nicht die Piste sondern die Asphaltstraße durch das Chott El Djerid Richtung Kibili und weiter nach Douz zu fahren. Auf der schier endlosen, geraden Straße fühlte ich mich wie am Meer. Es war windig, roch nach Salz und Wasser war zu beiden Seiten der Straße. Damit die Touristen anhalten und aufdringlich Ware angeboten werden kann haben Einheimische sogenannte Sehenswürdigkeiten aufgebaut von denen sich viele Reisegruppen fotografieren lassen. Je weiter ich mich von der algerischen Grenze entfernte des do wärmer wurde es ohne daß der Wind aufhörte. Vor Douz kam ich bei 40°C im Schatten in einen Sandsturm und war froh als ich endlich im Campingplatz Club Desert duschen konnte. Douz ist relativ klein. Es gibt jedoch zahlreichen Geldwechselmöglichkeiten, Hotels aber auch von Touristen als Kamele bezeichnette Dromedare und leider viele Mücken. Gegen Abend treffen die Österreicher zufällig am gleichen Campingplatz ein und berichten wie anstrengend und steinig die Piste um das Chott gewesen sei. Als ich am nächsten Tag brach ich auf der asphaltierten Pipelinepiste Richtung Ksar Ghilane auf. Nach einigen Kilometern traf ich drei Franzosen die mit ihren Yamaha XT 600e Motorrädern die angeblich leichte Piste durch die Wüste zur Oase fahren wollten und schloß mich ihnen an. Leider teilte sich die anfangs breite Piste ständig und wurde durch Sandverwehungen immer schmaler bis wir sie schließlich nicht mehr finden konnten. Nachdem wir einige Kilometer vergeblich gesucht haben stellten wir fest daß wir Greenhorns uns mit knappen Spritreserven und meinen 8 Litern Trinkwasser ohne GPS oder Kompaß in der Sahara verirrt hatten. Da die Sonne zur Mittagszeit genau über unseren Köpfen stand markierte ich den Schatten meiner Seitenkoffer um fest zu stellen in welche Richtung er sich verschiebt. Nachdem wir so Osten bestimmt hatten fuhren wir in diese Richtung bis wir nach 20 Kilometern in denen wir uns immer wieder eingesandte haben endlich auf die asphaltierte Pipelinepiste trafen. Nun waren es nur noch 40 Kilometer vorbei an weidenden Schafen und Dromedare vor denen Schilder warnten bis ich nach insgesamt knapp 2000 Kilometern den südlichsten Punkt meiner Reise, die Oase Ksar Ghilane, erreichte. Entgegen meinen Erwartungen stürzten sich in der Oase keine aufdringlichen Händler auf mich. Ich fuhr zum Campingplatz El Biben um ersteinmal ausgiebig kalt zu duschen. Bei einbrechender Dunkelheit besichtigte ich das mit Hilfe eines großen Diesel Strohmgenerators beleuchtete Ksar Ghilane vom Aussichtsturm eines Luxuscampingplatzes der das Übernachten in "Berberzelten" mit Dusche und Klimaanlage anbietet. In den nächsten Tagen ging ich im See der heißen Quelle, die angeblich seit einem mißlungenen Bohrversuch der Franzosen 1956 nach Erdöl aus 700 Meter Tiefe sprudelt, baden. Dabei lernte ich neben vielen Touristen aus den verschiedensten Ländern auch zwei Kameraleute kennen die die Marathon Ralley Grand Erg, eine Materialschlacht für die einige Fahrer extra einen Servicewagen mit Mechanikern mitfahren lassen, für den hessischen Rundfunk filmen sollten. Das freundliche Angebot die Journalisten im Toyota Land Cruiser zur römischen Ksar Rouine etwas außerhalb in der Wüste zu begleiten um von dort die vorbeifahrenden Fahrzeuge zu sehen lehnte ich nicht ab. Da die Fahrer der Ralley einen Kilometer von der vorgegebenen Piste abweichen dürfen war es nicht leicht gute Bilder zu bekommen. Zu unserer Freude grob sich jedoch eine der Teilnehmer direkt vor unseren Augen ein und kam ohne fremde Hilfe nicht mehr weiter. Bei der Abreise aus Ksar Ghilane wurde mein Motorrad aus Fässern betankt. Leider gelangte so auch jede Menge Dreck in den Tank. Ich hatte versäumt mein T-Shirt etc. als Filter zu verwenden. Ksar Ghilane verfügt zwar über Übernachtungsmöglichkeiten für viele hundert Touristen, nicht aber über einen Lebensmittelladen oder eine Tankstelle. Bis nach Matmata waren es 80 Klometer. Dort wohnten Leute wie vor hunderten Jahren in Höhlen die sie in die lehmartige Erde der Berge des Dahar Gebirges gegraben haben. Daß sich aber auch hier der Fortschritt nicht aufhalten läßt beweisen überall vorhandene Parabolantennen. Weiter nördlich in Skhira glaubte ich meinen Augen nicht zu trauen als plötzlich überall an der Straße tote Schafe hingen von denen man sich ein Stück grillen lassen kann. Fastfood auf Tunesisch. Je weiter nördlich ich kam des do windiger wurde es und des do öfter waren Schilder ausschließlich in arabischer Schrift und nicht zusätzlich französisch beschriftet. Auf der Suche nach den bekannten Schiffswracks östlich am Strand von Bizerte stieß ich auf einer schmalen Piste durch den Wald plötzlich auf ein riesiges Wohnmobil aus Frankreich das sich augenscheinlich beim Versuch zu Wenden bis zu den Achsen im sandigen Untergrund festgefahren hat. Das ältere Ehepaar hatte auf der Suche nach einem Campingplatz die Asphaltstraße verlassen und hoffte nun durch einen Anruf bei ihrer Versicherung in Europa Hilfe zu bekommen. Da wir jedoch in Afrika wahren und dort die Dinge etwas anders laufen fuhr ich zurück zur Straße, hielt einen Geländewagen an und lotste ihn zum Wohnmobil. Dem Geländewagen gelang es zwar nicht das vier Tonnen schwere und angeblich 61000.- Euro teure Gefährt mit Zimmerpflanze, Sat TV und einem Motorroller im Heck wieder flott zu bekommen aber wie in Tunesien üblich kannte der Fahrer jemand der jemand kannte der auf einer Baustelle Bagger fährt. Während wir auf den Bagger warteten zeigten mir die Franzosen ihr "Haus". Anschließend war die Bergung des Wohnmobils gegen Bares schnell geschehen und die Franzosen folgten mir zur Jugendherberge. Nun unternahm ich einen zweiten Anlauf die beiden gut sichtbaren Schiffwracks die sogar bei Google Earth unter den Koordinaten 37°15'7.47"N, 9°56'53.76"E zu sehen sind aus der Nähe zu besichtigen. Während im Militär Sperrgebiet hinter mir scharf geschossen wurde parkte ich mein Motorrad und wanderte die letzten hundert Meter über die Dünen durch den weichen, weißen Sand. Das kleinere der beiden Wracks liegt schräg einige Meter im Wasser. Das Größere und stärker zerfallene liegt jedoch unmittelbar am Strand und kann sogar betreten werden. Im Inneren herrscht unheimliche Ruhe bis plötzlich krachend eine Welle gegen die Bordwand schlägt und Wasser ins gebrochene Schiff eindringt. Am nächsten Morgen machte ich mich auf die Suche nach dem Cap Blank, dem nördlichsten Zipfel Afrikas. Wie ich schon erwartet hatte wurde die Wanderung nachdem ich mein Motorrad geparkt habe sehr windig aber schön. Auf Grund des rauhen Windes ist der Felsen kaum bewachsen. Auf dem Berg dahinter befindet sich eine Festung um die herum Kühe weiden. Militärisches Sperrgebiet. Wieder zurück in Bizerte ging ich Essen und anschließend im abgeschirmten Jachthafenbecken schwimmen. Dadurch wurde ich zur Attraktion für die Einheimischen für die das Wasser noch viel zu kalt war. Am nächsten Tag bestieg ich wieder die Fähre in Richtung Europa.
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