Triumph Tiger 1050Dass der neue Tiger nach seiner fünften Modellpflege nun den Abschied vom Offroad genommen hat, zeigen die nur 150 mm Federweg ebenso wie die breite 17'' – Bereifung. Dies hatten wir im Wheelies bereits ausführlich debattiert und dürfte mittlerweile jedermann bekannt sein. Auch die Optik des neuen Tigers hat nichts mehr mit dem Aussehen einer Reise-Enduro gemein. Sie ist deutlich schlanker geworden, hat auch 22 kg abgespeckt und wiegt nun fahrfertig 229 kg. Hier muss fairer Weise jedoch gleich erwähnt werden, dass der Gewichtseinsparung Hauptständer und Gepäckbrücke zum Opfer gefallen sind. Der bauchige 24 – Liter – Tank musste einem schlankeren weichen, der wunderbar in die neue Linie passt. Das geht natürlich auf Kosten des Aktionsradius, zumal der neue Tiger einen etwas höheren Spritverbrauch hat. So muss bereits nach etwa 300 km schon mal Ausschau nach einer Tankstelle gehalten werden. Der völlig neu konzipierte Brückenrahmen ist nun nicht mehr aus Stahl, sondern aus Aluminium und ermöglicht eine Zuladung von 199 kg. Dies ist eine Einbuße von 35 kg gegenüber dem alten Tiger. Bei der Motorisierung ging Triumph wieder den bewährten Weg und rüstet das Tiger-Modell mit dem der Schwestermodelle Sprint bzw. Speed Triple aus. So kommt der Tiger nun auch auf 1050cm3. Die Einspritz-Software des Tigers sowie ein längerer sechster Gang unterscheiden sich jedoch von der Sprint. Übrig bleiben 115 PS bei 9400U/min (Sprint 130 PS) bzw. 100Nm bei 6250U/min. – und das Ganze bei Euro 3 Norm. Aber nun genug der Theorie. Ich organisiere eine Probefahrt mit einem ABS-Modell bei Motorcorner in Wangen bei Göppingen. Nach einer ausführlichen Sitzprobe entscheide ich mich für die hohe Sitzbank mit 860 mm SH. Zur Alternative standen die niedrige Sitzbank (815 mm SH) und eine Komfortversion. Der Motor springt, wie von einem Einspritzer nicht anders zu erwarten, sofort an und hängt auch gleich sauber am Gas. Auf den ersten Kilometern wird auch gleich klar, dass der Tiger auf Drehmoment ausgelegt ist. Er schiebt bereits aus dem Standgas kraftvoll und lückenlos bis in den roten Bereich. Lastwechselreaktionen sind kaum spürbar. Es ist mir auch immer wieder ein Rätsel, wie es Triumph schafft, trotz immer strenger werdender Geräuschnormen einen so geilen Klang hinzukriegen. Ich bin auch sofort mit dem neuen Tiger so vertraut, als wäre ich noch nie etwas anderes gefahren. Ich möchte an dieser Stelle sogar noch weiter gehen und behaupten, dass mit diesem Bike jeder spontan zurecht kommt. Das fängt an mit der bequemen Sitzposition, geht weiter über das hervorragende Handling sowie das direkte Lenkverhalten und endet beim extrem leicht zu schaltenden Getriebe. Da ich mit meinem Tiger (dem Vorgänger-Modell T709) zu diesem Meeting gefahren bin, hatte ich auch den direkten Vergleich und muss zugeben, dass ich etwas voreingenommen an die Sache heran ging. Ich hielt bis dahin den neuen Tiger für eine tourentaugliche Speed Triple bzw. für eine unverkleidete Sprint. Aber ich wurde bereits nach kurzer Zeit eines Besseren belehrt. Der neue Tiger hat (wenn auch keine Enduro mehr) seine Eigenständigkeit nicht eingebüßt. Das Fahrwerk ist straffer und nicht mehr so komfortabel wie es bei den T7er-Modellen war. Dafür ist es aber auf schnellen, gut ausgebauten Straßen deutlich spurstabiler und ist auf schlechten Landstraßen nicht zu hart. Ob allein oder mit Sozius – der Neue zieht unbeirrt seine Bahn. Erst wenn es auf Schlagloch-Pisten geht, kann der Alte etwas punkten. Aber nicht nur das Fahrwerk ist besser geworden – auch der Motor hat spürbar mehr Druck bekommen. Die radial verschraubten Bremsen sind auf dem höchsten Stand der Technik und mit dem Alten nicht mehr zu vergleichen. Insofern bin ich fast schon geneigt, beim neuen Tiger von der "eierlegenden Woll-Milch-Sau" zu sprechen. Erfreulich ist auch, dass der Listenpreis der 1050er mit 10240 ? + NK unter dem des Vorgängers liegt. Wer noch einen 1000er nachwirft, bekommt auch gleich das ABS dazu. Ich denke, es macht Sinn, das gleich mitzuordern, da sich der Tiger später auf dem Gebrauchtmarkt ohne ABS nur mit deutlichem Preisnachlass verkaufen lässt. Der Blick auf die Zubehörliste lohnt sich auf jeden Fall. Das Angebot reicht von Gepäcksystemen über Haltegriffe bis hin zu Hauptständer etc. Denn auch wenn das schmale Heck nicht so aussehen mag – es gibt zum neuen Tiger ein passables Koffersystem. Apropos aussuchen ... beim neuen Tiger stehen folgende 4 Farben zur Auswahl: scorched yellow, fusion white, jet black und caspian blue. Abschließend meldet sich hier an dieser Stelle noch die Sozia zu Wort: der Soziussitz ist echt bequem und braucht den Vergleich mit dem des alten Tigers nicht zu scheuen. Dass nicht nur uns der Neue überzeugt hat, zeigt die Tatsache, dass er fürs Jahr 2007 bereits weitestgehend ausverkauft ist. So kann man in England heute schon vom „Jahr des Tigers“ sprechen.
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