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Triumph / Street Triple / 


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Street Triple

Da das Wetter geradezu danach schrie den Tiger aus dem Käfig zu lassen, schlüpfte ich eben in die Kombi um eine Runde ohne Ziel zu drehen.
Über Falkenfels ging es weiter zur Weiberwirtschaft in Kalsing auf einen Kaffee und von dort aus wollte ich eigentlich nur mal kurz zu unserem Händler, Hans Dirnberger in Cham, um ein wenig in die Schaufenster zu glotzen, was es Neues gibt. Kaum dort angekommen, öffnete sich die Eingangstüre und der Chef des Hauses trat heraus. Er schleppte ein paar Augenblicke zuvor eine Kundin mit ihrer Maschine ab und übergab ihr ein Leihmotorrad, damit sie mit ihrer Tochter wieder nach Hause fahren konnte. Dabei fragte er mich mit einem Lächeln im Gesicht, ob ich denn nicht die neue Street Triple testen wolle. „Ja klar, an einem Sonntag!?!“, dachte ich mir und legte den Vorschlag unter „lange nicht mehr so gelacht“ ab. Doch er meinte es ernst und fragte mich nochmals nachdrücklich, ob ich es mir nicht doch noch überlegen wolle. Jetzt wurde mir klar, dass ich das nagelneue Gefährt für ein paar Stunden testen konnte. Also Helm auf, ein wenig mit den Instrumenten vertraut gemacht, Kombi zurecht gerückt, und los ging es. Gleich nach dem Anfahren wurde mir klar, was der Hans mir vor Antritt erklärt hat mit den Worten „... der Motor zieht aus allen Lebenslagen voll durch ...“. Schon ab etwa 2000 Umdrehungen wich dem Säuseln des Triples einem Fauchen und die Fuhre zog mir die Arme lang. Zuerst etwas vorsichtiger, aber dann mit immer mehr Mut drehte ich am Gashahn und es war eine Freude das Triebwerk unter mir zu hören. Die Street Triple 675 passte von Anfang an und die Sitzposition war angenehm und sportlich zugleich. Aufrecht sitzend mit dem Oberkörper im Fahrtwind, ging es dann etwas forscher zur Sache und das von mir selbst gesetzte Speed Limit in Höhe des gesetzlichen Rahmens war bereits nach sehr wenigen Kilometern überschritten. Dazu trug vor allem das butterweich und ohne Geräusche zu schaltende Getriebe bei, das es einem leicht machte, die Gänge zu wechseln. Das wäre zwar nur sehr selten von Nöten gewesen, denn der Motor geht wirklich ab etwa 2500 Touren ohne zu Ruckeln bis hoch an die 10000er Marke, aber geil ist es schon, wenn der Triple unter dem Allerwertesten ein Fauchen aus drei Töpfen liefert, als ob der gesamte Ansaugtrakt offen wäre und die db-Eater dem Rotstift zum Opfer gefallen wären. Taten sie aber nicht und auch sonst war das Teil serienmäßig unterwegs. Einen „Sportschalldämpfer“ kann man sich bei dem Getöse ruhig sparen. Well Done, Triumph!

Nach ungefähr 20 Kilometern trat der „Wir gehören zusammen und uns die Strasse – Effekt“ auf. Will heißen, ich wurde immer leichtsinniger und drehte am Gas wie ein Jungspunt, der das erste Mal nach Erhalt seines Führerscheins ein richtiges Motorrad unter dem A... hat. Ich erschrak nicht schlecht, als ich beim Blick auf den Tacho die Zahl 170 lesen konnte und ließ der rechten Hand wieder ein kleines Päuschen. Zum Thema Tacho gleich ein Wort: Eigentlich ist alles da, was man braucht (oder auch nicht): Geschwindigkeit, Drehzahl, Momentan-verbrauch, Durchschnittverbrauch, Trip, Lap und so weiter. Aber warum nur muss denn die Geschwindigkeit unbedingt in LCD-Anzeige gefasst werden? Zwar ausreichend groß, aber wenn die Sonne von vorne strahlt, dann spiegeln sich die Gabelholme genau in dem Bereich, in dem die Speed angezeigt wird und daher unleserlich wird. Mir persönlich wäre da ein normaler Tacho mit vernünftiger Beleuchtung lieber. Na ja, Geschmacksache. Rechts neben dem Drehzahlmesser zeigen sechs blaue LED´s an, wann es besser ist lieber einen höheren Gang zu wählen, bevor es die Kiste zerlegt. Wer´s braucht, und ein netter Gimmick allemal. Verspiegelte Instrumente mit Schaltblitzen, Ganganzeige, Tacho, Drehzahlmesser, Kühlflüssigkeitstemperaturanzeige und vielen weiteren mehr oder weniger nützlichen Anzeigen.

Wie das Umschalten zwischen den einzelnen Funktionen allerdings während des Fahrens vonstatten gehen soll, wird mir vermutlich immer ein Rätsel bleiben, nicht zuletzt, weil die Tasten hierfür hinter dem Seilzug für die Kupplung versteckt sind.

Gut und sehr hilfreich ist die Ganganzeige, die einen stets im Klaren hält, in welcher Fahrstufe des Sechsganggetriebes man sich gerade befindet. Beim Fahren zeigte sich das Fahrwerk nie überfordert und es schien mir so, als ob sich das Gefährt umso wohler fühlte, je flotter die Gangart war. Bodenwellen wurden stets ausgeglichen ohne dass das Motorrad unruhig wurde, beim langsamen Fahren drangen aber alle Stöße über das Popometer und die Arme an den Körper. Der Wendekreis ist dem eines Ozeandampfers nicht unähnlich, eine Straßenbreite dürfte für Wendemanöver nicht ausreichen. Auch kam mir das Vorderrad ein wenig zu leicht vor, das soll aber nix heißen, denn als Fahrer von T300er oder T400er Triumphs aus den frühen Neunzigern ist man eine ganz andere Gewichtsklasse gewohnt. Apropos Gewicht: Bei (vollgetankt) circa 190 Kilo und einer Leistung von 107 PS ist es eigentlich kein Wunder, dass beim Beschleunigen das Vorderrad abhebt. Aber das muss so sein und tut dem Fahrspaß bestimmt keinen Abbruch. Die Handlichkeit der Street Triple hat zwar zweifelsohne seine gute Seite, die da wäre: Spielerisch einfach lässt sich das Geschoss von einer Kurve in die nächste manövrieren. Doch in Verbindung mit dem geringen Gewicht kam bei mir der Eindruck auf, dass sie beim langsamen Fahren (z. B. in Ortschaften, besonders im Geschwindigkeitsbereich um die 30 Km/h) etwas kippelig wirkt. Doch die 675er ist auch nicht dafür gebaut, um kleine Kinder in Spielstraßen zu erschrecken. Sie kann es getrost mit den großen vom Schlage einer Speed Triple von Triumph (die sie wie aus dem Gesicht geschnitten ist), einer Z750 oder gar Z1000 von Kawasaki oder Hondas Hornet aufnehmen. Und nicht nur wegen der Optik, aber das hilft auch ein klein wenig dabei, wenn sie in den Rückspiegeln der renommierten nackten sowie verkleideten Sportler auftaucht.

Was mir aber nicht so gefallen hat an dem Teil, ist die Tatsache, dass ihr Lastwechsel überhaupt nicht schmecken. Nur ein kleiner Ruck am Gashahn und die Kiste macht einen Ruck als ob ihr ein Laster ins Heck geknallt wäre. Ein bisschen mehr Feingefühl wäre hier nicht schlecht. Ebenso wird es mir ein Rätsel bleiben, wo das Gepäck, und sei es nur für einen Wochenendtrip, verstaut werden soll. Tankrucksack und Soziusplatz müssen da wohl ausreichen, und es ist für den Fahrer somit Schmalhans angesagt, was das Mitnehmen von Utensilien angeht. Aber ein Reisedampfer ist der Triple ja eh nicht und für eine Regenkombi wird sich schon ein Platz finden.
Dass der Rotstift deutlich zum Einsatz kam, zeigt auch das Fehlen der Einstellbarkeit des Kupplungshebels, der Hebel für die Bremse ist vierstufig justierbar. Immerhin.

Nicht so geizig zeigten sich die Macher bei der Abgasanlage: Von vorne bis hinten durchgängig in Edelstahl, da dürfen die Zubehörlieferanten vergeblich auf Aufträge warten. Die Bremse an der Vorderhand dürfte auch etwas besser dosierbar sein, sie spricht sehr schnell und aggressiv an und bedarf erhöhter Vorsicht, um nicht ungewollt einen Stoppie oder gar einen Überschlag zu produzieren. Die Bremsleistung an sich geht voll in Ordnung und ist kaum verbesserungsfähig.

Die Verarbeitung ist für die Preisklasse um die 7500 Euro mehr als angemessen und ein weiterer Pluspunkt, den die Street Triple für sich verbuchen kann. Der Sound macht stets Lust auf mehr und verleitet den Fahrer trotz guter Vorsätze zum Dreh am Gasgriff. Als Folge ist man fast immer zu schnell unterwegs und erhöhte Vorsicht ist also angesagt, will man nicht für vier Wochen oder mehr ins Lager der Zwangs-Fußgänger wechseln.


Die Sicht in den Rückspiegeln ist genial, obwohl mich die Optik ein wenig an zu kleine, aber dafür abstehende Ohren erinnert. Hier denke ich werden die ersten Modifikationen bei den Besitzern beginnen. Ein weiteres Detail, das nicht so ganz den Geschmack der neuen Eigentümer treffen und daher baldmöglichst modifiziert werden dürfte, ist der Bereich rund um das Heck, sprich der Kennzeichen- und Blinkerhalter. Sieht alles ein wenig drangefummelt aus, wie ich meine.

Alles in Allem aber ist die Street Triple 675 ein grundsolides und ehrliches Motorrad, das in den Händen von verantwortungsbewussten Fahrern sehr viel Spaß machen wird. Aber die von Triumph angepeilte Zielgruppe der Fahranfänger und Wiedereinsteiger, vor allem im weiblichen Bereich, dürften sie dabei nicht so sehr ansprechen, sondern eher die Gruppe derjenigen, denen eine Daytona 675 zu sportlich ist.

Vielen Dank an Motorrad Dirnberger in Cham für die Stellung des Testfahrzeugs.

 

 

 








 
© Regio Verlag Schwäbisch Hall 2008

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