SFV 650 K9 GladiusDen Bericht über die Gladius fange ich am besten mit einer kleinen geschichtlichen Abhandlung über ihren Namensgeber an. Das Gladius war ein bei den römischen Infanterietruppen gebräuchliches Schwert, das wegen seiner kurzen schweren Bauform besonders in den engen Formationen einer Schlacht den Legionären erhebliche Vorteile und den Widersachern ebensolche Blessuren brachte. Im übertragen Sinn ist das Suzuki mit ihrer Version der Gladius auch gelungen. Ihre kurze Bauform und ihr agiles Handling verhelfen dem Besitzer, sich im Schlachtgetümmel der deutschen Städte frei zu bewegen. Dass die Gladius stolze 8 kg auf jetzt 202 kg zugelegt, hat merkt man ihr nicht an. Aber vielleicht sollten wir uns die Suzuki erst einmal ansehen, bevor wir uns in die tägliche Schlacht auf unseren Straßen stürzen.
Die Gladius ist jetzt deutlich mehr dem Mainstream angepasst als es die Vorgängerin SV 650 je war. Ihre gertenschlanke Silhouette, die zweifarbige Lackierung, die ebenfalls zweifarbige Sitzbank und nicht zu vergessen ein Frontscheinwerfer mit einer undefinierbaren aber aerodynamischen Form, kurzum ein Bike auf dem neusten Stand des Motorraddesigns. Nicht mehr so polarisierend wie die Rahmenkonstruktionen ihrer Vorgängerin, die es am Anfang mit runden später mit eckigen Rohren gab und nur von echten Liebhabern geschätzt wurde. Ganz anders als der quirlige 650 ccm V2 Motor. Im Prinzip ist es derselbe Motor, der schon seit 10 Jahren für seine Leistung hoch gerühmt und von vielen für den besseren Motor gehalten wird, als der 1000 ccm V2 aus gleichem Hause. Er bescherte schon so manchem DL 650 oder SV 650 – Fahrer ein breites Grinsen. Für die Gladius wurde er nahezu unverändert übernommen, es wurden nur die Laufbahnen mit einer SCEM- Beschichtung versehen und der Zündzeitpunkt um ein Grad auf 8 Grad vor OT verlegt. Auch das Getriebe weist dieselben Schaltstufen wie das Vorgängermodell auf, lediglich die Sekundärübersetzung wurde von 45/15 auf 46/15 verändert. Der Motor entlässt seine Abgase über einen schön gestalteten Endtopf ins Grüne. Apropos Grün, die uns zur Verfügung gestellte Testmaschine in ihrer schwarz/grünen oder wie es bei Suzuki heißt Pearl Nebular Black / Metallic Lush Green sieht richtig lecker aus und macht Spaß auf ausgiebige Probefahrten. Nur der 14,5 Liter Tank grenzt die Ausführlichkeit trotz des moderaten Verbrauchs ein wenig ein. Erst einmal Platz genommen, fällt sofort die schmal geschnittene Sitzbank auf, die besonders kleineren Fahrern und unsicheren Wiedereinsteigern gefallen dürfte, da sie so stets den vollen Fuß beim Anhalten auf die Straße bekommen. Die Sitzhöhe ist von 800 mm bei der SV auf 785 mm bei der SFV geschrumpft. Wem das zu niedrig ist, der kann optional eine 21,9 mm höhere Sitzbank bekommen. Die aufrechte, aber fahraktive Haltung, die der Pilot einnimmt, macht das letzte Quäntchen aus, sich direkt auf der Gladius zu Hause und sicher zu fühlen. Der Suzuki wurden die Federwege geringfügig um 4 bzw. 5 mm gestutzt, dafür aber der Nachlauf und der Lenkwinkel erhöht, was zur Folge hat, dass dem Fahrer der Eindruck vermittelt wird, die Fuhre noch besser und zielgerichteter dirigieren zu können. Mit ihrem etwas zu hart geratenen Soziussitz ist sie eher etwas für lange, kurvige Solofahrten als für den ausgedehnten Urlaubstrip zu zweit. Stadtgewühl ist dank der geringen Lenkerbreite und des flotten Handlings unproblematisch. Lästig ist hier nur das permanente Schalten, aber das ist bei anderen Modellen dieser Hubraumklasse auch nicht anders. Um den Überblick nicht ganz zu verlieren in welchem Gang man sich gerade befindet, hat die Suzi eine Ganganzeige spendiert bekommen. Außerdem hilft einem beim Gangwechsel das leicht und präzise zu schaltende Sechsganggetriebe. Die leichtgängige Kupplung unterstreicht den Einsteigeranspruch der Gladius. Beim Sprint durch die Gänge lässt der Twin einen vergessen, dass er mit seinen 53 kW oder auch 72 PS eher zu den Leichtgewichtlern seiner Hubraumklasse gehört. Ab 2500 U/min zieht die Gladius sauber durch und lässt dabei so manchen 4-zylindrigen Mitbewerber alt aussehen. Dazu gesellt sich dann noch ein leiser, aber sehr angenehm bassiger Sound, der den Vorwärtsdrang der Japanerin angenehm untermalt. Ist die Marke von 6500 U/min erreicht, spürt man deutlich die Vibrationen, die die Ausgleichswellen übrig lassen. Diese ebben dann bis zur stattlichen Höchstdrehzahl von 10500 U/min auch nicht mehr ab. Erwähnenswert sind auch die bei einer SV-Serie erstmalig nutzbaren großen Rückspiegel. Die Ausleger sind lang genug geraten, dass man außer seiner eigenen Bekleidung auch noch genug vom rückwärtigen Verkehr mitbekommt. Überdies werden sie durch die Vibrationen des V2 nur wenig erschüttert. Die Gladius nimmt spontan die Stellung des Gashahns auf, um diese in Vortrieb umzusetzen, besonders im 1 und 2ten Gang ist das mit einem deutlichen Ruck spürbar. Dem Spaßfaktor bereitet das keinen Abbruch, eher im Gegenteil. Will man die Fuhre dann zum Stehen bringen, muss der Pilot allerdings kräftig zupacken. Die Vorderbremse ist ausgesprochen defensiv ausgelegt. Die Doppelkolben-Anker packen zaghaft an den beiden 290 mm Scheiben und ohne klar definierten Druckpunkt zu. Was für den Einsteiger nicht besonders ins Gewicht fällt, den Könner vielleicht stören mag. Allerdings zielt Suzuki im Gesamtkonzept des Bikes klar auf ersteren ab. Leider war zu unserem Test die seit KW 28/09 im Handel erhältliche ABS-Variante noch nicht verfügbar. Interessant wäre wie sich die ABS-Bremse verhält, denkbar wäre eine etwas aggressivere Abstimmung der Bremsanlage. Die Federelemente reagieren soft und bügeln die meisten Unebenheiten mit Bravour aus. Die Hinterradschwinge stammt noch von der alten SV, wird jetzt aber über einen geänderten Umlenkhebel angesprochen und verhält sich überaus neutral. Sollte eine härter zupackende Bremse kommen, könnte allerdings die Vordergabel zu weich sein.
Die Gladius mit ABS-Anker werden wir in Kürze nachtesten!! Mein Fazit:
Mit ihrer Preisgestaltung gehört die Gladius zur Motorrad-Mittelklasse. 6290 Euro sind ein faires Angebot für die gebotene Menge an Fahrspaß. Im Gegensatz zu ihrer Vorgängerin wird sie nur unverkleidet angeboten. Suzuki hat mit der SFV 650 Gladius den Spagat geschafft zwischen einem alltagstauglichen Einsteigerbike und einer Fahrmaschine mit erheblichem Spaßfaktor für den Fortgeschritten, dem gemäßigter aber deutlich spürbarer Power reicht. Die meisten Damen, denen ich bei meiner Testfahrt begegnet bin, fanden sie zudem auch noch richtig schick. Es bleibt abzuwarten wie die Kunden das Kurzschwert akzeptieren.
Technische Daten: Motor: 2-Zylinder, 4-Takt-Motor, V 90° Hubraum: 645 ccm Bohrung x Hub: 81,0 x 62,6 mm Leistung (homologiert): 53 kW (72 PS) bei 8.400 U/min Max. Drehmoment: 64 Nm bei 6.400 U/min Getriebe: 6 Gänge Sekundärtrieb: Kette Federung vorne: Telegabel Ø 41 mm Federung hinten: Zentralfederbein – einstellbar in Zugstufe Federweg vorne / hinten: 125 / 130 mm Bremse vorne: Doppelscheibe, 290 mm, Zweikolben-Sattel Bremse hinten: Monoscheibe, 240 mm, Einkolben-Sattel Felgen, vorne / hinten: 2,5 x 19“; 5,50 x 17“ Bereifung vorne / hinten: 120/70 ZR 17; 160/60 ZR 17 Länge/Breite/Höhe: 2.130/760/1.090 mm Steuerkopfwinkel: 25° Nachlauf: 106 mm Radstand: 1.445 mm Bodenfreiheit minimal: 135 mm Sitzhöhe: 785 mm Tankinhalt: 14,5 Liter Top-Speed: ca. 200 km/h Gewicht (fahrfertig): 202 kg
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