SüdschwedenBereits im Herbst flatterte eine Einladung zu einem kleinen, privaten Motorradtreffen an Pfingsten in der Nähe von Unnaryd in Südschweden ins Haus. Südschweden? Da waren wir – Jana, meine 11jährige Tochter, und ich – noch nie.
Nach einer langweiligen Autobahnfahrt und Übernachtung bei einem Freund nahe Bremen nahmen wir für 53 Euro die Fähre von Travemünde nach Trelleborg (2009: 60 – 75 Euro inkl. 2 Personen). Die ganzen 5,5 Stunden der Überfahrt goss es in Strömen und wir waren froh, die Zeit im warmen und trockenen Bauch des Schiffes verbringen zu können.
Bei diesem Wetter – keine Frage – mieteten wir uns auf dem Campingplatz in Ystad für 140 Kronen (knapp 16 Euro ) ein + 100 Kronen (gut 11 Euro ) für die obligatorische, 1 Jahr gültige Campingkarte. Zeltplätze in Schweden bezahlt man pauschal, egal mit wie vielen Leuten! Sie sind bestens für schlechtes Wetter ausgerüstet. Es gibt fast immer ein Haus, in dem man kochen und trocken essen kann. Diesen Luxus hatten wir in diesem Urlaub sehr zu schätzen gelernt, obwohl wir ursprünglich vom „Allemannsrecht“ Gebrauch machen und wild zelten wollten.
In Regenklamotten machten wir einen Spaziergang durch die sehenswerte Altstadt von Ystad mit ihren ca. 300 alten Fachwerkhäusern und der Marienkirche aus dem 15. und 17. Jh. Über Kåseberga ging es nach Ales stenar, der größten (67 x 19 m), noch in Schweden erhaltenen Steinsetzung mit 58 Steinen (ca. 500 v. Chr.), die eine gigantische Schiffsform darstellen. Steht man in der Mitte geht am Tag der Sonnenwende die Sonne jeweils am Vorder- bzw. Achtersteven unter. Wir wurden gefangen von der mystischen Stimmung des Platzes. Für einige Minuten verirrten sich sogar einige Sonnenstrahlen durch die Wolken auf die Erde! Die Rundkirche in Valleberga aus dem 12. Jh. fanden wir nicht sofort, sie ist heute nicht mehr rund, sondern hat einen Anbau! Die 20 x 15 m große Felsplatte mit Felszeichnungen der Bronzezeit zwischen Järrestad und Gladsax stellte hohe Anforderungen an unser pfadfinderisches Gespür – sie ist wie viele Sehenswürdigkeiten nicht ausgeschildert!
Über Kristianstad, Karlshamn und Ronneby ging es im Eiltempo bis wir in Richtung Almö von der autobahnähnlichen Strecke abbogen. Im Abendlicht kochten wir an der kleinen Schiffsanlegestelle an der Ostsee, später fanden wir im nahe gelegenen „Zauberwald“ ein stilles Plätzchen zum Übernachten. Beim Zurückfahren zur Hauptstraße am nächsten Morgen entdeckten wir Hjortehammar, Blekings größtes Grabfeld aus der Eisenzeit.
Karlskrona steht seit 1999 unter dem Schutz der UNESCO und ist Hauptstadt der Provinz. Früher hieß die Stadt Trossö, benannt nach der Insel auf der sie steht. 1680 wurde sie zu Ehren Karls XI. umbenannt. Wir suchten den berühmten „Rosenbom“, eine Holzdarstellung eines trinkfreudigen Tischlers, der beim Betteln erfror. Er steht vor der Amiralitetskriche.
Unterwegs wurden wir von einem Gewitter mit heftigem Hagelschauer überrascht und so entschlossen wir uns nach Öland zu gehen, dem angeblich trockensten Flecken Schwedens! Vorbei an mindestens 20 Windmühlen fuhren wir nach Borgholm und weiter nach Köpingsvik (Köping) wo wir uns auf dem 2. Campingplatz des Ortes einmieteten, denn dieser hatte wiederum eine Küche mit Aufenthaltsraum.
Von der Dame des Campingplatzes bekam ich 2 Ölandkarten geschenkt und den Tipp, dass es einen kleinen Pfad oberhalb des Meeres gibt..., der wäre nichts für Autos, aber mit unserer Enduro kämen wir sicher gut durch... Nichts wie hin! Jana und ich waren uns einig, was nicht allzu oft der Fall ist... Die Landschaft am Meer ist an der Westseite karg, sehr steinig und ohne Bäume. So fiel uns ein kleines, verlassenes Fischerdorf erst auf den 2. Blick auf. Hei, was hatten wir einen Spaß auf der nassen Schotterpiste. Wir testeten die Tiefe jeder Pfütze, es spritze und bald glich die Farbe unserer Regenkombis der Umgebung! In Sandvik sahen wir die 1856 in Vimmerby gebaute und 1885 nach Ölland transportierte, größte Mühle im holländischen Stil und kurz darauf bei Jordhamn die einzige windbetriebene Scheuermühle zum Schleifen von Kalksteinplatten. Mittlerweile schien sogar für einige Minuten die Sonne. Einen Besuch des „Langen Erik“ (Leuchtturm, von 1845 – 1976 in Betrieb) ließen wir uns nicht entgehen. Für 30 Kronen durften wir uns die Landschaft von oben ansehen.
Über den „Wald der Trolle“ (Trollskogen), eine verlassene Kirche östlich von Källa, Föra mit dem gut erhaltenen Wehrturm und dem Schloss von Borgholm ging es voller toller Eindrücke zurück zum Zeltplatz. Am nächsten Tag stand der Süden der Insel auf unserem Programm: In Egby bestaunten wir die kleinste Kirche der Insel aus dem 12. Jh., in Kapelludden den Leuchtturm von 1872 sowie ein 3 m hohes Steinkreuz und die Ruine der St. Brita- oder St. Birgitta-Kapelle aus dem 13. Jh. Es ist erstaunlich wie viel man versteht, wenn man die schwedischen Erklärungen an den historischen Stätten liest... Vorbei an der längsten, erhaltenen Mühlenreihe auf Öland mit 7 Bockwindmühlen und einer Fluchtburg, wahrscheinlich aus dem 5. Jh., ging es zum Freilichtmuseum von Himmelsberga. Man fühlt sich in das Leben im 18. und 19. Jh. zurückversetzt. Auf dem Kirchplatz von Sandby fanden wir 2 Runensteine aus dem 11. Jh. Durch die Stora Alvaret, der großen, öden Steppe, ging es weiter Richtung Süden zum „Langen Jan“, dem mit 42 m höchsten Leuchtturm Skandinaviens, erbaut 1778 - 1785. Zum Abendessen gab es Sauermilchsuppe mit selbst gepflücktem, wildem Schnittlauch. Köstlich!
Die Zeit drängte: wir wollten zum Motorrad-Treffen nach Unnaryd. Natürlich hielten wir am „Älgpark“, um endlich mal Elche zu sehen, an der ältesten Glasbläserei in Kosta von 1742 sowie in der Nähe von Lenhovda an der angeblich ältesten Holzkirche der Provinz Kronaberg von 1170 (Reiseführer sagt 1230). Weiter führte unser Weg über Växjö, wo wir uns die „Slottruin“ (= Kronaberg-Schlossruine) im Norden ansahen. Auf dem Treffen wurden wir zu einer leckeren, gegrillten Lachsforelle mit Kartoffeln und Dipp eingeladen. Köstlich. Viel zu schnell vergingen die Tage mit deutschen und schwedischen Bikern.
Zusammen mit Dixi ging es noch ein wenig weiter nach Norden über ?sige zu Hagbards Galgen, zwei riesigen Steinblöcken aus der Bronzezeit, die an die Form früherer Galgen erinnern. In Ugglarp (südlich Falkenberg) stießen wir auf ein Fahrzeugmuseum mit vielen Autos, wenigen Motorrädern und Flugzeugen. Das wohl jüngste Ausstellungsstück ist ein Trabi von 1983. Weiter führte uns der Weg über den malerischen Fischerort Glommen, Morup mit Leuchtturm und Gräberfeld sowie Varberg mit seiner Festung, die wir ausgiebig zu Fuß erkundeten. Tags darauf besuchten wir das von 1898 bis 1904 im englischen Tudorstil erbaute Schloss in Tjolöholm am Kungsbackefjord. Es wurde mit allen Errungenschaften der damaligen Zeit erbaut, wie z. B. Duschen, Zentralheizung, Strom und Telefon. Zur Reinigung der Teppichböden wurde ein Staubsauger von 1 Tonne Gewicht angeschafft!! Es war Nationalfeiertag und ganz Schweden schien auf den Beinen zu sein.
In Äskhult wurden wir beim Besuch des verlassenen Dorfes in die 1. Hälfte des 19. Jh. zurückversetzt. Alles ist noch in ursprünglichem Zustand. Das erste Ziel des nächsten Tages war das Naturreservat Hyltenäs, einer Halbinsel am Öresjönsee (nördlich von Öxnevalla). Von hier aus hatten wir eine tolle Aussicht ringsherum. Das Touren entlang der unzähligen Seen macht Spaß ohne Ende! Man nimmt die Landschaft auf und kann sich doch nicht statt sehen! Mehr, mehr, mehr... Es ist wie eine Droge. Einige Kilometer später bei Nösslinge trafen wir auf eine schöne, rote Holzkirche. Sie liegt malerisch zwischen 2 Seen. Der Glockenturm ist von 1680, die Kirche wahrscheinlich aus dem 13. Jh. Wir konnten uns der schönen Atmosphäre des Platzes nicht entziehen und verlängerten sie mit einer ausgedehnten Vesperpause. Ullared ist für seine großen Bekleidungsshops bekannt. Nach einer letzten, gemeinsamen Übernachtung mit Dixi, malerisch an einem See, ging es am folgenden Tag mit den Fähren von Helsingborg nach Helsingör und schließlich von Rødby nach Puttgarden auf Fehmarn, was nur geringfügig günstiger war als die Direktfähre von Travermünde nach Trelleborg.
Viele weitere Sehenswürdigkeiten in Schweden warten noch auf einen Besuch! Also nichts wie hin!
| |