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Ferne Länder – exotische Reiseziele – Pässe-Rausch in den Alpen. Urlaub mit und auf dem Motorrad gehört zum Schönsten, was man sich überhaupt vorstellen kann. Doch warum nicht auch mal zwischendurch aufs Bike steigen und sich einen tollen Tag auf genialen verkehrsarmen Straßen vor der eigenen Haustüre gönnen?! Und vor meiner persönlichen Haustür liegt die Schwäbische Alb – eine felsige Mittelgebirgslandschaft, dünn besiedelt und mit vielen Sträßchen abseits vom Verkehrsfluss, auf denen, wenn man sie erst einmal entdeckt hat, so etwas wie Suchtgefahr aufkommen kann. Da man(n) die schönen Dinge gerne gemeinsam erlebt, begleiten mich meine Kumpels Peter und Rolf auf „d’ raue Alb nuff“!

Am frühen Morgen starten wir in Mögglingen, an der B29 zwischen Schwäbisch Gmünd und Aalen gelegen. Über Lauterburg und Bartholomä erreichen wir nach wenigen Kilometern schon unser erstes Ziel, das „Felsenmeer“ im Wental. Diese Ansammlung bizzarer Felsformationen ist vor gut 150 Millionen Jahren durch die Kraft des Wassers entstanden. Allerdings ist ein Besuch dort eher an den Werktagen zu empfehlen, da an Sonntagen und bei gutem Wetter fast schon Stopp-and-go-Betrieb durch die unzähligen Wanderer angesagt ist.

Für die Eingabe im Tourenplaner: Gerstetten, Sontbergen, Amstetten, Nellingen, Drackenstein durchfahren wir als nächstes. Von Drackenstein aus bietet sich bei der Abfahrt nach Gosbach ein spektakulärer Ausblick auf den als Drackensteiner Hang bekannt-berüchtigten Autobahnabschnitt der A 8, die dort in zwei unabhängigen Streckenführungen einen Höhenunterschied von 230 Metern überwindet. Einer Märklin-Eisenbahnlandschaft gleichend, hängen die gigantischen Bogenviadukte an den Felswänden und bewaldeten Hängen.

Die Kurvenliebhaber kommen bei der Auffahrt von Wiesensteig nach Neidlingen auf ihre Kosten. Wem nun vom Kurven-Schwingen ganz schwindlig geworden ist, der kann sich bei einem anschließenden Spaziergang im Randecker Maar erholen. Dieser ehemalige Vulkanschlot, seit 1971 ein 110 ha großes Naturschutzgebiet, hat vor allem für Zugvögel eine überregionale Bedeutung. Aber auch auf einer kleinen Walking-Einlage bietet es für uns zweirädrige Zugvögel einen grandiosen Einblick in die dort noch intakte Natur.

Nicht weniger imposant ist der Ausblick vom Breitenstein-Felsen, den wir vom Wanderparkplatz oberhalb von Bissingen/Teck zu Fuß ansteuern. Unter uns breiten sich die Ballungsgebiete um Kirchheim/Teck und das dahinter liegende Filstal bis hinunter nach Stuttgart aus. In westlicher Richtung thront stolz die Burg Teck auf ihrem Höhenrücken. Jetzt einfach nur aufs Wiesle liegen und sich die Sonne auf den reichlich vorhandenen Bauch scheinen lassen! Aber nichts da, unser Planziel gönnt uns keine verlängerte Pause. Gemütlich tuckern unsere Ein-, Zwei- und Vierzylinder durch herrliche Wiesenauen, die sich mit tiefgrünen Wäldern abwechseln. Schopfloch, Böhringen, Hengen, Wittlingen, Seeburg heißen die nächsten, meist verträumten Ortschaften. Die nächsten drei Kilometer auf der B 465 nach Münsingen lassen aufgrund des Kurvenlabyrinths das Bikerherz vor Freude hüpfen.
Auf dem riesigen Areal des ehemaligen Truppenübungsplatzes bei Münsingen ist ein artenreicher Naturpark entstanden, der vor allem für Fahrradfahrer und Wanderer eine riesige Spielwiese bietet. Motorisierte Fahrzeuge müssen allerdings draußen bleiben, was ich in diesem Fall auch vollkommen richtig finde!
Erlaubt ist aber (noch) die Fahrt durch eines der schönsten Täler auf der Schwäbischen Alb, dem Großen Lautertal. In weiten und engen Bögen, ganz wie sie der natürliche Verlauf des glasklaren Flüsschens vorgibt, windet sich die Straße durch das von vielen majestätisch auf Felsen thronenden Burgen bzw. Burgruinen gesäumten Tal. Im gemütlichen Biergarten des Bootshauses in Gundelfingen verdrücken wir inzwischen vom Hunger geplagte Sonntagsbiker einen deftigen Krustenbraten mit, wie könnte es anders sein, viel Spätzle und noch mehr „Sooß“.
Nach Indelhausen verlassen wir das Lautertal und fahren über Hayingen nach Zwiefalten. Wer jetzt noch Zeit hat, dem sei ein Besuch der Wimsener Höhle (liegt auf der Strecke), der einzigen aktiven Wasserhöhle Deutschlands, die mit einem Boot befahren werden kann, empfohlen. Mächtig breitet sich das ehemalige Benediktiner-Kloster Zwiefalten, welches heute eine psychiatrische Klinik beherbergt, mit seinen zwei Türmen im Tal aus.

Wir beschließen, aufgrund des riesigen Fahrspaßes, welches das Lautertal auch bei legalem Tempo bietet, die Strecke nach Münsingen einfach nochmals in die andere Richtung zu fahren. Weiter führt uns unsere Tour über Magoldsheim, Breithülen, Laichingen (Tipp: Laichinger Tiefenhöhle), Merklingen, Nellingen, Amstetten nach Weiler ob Helfenstein bei Geislingen an der Steige. Von dort führt ein kurzer Spaziergang zur Burgruine Helfenstein, von der sich ein begnadeter Blick über die Sieben-Täler-Stadt Geislingen bietet. Wie eine weiße Schlange windet sich ein ICE die berühmte Geislinger Steige hinauf. Auch diese Ansicht erinnert mich wieder an die Modellanlagen der eingangs erwähnten Spielzeugfirma, die im nahen Göppingen beheimatet ist.

Wo wir gerade beim Thema sind: Kurz vor Gussenstadt werden wir von der Gegenwart (ICE) in längst vergangene Eisenbahnzeiten versetzt. Die Museumsbahn dampft mit Getöse an den staunenden Bikern vorbei und lässt nostalgische Gefühle und die Erinnerung an bessere(?) Zeiten aufkommen.

Auf einer Schwäbischen-Alb-Tour ist ein gemütlicher Ausklang im Biker-Treffpunkt „Ställe“ in Weißenstein ein absolutes Muss. Wirt Jogi bietet allerhand kulinarische Köstlichkeiten in uriger Atmosphäre an und schnell finden sich Gleichgesinnte zum Benzin-Quatschen. Um unsere Tour stilvoll abzuschließen, befahren wir zum Schluss noch einen echten ausgeschilderten Pass: den Furtlespass, der die Ortschaften Degenfeld und Weiler in den Bergen mit einer Scheitelhöhe von sagenhaften 630 Metern verbindet.

Ein (alb)traumhafter Tag geht zu Ende mit der Erkenntnis, sich so eine Tagestour mit hohem Spaßfaktor viel öfters gönnen zu wollen. „Sie haben es sich verdient!“

(Info zur Tour bzw. Übernachtungstipps für alle „Reigschmeckte“ unter
biker-praesi@web.de)














 
© Regio Verlag Schwäbisch Hall 2008

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