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Royal Enfield / 


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Royal Enfield

So lautet der Slogan des ursprünglich britischen Waffen- und Motorradherstellers. Noch zu Zeiten, als englische Motorräder den Weltmarkt dominierten, waren die Enfields auf den Straßen und Rennstrecken nicht wegzudenken. Ihr heraus ragendes Design und die zuverlässige Technik machten sie damals zu einer der führenden Marken. Dies ist jedoch lange her.

1901 baute man im englischen Redditch das erste Motorrad, aber bereits 1955 wurde die Produktion der Bullet in die seinerzeit englische Kolonie Indien nach Madras verlegt. Die Paralleltwins wurden bis in die 60er Jahre weiterhin in England hergestellt, bis 1970 die Produktion mit dem letzten Modell, der Interceptor, dort ganz eingestellt wurde. Inzwischen erfreute sich in Indien das Einzylinder-Modell Bullet (zu deutsch: Kugel) immer größerer Beliebtheit. Die Bullet 350 wurde überwiegend für den heimischen Markt gefertigt und die 500er gingen schwerpunktmäßig in den weltweiten Export.

1994 übernahm die Familie Eicher (ehemals deutscher Landmaschinenhersteller) das Management von Enfield India. Ab 1999 durften die Enfields wieder unter dem Namen „Royal Enfield“ vermarktet werden. Im Jahr 2000 wurde eine neue Fabrik fertig gestellt, in der mittlerweile jährlich 35.000 Bullets gebaut werden. Insofern dürfte die Bullet wohl das meistgefertigte Motorrad der Welt sein.

Hierzulande denken viele, wenn der Name Royal Enfield fällt, an einen Diesel. Diese Berühmtheit erlangte die Enfield durch Unternehmen, die die Basis der Bullet nutzten, um ein Diesel-Motorrad zu bauen. Bei der Bullet ist nämlich noch Motor und Getriebe getrennt, so wie es bis in die 60er Jahre im Motorradbau üblich war. So entstanden Dieselmotorräder, wie die Taurus 325 oder die Hatz-Sommer. Diese Motoren entwickelten ca. 11 PS, was die Anzahl der Kaufinteressenten doch in einem überschaubaren Rahmen hielt.

Das heutige offizielle Modellprogramm von Royal Enfield erstreckt sich von der „Bullet 350“ und „500 Standard“ über die „500 Deluxe“, die „Sixty-5“ und die „Bullet Electra“. Für alle Modelle wird auch ein Seitenwagen angeboten. Die 350er ist genau genommen nur eine herunter gebüchste 500er. Sie ist auch nur 400 Euro günstiger als die 500er und macht daher (aus Sammlersicht mal abgesehen) nur wenig Sinn. Die „Bullet 500 Standard“ sowie die mit Chromteilen aufgewertete „Deluxe“ gibt es für 600 bis 700 Euro Aufpreis mit einem E-Starter, Linksschaltung und einem Fünf-Gang-Getriebe (anstatt des Viergangs mit Rechtsschaltung). Dies hat die „Sixty-5“ (in Metallic-Lackierung) bereits alles serienmäßig.

Das teuerste Modell, die „Electra“, verfügt über einen neu entwickelten Motor mit Aluminium-Zylinder, der auch ein KW mehr leistet. Zusätzlich gibt es eine elektronische Zündung, einen Unterdruckvergaser und eine Scheibenbremse vorn. Letzteres mag jedoch nicht ganz in den klassischen Look passen.
Wie fährt sich so ein Motorrad, das seit über 50 Jahren nahezu unverändert gebaut wird? Lediglich die zur Sicherheit dienenden Komponenten, wie z. B. Elektrik, Brems- und Lichtanlage, wurden heutigen Standards angepasst. So ist die Royal Enfield Bullet kein Neo-Klassiker, sondern ein Oldtimer, den man neu kaufen kann.

Ich habe mir für meine Testfahrt die „Standard –Deluxe“ mit Fünf-Gang-Links-Schaltung und E-Starter ausgesucht, wenn auch die eingeschworene Enfield-Gemeinde der Auffassung ist, der Anlasser störe die klassische Optik des Motors.
Zugegebenermaßen stellt die Handhabung des Kick-Starters kein gesteigertes Problem dar. Dies wäre für mich bei der Vier-Gang-Rechts-Schaltung sicherlich anders, zumal diese auch noch anders herum schaltet (erster Gang nach oben, alle anderen nach unten). Die Rücktrittbremse ist bei diesem Modell logischerweise auf der linken Seite. Das ist für mich als Gewohnheitstier zuviel der Tradition.

Kontrollleuchten und sonstigen Schnickschnack sucht man bei der Bullet vergebens. Es gibt lediglich einen Tacho im Lampengehäuse und fertig. Bedauerlicherweise hat sie auch keinen Seitenständer. Es ist zwar kein Problem, die 187 kg (Leergewicht) schwere Bullet auf den Hauptständer zu hieven, jedoch ist bekanntlicherweise ein sicherer Stand auf dem Hauptständer nur auf einem ebenen Untergrund möglich. Dass dies in Indien überall gegeben ist, kann ich mir nicht vorstellen – insofern wäre ein Seitenständer wünschenswert.
Beim Aufsitzen erscheint die Sitzbank im ersten Moment etwas kantig – man gewöhnt sich aber schnell daran – und so bleiben auch nach längerer Fahrt für Fahrer und Beifahrer keine Wünsche offen. Der 22 PS starke Single fühlt sich bei 100 km/h am wohlsten und schnurrt dann wie ein Kater vor dem Ofen. Die Top-Speed liegt bei 120 km/h, was jedoch der Langhuber nicht mehr als angenehm empfindet. Die Trommelbremsen dagegen kommen damit ganz gut zurecht. Ein entspanntes Cruisen übers Land oder besser gesagt ein Dahintuckern ist das Terrain der Bullet. Ich will an dieser Stelle auch nicht auf Spaßbremse machen, aber man muss sich im Klaren darüber sein, dass bei einer Geschwindigkeitsüberschreitung von mehr als 30 km/h außerorts ein Fahrverbot droht.

Daher empfehle ich nicht nur denjenigen, die in letzter Zeit in die Punkteränge gefahren sind, sondern auch allen anderen Bikern, einmal diese Bullet zu fahren, denn diese Eindrücke lassen sich nur schwer in Worte fassen. Man muss sie selbst „er-fahren“ und mit Sicherheit ist dies für viele ein ganz neues Fahrgefühl – so nach dem „Weniger-ist-manchmal-mehr-Prinzip“ oder wie eine entspannende Yoga-Übung – ich eile nicht und habe Zeit.

Keine Zeit aber haben jene, bei denen nun für diesen neuen Oldtimer Interesse geweckt wurde, denn bedingt durch die neuen Abgasvorschriften (Euro 3) wird es nächstes Jahr keine Neuzulassungen – Erstzulassungen – für Motorräder wie die Bullet mehr geben. Stichtag ist der 31.12.07.











 
© Regio Verlag Schwäbisch Hall 2008

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