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Harley Davidson / Rocker C / 


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Customizing von der Stange

Die weniger kreativen unter den Harlistas werden sie schon sehnsüchtig erwartet haben, die Harley Davidson Rocker C. Das erste Custom-Bike, das man bei HD direkt kaufen kann.  Auf den ersten Blick durch den Solo Style Zwei-in-Eins Sitz einsitzig wirkend, eine lange Gabel vorne mit einem 90/90 Reifen auf einer 19 Zoll-Alufelge und hinten ein relativ dicker 240/40 Reifen, ein schwarz pulverbeschichteter Motorblock mit vielen polierten Abdeckungen, ein Horseshoe-Öltank mit verchromten Ölleitungen; ein verchromter Firetruck Bullet Frontscheinwerfer, ein Edelstahl Pullback-Lenker mit innen liegender Verkabelung dazu eine nette Lackierung mit Flames und Striping und zum guten Schluss noch eine versetzte Shorty Doppel-Auspuffanlage fertig ist das Customizing von der Stange.

Wer jetzt verächtlich mit der Nase rümpft, der irrt sich gewaltig. Das Gerät zieht allenthalben die Aufmerksamkeit auf sich. Vom dreijährigen Steppke bis zum 90-jährigen Greis sind ihr die Blicke der Männer gewiss. Und selbst die eine oder andere Lady dreht sich verstohlen nach ihr um. Klar ist auch, dass der jeweilige Besitzer sie abändern kann oder wird, aber er hat schon mal eine ordentliche Grundlage zur Verfügung, die sich so auf alle Fälle sehen lassen kann.

Als Basis dient die Softtail-Reihe, deren luftgekühlter V2-Motor jetzt stolze 1584 ccm hat. Das reicht mit dem Mapping der Rocker für ein Drehmoment von 117Nm bei 3200 U/min und eine Nennleistung 52,0 kW (71 PS) bei 5300/min. Serienmäßig verbaut Harley Davidson jetzt ein leicht und präzise zu schaltendes Sechsganggetriebe. Der Endantrieb erfolgt, wie von den Amerikanern gewohnt, über einen wartungsarmen Zahnriemen. Die Leistungsentfaltung ist zwar nicht so, dass man kilometerlange schwarze Striche auf den Asphalt zieht, geht für ein Motorrad dieser Gattung durchaus in Ordnung.  Das Fahrwerk besitzt einen Doppelschleifenrahmen aus Stahl, eine 49mm Telegabel, eine Dreiecksschwinge, die von zwei Federbeinen mit verstellbarer Federbasis beruhigt wird. Die 323 Kg schwere Fuhre wird von einer 292mm Scheibenbremse mit Vierkolben-Festsattel vorne und einer 292mm Scheibenbremse mit Doppelkolben-Schwimmsattel hinten jederzeit sicher zum Stehen gebracht. Meinem Wissensstand nach ist ein ABS nicht im Programm.

Die immerhin 2420mm lange Rocker zeigt sich bei kurvigen Straßen erstaunlich ruhig und ist trotz ihres Radstandes von 1760 mm und des dicken Pneus hinten sehr leichtfüßig. Allerdings besitzt sie die Schräglagenfreiheit einer Straßenwalze, was den Fahrspaß außerhalb bundesdeutscher Innenstädte ein wenig schmälert und selbst dort werden ihr immer wieder ihre Grenzen aufgezeigt. Aber die FXCWC, so die Bezeichnung von Harley, will eindeutig im Großstadtrevier wildern. Cruisen, um zu sehen und gesehen zu werden, das ist der erklärte Anspruch, den dieses Fahrzeug für sich erhebt. Bei einem Tankinhalt 18,9 Liter und einem angegebenen Stadtverbrauch von 6,7 Litern auf 100 Km sollte dies dem Besitzer immerhin 20 Stunden lang gelingen. Das hört sich doch ganz gut an wird aber den Luftkühler ganz schön ins Schwitzen bringen. (noch mal zum Nachrechnen 18,9 L / 6,7L / 100Km = 282 Km; geteilt durch eine Durchschnittgeschwindigkeit von, sagen wir mal 14,1 Km/h)  ;)
Mir persönlich ist dieses Stadtgebummel zu wieder. Am meisten Spaß hatte ich mit der Harley auf sanft geschwungenen Landsträßchen, auf denen ich bei 80 - 90 Km/h dahin geglitten bin. Hier sinkt übrigens der von mir angesprochene Verbrauch unter die 5 Litermarke. An die, für mich so ungewohnte Sitzposition, habe ich mich schnell gewöhnt und irgendwann fand ich sie sogar ganz entspannend, aber auf Langstrecke ist sie sicherlich nichts für mich. Ich werde wohl nie der typische Harleyfahrer werden. Ein Wehrmutstropfen zum Schluss: Die Soziabank. Notsitz! Unmöglich! Weglassen! Dieses Bike ist eindeutig für den Solobetrieb konzipiert.

Mein Fazit :

Die Rocker C ist sicherlich kein Alltagsmotorrad. Welches auf Neudeutsch „gecustomizete“ Bike ist das aber auch. Ihre Stärken liegen eindeutig im Showsegment. Da gehört sie hin, da fühlt sie sich wohl. Die Chopper-Puristen werden sie sowie so nicht kaufen. Aber für alle anderen, die so ein bisschen Easyrider-Feeling schnuppern wollen, geht sie schon in Ordnung. Ihr Preis von 21395 Euro ist ganz schön happig, aber verglichen mit einer Basis-Harley, plus Zurüstteile und, und, und…., da relativiert er sich dann doch wieder.

 

 















 
© Regio Verlag Schwäbisch Hall 2008

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