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HEROES LEGEND

HEROES LEGEND Daten und Zahlen:
 

  • erstmalig 2006 ausgetragen, damals mit 26 Teams exklusiv auf XT500
  • grundsätzlich wird am Eiffelturms in Paris gestartet, Ziel: Dakar (Senegal)
  • Dauer der Veranstaltung: 15 Tage inklusive technischer Abnahme in Paris und Verladung für den Rücktransport in Dakar
  • 2008 am Start: 175 Personen aus 14 Nationen (davon 15 Frauen), verteilt auf 57 Teams mit 72 Motorrädern, 46 Geländewagen und 3 Lkw, zusätzlich 72 Helferinnen und Helfer (davon 6 Ärzte, 14 Personen im Catering und 9 Journalisten) samt weiteren 18 Geländewagen, 7 Lkw sowie einem Helikopter
  • 54 Teams erreichten nach 6.802 km das Ziel in Dakar
  • Infos und Ausschreibung unter www.heroeslegend.com


Der HEROES LEGEND CLASSIC RIDE schickt sich an, in die Fußstapfen der „echten“ Rallye DAKAR zu treten. Härter denn je, verlangte die dritte Ausgabe, ausgetragen in diesem Jahr vom 9. bis 22. März, Mensch und Material alles ab. Im Jahre 2006 erstmals als Motorrad-Abenteuer mit Offroad-Anteil propagiert und ausgerichtet für klassische Motorräder vom Schlage einer XT500 oder BMW G/S, ist aus der HEROES LEGEND in nur drei Jahren eine reinrassige Rallye geworden. Wie es scheint, wurde diese Entwicklung durch die Absage der DAKAR beschleunigt. Offenkundig besteht Bedarf an einer Extrem-Rallye mit Ziel Dakar, das Starterfeld war jedenfalls besser denn je gefüllt. Leider wurde diese Wandlung im Vorfeld nicht kommuniziert, so dass etliche Teams schlecht auf die verschärften Bedingungen vorbereitet waren. Zwar erhöhte sich, wie in den Jahren zuvor, der Schwierigkeitsgrad der ersten drei Etappen zunächst nur langsam, gewissermaßen zum Eingewöhnen, doch danach ging es voll zur Sache. Täglich wuchsen Streckenlänge und –anspruch. Bis zu 635 km am Tag waren zu bewältigen, oft 400 km und mehr offroad. Selbst die Anfahrt zum Biwak, früher reine Nebensache, geriet meist zur Sonderprüfung. Für die letzten 30 km einer Liaison durch tiefen Sand benötigten Werksfahrer wie der Holländer Frans Verhoeven auf seiner 690er Rallye-KTM beispielsweise nur eine Stunde, Hobby-Piloten benötigten hierfür deutlich länger, drei Stunden und mehr waren keine Seltenheit - das trifft hart, besonders nach einem ohnehin schon langen Tag sowie einsetzender Dämmerung. Besondere Skepsis war immer dann geboten, wenn Hubert Auriol, Organisator und Leiter der Rallye und selbst mehrmaliger DAKAR Teilnehmer und Sieger, bei der Fahrerbesprechung den nächsten Abschnitt mit Worten wie „funny“ beschrieb. Was sich dahinter verbarg, war selten „lustig“, und für viele der Fahrer am Rande des Machbaren. Etappen, für die Profis fünf Stunden benötigten, dehnten sich für die meisten Privatiers schier endlos aus. Gerüchte von unfreiwilligen Übernachtungen in der Wüste machten die Runde. Einmal musste sogar ein provisorisches Biwak für knapp 20 Teilnehmer errichtet werden, die es aus Treibstoffmangel und vor Erschöpfung nicht mehr bis ins Hauptlager geschafft hatten. Hier liegt auch der Hauptunterschied zur „echten“ DAKAR, denn die HEROES LEGEND lässt Niemanden im Stich. Auriols Versprechen, jeder kommt im Ziel am Lac Rose an, gilt – solange man selbst durchhält. Im Falle der zurückgebliebenen 20 Teilnehmer wurde am Folgetag die Etappe gekürzt. So konnten die Nachzügler zum Rallyetross aufschließen. Das übrige Fahrerfeld nutzte die Verkürzung, um sich von den Strapazen zu erholen. Mitverantwortlich für die Härte dieses Jahr war sicherlich auch die Hitze, Temperaturen von tagsüber 40 Grad und mehr erhöhten die Belastung enorm.
 
In einer weiteren Hinsicht näherte sich die Rallye dem Vorbild an. Die ursprüngliche Idee „drei Freunde, ein Motorrad, ein 4x4 Begleitfahrzeug“ funktionierte nicht mehr. Jene 4x4, die in Wertung fuhren, starteten grundsätzlich erst nach dem letzten Motorrad. Der Schwierigkeitsgrad des Geländes erlaubte den vollbeladenen Autos jedoch kein schnelles Vorankommen. Selten war ein Begleitfahrzeug früher als der Teampartner auf dem Motorrad im Lager, um ggf. technische Hilfe leisten zu können, meist trennten beide viele Stunden. Der Zeitdruck war enorm, vor Mitternacht war kaum jemand im Schlafsack. Nur wer von Schäden verschont blieb, konnte sinnvoll in der Wertung bleiben. Die Konsequenz hieraus wäre die Teilnahme mit einem wirklich rallyetauglichen 4x4 samt eigenständiger, erfahrener Besatzung oder gar ein eigenes Serviceteam, das nur von Biwak zu Biwak fährt, um so rechtzeitig für das Motorrad da sein zu können. Eine Mischung hieraus hat sich (leider) nicht bewährt.
 
 
Jede Tagesetappe hatte einen besonderen Reiz. Atemberaubende Landschaften wechselten sich mit spektakulären Fahrten durch ausgetrocknete Flussbetten und Trail-Einlagen auf engen Bergpässen oder Sandschlachten in den Dünen der Sahara ab. Diese gelungene Komposition verdankt man der großen Erfahrung Auriols, der zuvor alle Strecken persönlich ausgewählt und abgefahren hat. Das Roadbook war stets präzise, Abweichungen und Änderungen wurden in den Fahrerbesprechungen zweisprachig angesagt. Hierbei war es hilfreich, auch der französischen Sprache mächtig zu sein, denn oftmals fielen die Erklärungen in englisch kürzer aus – wohl ein Zugeständnis an die vielen Teilnehmer französischer Herkunft. Keinerlei Zugeständnisse gab es in Sachen Verpflegung. Selbst bis spät in die Nacht wurde warmes Essen serviert. Die Veranstaltung hatte Charme, keine Frage. Das Flair im Fahrerlager war großartig.
 
Wenig charmant hingegen waren die zahlreichen Stürze, die nicht immer glimpflich verliefen. Die überforderten und erschöpften Fahrer stürzten häufig, die Ausfallquote stieg täglich. Von 72 Fahrerinnen und Fahrern, die in Paris am Start gewesen sind, beendeten 9 die Rallye vorzeitig und mussten mit zum Teil schweren Knochenbrüchen in die Heimat ausgeflogen werden. Andere hatten mehr Glück, konnten sich gegen Ende der Rallye aber kaum noch auf dem Motorrad halten. Nicht unerwähnt darf der schwere Unfall des Teams Chambery Motors bleiben. Auf der Verbindungsetappe von Fort Bou Jerif nach Laayoune kollidierte der Toyota mit der Startnummer 234 mit einem Lkw. Für Hubert Kosloff am Lenkrad kam jede Hilfe zu spät. Er starb am Unfallort. Der marokkanische Fahrer des Lkw verliert vermutlich ein Bein.
 
Eine Herausforderung war die Rallye auch für das Portmonee. Neben dem Nenngeld für den Fahrer in Höhe von 3.150 bzw. 3.650 Euro (Kategorie Classic bzw. Open) sowie der Pauschale für das Motorrad (2.150 bzw. 3.150 Euro) kamen noch circa 3.000 Euro für Materialtransport, Benzin und Rückflug hinzu. Erheblich teurer wurde es für besagte drei Freunde samt Geländewagen, 20.000 Euro kamen schnell zusammen, Anschaffung und Ausstattung geeigneter Fahrzeuge nicht inbegriffen. Das ist zwar nur ein Bruchsteil der Kosten verglichen mit einer Teilnahme an der „echten“ DAKAR, aber auch sicherlich kein Sonderangebot.
 Fazit: Wer eine professionell organisierte Afrika-Rallye sucht, die ähnlich hart wie die ehemalige DAKAR ist, wird hier fündig. In Zukunft wird es wohl zwei Wertungen geben. Eine, wie bisher, für Gleichmäßigkeit, die andere für Geschwindigkeit. Die Nachfrage wird auch hier das Angebot bestimmen. Dem Amateur steht das Event weiterhin offen, allerdings sinken die Chancen, im Spitzenfeld dabei zu sein. Es wird viel geboten – aber auch abverlangt. Persönliche Belastbarkeit und Fitness sind unverzichtbare Voraussetzungen. Empfehlenswert ist die Teilnahme als „Ironman“. Wer als Einzelfahrer mit dem Motorrad ab Paris startet, findet schneller seinen Rhythmus. So verschmelzen die zwei Wochen zu einem langen Offroad-Traum, aus dem man am liebsten gar nicht mehr erwachen möchte. Die „HEROES LEGEND – THE CLASSIC OFFROAD TO DAKAR“ hat 2008 die Steilvorlage für kommende Jahre gelegt. Künftig sollte man jedoch das Wort „Classic“ aus dem Slogan streichen, dieser Zusatz führt unnötig in die Irre. Wer sich traut, kann weiterhin auf einer XT500 teilnehmen, uneingeschränkt empfehlenswert ist das allerdings nicht. Trotz einiger Kritikpunkte kann man(n) hier noch ein richtiges Abenteuer erleben. Wohin wird die HEROES LEGEND 2009 wohl gehen? Auf jeden Fall erneut nach Afrika. Genauer gesagt: nach Dakar!













 
© Regio Verlag Schwäbisch Hall 2008

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