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Kawasaki / Ninja 250 R / 


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Kawasaki Ninja 250 R

Süß die Kleine, entfuhr es mir unwillkürlich, als ich die 250er Ninja vor einigen Wochen bei Kawasaki entgegennahm. Das lag wahrscheinlich daran, dass ich gerade eben die B King nach einem Test zurückgegeben hatte. Aber die Ninja will nicht nur niedlich und süß sein, der Anspruch ihrer Macher ist es ein Bike für sportlich ambitionierte Wiedereinsteiger oder Einsteigern mit einem Stufenführerschein ein vollwertiges Motorrad zu bieten. Kann sie diesem Anspruch genügen? Um es vorweg zunehmen sie kann. Das liebe Geld spielt immer eine Rolle und ist in der heutigen Zeit vielleicht mehr als sonst ein Thema. Für einen Jugendlichen, der gerade 18 geworden ist, kostet der Führerschein fürs Bike 1200 Euro extra. Die Schutzkleidung ist auch nicht billig, was jetzt? Wenn Papa nicht gerade Besitzer einer Hotelkette ist, muss beim Einstieg ins Motorradfahrerleben schon genau gerechnet werden. Eine Sportliche 600er könnte einen schon reizen, die wäre zwar wegen des Gesetzes auf 34 PS gedrosselt, aber ja nur vorübergehend. Das wäre sicherlich eine Möglichkeit, wären da nicht die astronomischen Preise z.B.: eine Honda CBR600 RR für 10.790 Euro oder eine Suzuki GSXR 600 für 10.490 Euro und so weiter und so weiter. Bislang gab es wenige Wahlmöglichkeiten entweder ein bieder gestyltes Naked Bike oder warten bis das Geld reicht.
In diese Bresche will jetzt Kawasaki mit ihrer Ninja 250 R einfallen. Sie bietet mit 4345 Euro eine nicht nur fürs Bankkonto interessante Alternative. Das ist doch ein Wort. Mir fallen da auf Anhieb einige Roller und 125er ein, die teurer sind. Und was man für sein Geld bekommt, kann sich sehen und fahren lassen!

Der erste Eindruck hat mich ein wenig getäuscht. Schaut man sich nämlich die realen Daten der Ninja 250 R mal genauer an, so ist Ihr Radstand (1400mm) nicht kleiner als jener, den die 600er auch haben. Auch sonst wirkt ihr Erscheinungsbild so aggressiv wie es bei Supersportlern sein soll. Die Vollverkleidung umhüllt zwar viel Luft, macht sie aber erwachsener und das Thema „offen verlegte Stecker“ gibt es auch bei anderen Bikes. Aber wo hat man bei der kleinen Kawa noch gespart? Beim Gewicht? Eher nicht. Offiziell kommen 154 kg trocken auf die Waage, vollgetankt etc. werden es am Ende rund 170 kg sein. In dieser Gewichtklasse tummelt sich auch schon mal die ein oder andere 600er.
Nein, richtig gespart hat man leider da, wo man häufiger hinsieht, bei den Instrumenten. Die dürften ruhig etwas ansprechender und moderner ausfallen und erinnern mich stark an manch altes 50er und 80erle Instrument von damals. Ninja und Stummellenker, das ist untrennbar miteinander verbunden. Bei der 250er sind die beiden Lenkerhälften oberhalb der Gabelbrücke angebracht. Deshalb auch deutlich höher als bei anderen Ninjas, das wiederum führt zu einer entspannteren Sitzhaltung, die Folge weniger Nackenbeschwerden.

So ansehnlich das erwachsene Äußere der Maschine auch ist, beim Druck auf den Anlasser gibt es Tränen. Der eher wie eine 125er klingende Motor hört sich schwachbrüstig und mager an. Erst wenn er richtig die Sporen bekommt und sich der Drehzahlmesser der Marke von 14.000 U/min nähert, wirkt er erwachsener und kerniger.
 
Beim schnellen Anfahren an der Ampel will der 250ccm Motor naturgemäß Drehzahlen. Wenn man ihm die zugesteht, erfährt man eine Beschleunigung wie man sie von gedrosselten 600ern kennt. Falls man es eher gemütlich mit etwa 2000 Touren angehen lässt, muss man sich dem einen oder anderen Roller geschlagen geben. Im großstädtischen Hindernisparcours macht die 250er Ninja mit ihrem schmalen Reifen und Profil und dem riesigen Lenkeinschlag erst so richtig Spaß.
 
Der kleine gegenläufige Zweizylinder hat einen sehr ruhigen, kultivierten Lauf und vibriert kaum. Eigentlich ist er ja ein alter Bekannter, aber mit der 8-Loch Düsen-Einspritzanlage und Doppeldrosselklappen dem Stand der Technik angepasst. Bei Drehzahlen über 10.000 U/min wird es rauer. Die hohen Drehzahlen sind aber nicht unbedingt notwendig denn ab mittleren Drehzahlen fällt schon die verzögerte Gasannahme weg. Das fällt einem aber nach einer kleinen Eingewöhnungsphase nicht mehr auf, da auch im Drehzahlkeller erstaunlicherweise schon einiges an Leistung vorhanden ist. Die Ninja ist auf Sparkurs konzipiert und will es auch im Unterhalt sein. Im Drittelmix kommt man über einen Verbrauch von 3,2 l/100km kaum hinaus.

Um noch einmal kurz auf das Fahrwerk zurückzukommen: Die 250er wirkt wenig nervös und das trotz ihrer hochgradigen Wendigkeit und auch der Geradeauslauf ist dank des immerhin 1400mm Radstandes sehr gut. Die Gabel dürfte etwas härter abgestimmt sein. Das Federbein geht so wie es ist in Ordnung und bietet auch mit meinen 80kg ausreichend Komfort. Alles in allem ist die kleine Kawasaki eine echte Alternative zu einer gedrosselten 600er. Sie ist die kleinste Ninja ihrer Zeit und mit allem ausgestattet, was der Einsteiger braucht. Unschlagbar ist sie im Preis-Leistungsverhältnis. Zieht man bei der Neuanschaffung in Betracht, dass es 3 Jahre Garantie von Kawasaki gibt, so ist sie immer noch mit einem Jahr Werksgarantie geschützt, wenn man sie nach Ablauf der 2 jährigen Probezeit weiter verkaufen will.

Technische Daten:

Motortyp:    Flüssigkeitsgekühlter Viertakt-Reihenzweizylinder
Hubraum     249 ccm
Bohrung x Hub     62 x 41,2 mm
Verdichtungsverhältnis     11,6:1
Ventil-/Einlasssystem     DOHC, 8 Ventile
Maximale Leistung     24 kW (33 PS) bei 11.000/min
Maximales Drehmoment     22 Nm bei 8.200/min
Kupplung     Mehrscheibenkupplung im Ölbad, mechanisch betätigt
Fahrwerk    Diamant-Rahmen aus Stahl
    Lenkkopfwinkel/Nachlauf 26°/82 mm
    Radaufhängung, vorn 37-mm-Teleskopgabel
    Radaufhängung, hinten Stahlschwinge mit Bottom-Link Uni-Trak Zentralfederbein (Gasdruck).
    Federbasis: 5-fach einstellbar.
    Radfederweg, vorn 120 mm
    Radfederweg, hinten 130 mm
Reifen    vorn 110/70-17 M/C (54S)
    hinten 130/70-17 M/C (62S)
Bremse    vorn 290-mm-Scheibenbremse im Petal-Design.
    Bremssattel: Doppelkolben-Schwimmsattelzange.
    hinten 220-mm-Scheibenbremse im Petal-Design
    Bremssattel: Doppelkolben-Schwimmsattelzange
Lenkwinkel    links/rechts 35°/35°
Abmessungen    (L x B x H) 2.085 mm x 715 mm x 1.115 mm
Radstand    1.400 mm
Bodenfreiheit     135 mm
Sitzhöhe     790 mm
Tankinhalt     17 Liter
Gewicht fahrfertig     169 kg












 
© Regio Verlag Schwäbisch Hall 2008

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