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Millstädter See

Nach einer problemlosen Anfahrt von Geislingen/Steige über München, Schliersee, Bayrischzell, Ursprungpass, Kufstein, Kitzbühel, Lienz nach Spittal kamen wir (Sandra, Micha und ich) nach 9,5 Stunden erschöpft, aber zufrieden, in unserem Quartier, der Schlossvilla, einem christlichen Jugend- und Freizeitheim, an. Ein hammergeiles Haus, direkt am Millstädter See gelegen, den wir dann total verschwitzt von der langen Anfahrt auch gleich ausgiebig genutzt haben. Gut, es war nicht so einfach aus den total verschwitzten und klebrigen Motorradklamotten heraus zu kommen, aber als Lohn lockte der erfrischende See, der ca. 24° Grad hatte und auch „Badewanne Kärntens“ genannt wird. Dann Zimmer beziehen und kurz darauf wurde auch schon zum Abendessen gerufen. Wir wurden diese 7 Tage von unserem Küchenteam, Cordula + Günter, Christa + Günther, Marianne + Hans bestens versorgt. Es war einfach toll, sich von den Sechsen verwöhnen zu lassen, die das ehrenamtlich und in ihrer Freizeit gemacht haben. Später dann noch eine kurze Vorstellungsrunde der Teilnehmer. Bis man 28 Personen durchgehechelt hat, das dauert, aber schließlich möchte man ja wissen, mit wem man die nächsten 7 Tage verbringt.

Am nächsten Morgen nach dem Warm-up, einem kurzen Gedankenanstoß zum Tag und einem ausgiebigen Frühstück starteten wir zu unserer ersten Tour. Ein halber Tag sollte es werden, da den meisten die lange Anfahrt doch noch etwas in den Knochen steckte, denn viele der Teilnehmer kamen von weiter her als wir drei Schwaben. Am Abend zuvor mussten wir unser Fahrkönnen einschätzen, damit unsere Tourguids Klaus, Frank und Klaus die Gruppen richtig einteilen konnten. Kurz nach dem Losfahren merkte ich schon, dass es ein Fehler war, sich der Blumenpflücker-Gruppe anzuschließen. Man will ja aber nicht gleich hochstapeln und lieber „aufsteigen“ als zurück in die langsamere Gruppe zu müssen, dachte ich so in meinem jugendlichen Leichtsinn. Ich sag´ Euch, wir hätten eine komplette Landesgartenschau pflanzen können, um es mit den Worten von Thomas Platte, einem der anderen Teilnehmer der Freizeit, auszudrücken. Wirklich viele Kilometer sind wir an diesem ersten Tag auch nicht gefahren, aber dafür war das Pauseneis sehr lecker und die Aussicht grandios. Ist ja auch was und man soll sich schließlich auch mit kleinen Dingen zufrieden geben. Abends dann wieder das übliche Programm. Raus aus den Motorradklamotten, rein in den See, Duschen, Abendessen, Gemütlichkeit. Was wir gelacht haben. Am 3. Tag standen die Lienzer Dolomiten auf dem Tourprogramm.

Wir fuhren zunächst über das Oberdrautal, das zwischen Kreuzeckgruppe (2.702 m) und den Gailtaler Alpen (2.731 m mit dem Reiskofel) eingebettet liegt, Richtung Lienz. Hinter Lienz begaben wir uns auf die wunderschöne Pustertaler Höhenstraße, einer Nebenstrecke mit Passhöhe von 1.480 m und einer Steigung von teilweise 14%. Weiter ging es durch das kurvenreiche Lesachtal, immer dem Fluss Gail entlang. Vorher überwanden wir den „Kartitscher Sattel“ mit einer Höhe von 1.526 m und einer max. Steigung von 13%. Das Lesachtal geht fast nahtlos bei Kötschach-Mauthen in den Plöckenpass über, der uns nach Italien führte. Der Plöckenpass (1.362 m und max. 13% Steigung) überwindet die Höhenzüge der Karnischen Alpen auf direktem Weg von Norden nach Süden. Auf der Passhöhe ist die Grenze zwischen Österreich und Italien eingerichtet und es gibt ein Cafe/Restaurant mit leckerem Eis und Milchkaffee. Nach dem Plöckenpass fuhren wir auf kleinen Nebensträßchen östlich bis zum Nassfeldpass (Paso di Pramollo), der uns wieder zurück nach Österreich brachte. Diese Nebensträßchen waren aber leider in einem dermaßen miserablen Zustand mit Schotter und steilen Kehren, dass wir alle froh waren, als diese Strecke hinter uns lag. Der wenig befahrene Nassfeldpass ist auf italienischer Seite recht schmal und mit vielen Kehren bestückt. Auf der österreichischen Seite dagegen zeigt er sich sehr gut ausgebaut: Passhöhe 1.530 m und mit einer Steigung von 20%.

Am Ende dieses Passes stießen wir wieder auf den Fluss Gail, dem wir zunächst ein Stück folgten. Dann fuhren wir über die „Windische Höhe“, einem kleinen Pass mit einer max. Steigung von 18% hinüber ins Drautal und zurück zu unserem Quartier. Am nächsten Tag, der mal wieder mit super Sonne und einem tollen Frühstück begann, fuhren wir in den nördlichen Teil Kärntens, dem sog. „Nockgebirge“. Über den Ski-Ort Bad Kleinkirchheim gelangten wir dorthin, um dann die Turacher Höhe rauf und runter zu blasen, bevor es auf die mautpflichtige (7,00 ?) Nockalmstraße ging. Die fast 35 km lange Straße führt in 52 Kehren durch den einzigen europäischen Nationalpark im sanften Hochgebirge mit dem größten Fichten- und Zirbenbestand der Ostalpen und ist, ebenso wie die Turacher Höhe, eine absolute Zuckerstrecke mit hohem Grinsfaktor. Leider wurde dieser Tag durch einen Unfall überschattet. Wir hatten verabredet, in der letzten Kehre vor dem Gipfel Fahrfotos zu machen, und so kam es, dass Linus es wohl besonders schön machen wollte und einfach einen Tick zu schnell für die Kurve war, aufgesessen und übel in die Leitplanke gekracht, die an dieser Stelle Gott sei Dank doppelt vorhanden war.

Wer weiß, ob es dann lediglich bei einer starken Prellung des Brustkorbes und des Bauches geblieben wäre. Linus war von schlimmeren Verletzungen verschont geblieben, wie uns das Krankenhaus am Abend dann bestätigte. Jedenfalls war es uns allen gründlich vergangen, die Nockalmstraße mehrfach rauf und runter zu fahren, wie wir es eigentlich vorhatten, um die Maut auch gut angelegt zu wissen. Außerdem musste die Straße von Öl und Dreck befreit werden, was natürlich einige Zeit in Anspruch nahm. Wir machten auf dem Gipfel noch eine Pause und fuhren später über den Ort Krems bis nach Gmünd und von dort wieder zur Schlossvilla zurück. Eine andere Gruppe unternahm noch einen Abstecher ins Maltatal (ca. 40 km einfach). Eine äußerst interessante und vom Bau her beeindruckende Straße führt vom Ende des Maltatals hinauf zur Kölnbreinsperre, einer ebenfalls imposanten Staumauer, die mit 200 m Höhe und über 600 m Länge die größte Staumauer Österreichs ist. Sie ist begehbar.

Die Fahrt führt zunächst durchs Maltatal, vorbei an zahlreichen, auch von der Straße aus gut sichtbaren Wasserfällen, die dem Tal den Beinamen „Tal der stürzenden Wasser“ eingebracht haben. Die Stichstraße selbst wurde zum Bau des Staudammes angelegt und besticht durch ihre extreme Lage. Sie ist durchweg zweispurig angelegt, kann mit der Besonderheit eines Kehrentunnels aufwarten und zählt neben der Staumauer auch selbst zu einer Meisterleistung der Ingenieurkunst. Immer wieder gibt es spektakuläre Ausblicke ins Maltatal, zahlreiche Brücken und insgesamt 7 Tunnels zeugen von der Schwierigkeit des Straßenbaus. Die Straße endet auf 1.931 m Seehöhe direkt am Sporthotel Maltatal, das am östlichen Ende der Staumauer liegt. Im dortigen Panoramaturm werden Informationen über den Nationalpark Hohe Tauern und der Geschichte des Baus der Kölnbreinsperre bereit gehalten. Vom Maltatal aus fuhren wir nach Gmünd und von hier aus über den Seeboden am Millstädter See zurück zur Schlossvilla. Der Mittwoch stand den Teilnehmern als Pausen- und Erholungstag zur freien Verfügung. Die einen fuhren mit dem Fährboot nach Millstadt, um sich das Städtchen und die dortige Klosteranlage anzuschauen. Wieder andere verbrachten den Tag mit Angeln, Sonnenbaden und Lesen oder ließen sich vom BMW-Händler neue Reifen aufziehen?.

Um 16 Uhr brachen wir auf zu einer 2-stündigen Bootstour, die uns am Ufer entlang einmal um den gesamten Millstädter See führte. Da wir in dieser Woche ständig Sonnenschein und Temperaturen um die 30 Grad hatten, war diese Bootsfahrt natürlich ein Genuss, auch dank der Leckereien unseres Küchenteams. Der nächste Tag, leider schon Donnerstag, führte uns nach Slowenien. Durch das Drautal über den Wurzenpass, der mit einer Länge von 16 km und einer max. Steigung von 16% vor uns lag, gelangten wir nach Slowenien, wo wir den Vrsic-Sattel in Angriff nahmen. Der 1.611 m hohe Vrsic-Sattel ist Sloweniens bekanntester Pass und ein echtes Sahnehäubchen slowenischer Pass-Straßen! Dieser Pass verbindet den Ort Kranjnska Gora im Norden mit der weiter südlich gelegenen Ortschaft Bovec. Hinter dem Vrsic-Sattel erwartete uns das Soca-Tal, benannt nach dem gleichnamigen Fluss, der in den Felsspalten des Triglav (2.844 m) entspringt. Mit seinem strahlend grünen Wasser und Stromschnellen ist er ein prächtiges Paddelrevier. Bald kamen wir über Bovec zum Predilpass, mit über 50 Kehren eine echte Herausforderung. Die Kehren der Nordrampe sind im Gegensatz zu denen der Südrampe mit Kopfsteinpflaster versehen. Vom Predilpass machten wir einen Abstecher auf den Mangart-Pass (2.055 m/max. 18% / Stichstraße).

Die Mangartstraße, ein ehemaliges Militärsträßchen, trennte unter Enduristen bis in die früheren Neunziger die Spreu vom Weizen. Eine wüste Schotterpiste, die Wind und Wetter jedes Jahr schlimmer zurichtete. Vor einiger Zeit hat eine schmale Teerdecke die ca. 12 km lange Auffahrt gezähmt und daraus eine schöne Pass-Straße gemacht. Unterwegs kamen wir, da das Wetter an diesem Tag nicht so prickelnd war, in ein übles Gewitter mit Platzregen und Hagel, aber es sind Gott sei Dank alle heil und unversehrt wieder nach einer Rückfahrt über die Sella Nevea, den Nassfeldpass und die „Windische Höhe“ in der Schlossvilla eingetroffen. Abends das übliche Programm. Super Abendessen von unserem Küchenteam und danach saß man noch gemütlich bei Wein und Bier zusammen oder unterhielt die nicht vorhandene Nachbarschaft bis spät in die Nacht mit einem Kickerturnier. An unserem letzten Ausfahrt-Tag, dem Freitag, ging es noch einmal einen halben Tag über die Turacher Höhe, die Dank ihrer flüssig zu fahrenden Kurven einem mal wieder das Grinsen ins Gesicht tätowierte und das Gurktal, durch das man es so richtig Brennen lassen kann (Knallgas fahren wie sich Fränkie ausdrückte ?), über den Katschberg und den sogenannten Rennweg zurück über Spittal zur Schlossvilla. Unterwegs sah man allerdings noch merkwürdige Packmethoden, die aber offensichtlich funktionierten. Keiner wollte abends ans Packen denken und die Verabschiedung am nächsten Morgen zog sich und zog sich. Ach komm´, den noch mal drücken und hier noch ne Umarmung und bis man schließlich auf dem Moped Richtung Heimat saß, verging die Zeit viel zu schnell. Gott sei Dank hat man die Möglichkeit, dass man sich auf dem Abschlusstreffen im Oktober in der Rhön wieder sieht. Ich glaube, darauf freue nicht nur ich mich! Ganz lieben Dank an dieser Stelle nochmals an das Team, Klaus – Frank – Klaus, von SRS-Motorrad, die uns einen wirklich tollen und unvergesslichen Urlaub beschert haben, mit super viel Spaß und auch einem hohen Lernfaktor.











 
© Regio Verlag Schwäbisch Hall 2008

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