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Kroatien / Slowenien / 


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Kroatien / Slowenien

Seit Anfang dieses Jahres steht eine knallig-orange-farbene KTM Adventure im Testfuhrpark der WHEELIE’s Redaktion, für ausgiebige Touren zu Testzwecken von KTM Deutschland zur Verfügung gestellt. Schließlich möchte man die Käufergunst überzeugen, dass nicht nur die blau-weißen Boxerkühe mit der Bezeichnung GS zu Fernreisen mit gelegentlichen Abstechern auf Schotter zu gebrauchen sind. Da ich Mitte Mai gerade meinen wohlverdienten Urlaub genieße und zwei meiner guten Freunde ebenso wie ich Zeit haben, Ebbse gerade aus Sardinien mit der Adventure zurück ist, und es in Kroatien noch herrlich wilde Gegenden mit „legalem Schotter“ geben soll, beschließen wir auf die Schnelle, dort geschwind mal für eine knappe Woche hin zu düsen. Von der gel-gefüllten Komfortsitzbank der KTM verspreche ich mir zudem einen entscheidenden „Hinterteil-Vorteil“ gegenüber Peter mit seinem zuverlässigen Oldie Yamaha FJ 1200 und zumindest Gleichstand gegenüber dem anderen Peter, der mit seinem Reisedampfer BMW R 1100 RT schon die meisten Winkel in Europa unter die Räder genommen hat. Unsere Tour beginnt früh morgens mit einer Gratulationsrunde – denn unser BMW-Peter feiert heute seinen 69. Geburtstag. Hier ist nicht das Motorrad, sondern der Pilot der Oldie – aber ein total rüstiger! Am ersten Tag steht „Kilometer fressen“ im Roadbook. Eintöniges Autobahn-Bolzen über München-Salzburg-Villach-Ljubljana-Koper. Fast 800 Kilometer das traurige Summen des Highways unter dir, nur unterbrochen von Tank-, Pinkel- und Vesperpausen sowie von gezielten Überfällen von Raubrittern, manche nennen sie auch einfach nur „Mautstellen“, in unserem Nachbarland Österreich und in Slowenien. Gelsitzbank hin – Gelsitzbank her, schon nach gut der Hälfte der Strecke fällt mir fast der Arsch ab und ich weiß nicht mehr, welche Haltung ich meinem geschundenen Körper zumuten soll. Da macht sich halt die geringe Breite des Adventure-Sitzkissens negativ bemerkbar (und vielleicht auch ein wenig das Triumph-Tiger-verwöhnte Popöchen!!!). Aber schließlich sind alle glücklich, als wir kurz vor Koper zum ersten Mal das in der Abendsonne silbern glänzende Wasser der Adria erspähen und die verhasste Autobahn verlassen dürfen. Vorbei an einsamen verträumten Buchten zieht sich die Straße entlang der Westküste Istriens. Kurz vor Porec beziehen wir in Novigrad unser erstes Übernachtungsquartier, um frisch ausgeschlafen am nächsten Tag unsere Tour durch Istrien genießen zu können. Frisch ist allerdings auch der Regen, der uns am Morgen weckt und uns zwingt, die geplante Route etwas abzuändern. Rovinj wird nicht umsonst die Perle Istriens genannt: Eine tropfenförmige Halbinsel mit einem Puzzle aus rotbraunen Ziegeldächern. Leider lädt der weiter prasselnde Regen nicht zu einer ausgedehnten Stadtführung ein. Vorsichtig „tasten“ wir uns gen Osten weiter. Berüchtigt und gefürchtet waren die regennassen Straßen schon im alten Jugoslawien. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Die ersten Regentropfen nach langer Trockenheit verwandeln den Asphalt in eine gefährliche seifenartige Rutschbahn. Deshalb sind wir froh, als wir in Brestova die Fähre hinüber auf die Insel Cres erreichen. Diese fast 70 Kilometer lange und mit Macchia bewachsene Insel schirmt die Kvarner Bucht gegen die offene Adria ab. Lohnend für Naturliebhaber soll ein Besuch der südlichen Nachbarinsel Losinj sein, den wir aber aus Zeitgründen nicht schaffen. So bringt uns abermals eine Fähre auf die mit 410 Quadratkilometern größte Insel der Adria mit dem unaussprechlichen Namen: Krk. In Malinska, einem quirligen Feriendorf, beziehen wir für die nächsten drei Tage unser Feriendomizil. Wo sind sie denn nun, die abenteuerlichen Schotterpisten – der geeignete Tummelplatz für unsere langbeinige Österreicherin? Tatsächlich werden wir am nächsten Tag fündig. Ein ominöser Wegweiser „nach Magadam – 3 km“ entpuppt sich als Hinweis, dass die nächsten drei Kilometer auf losem Schotter und groben Gestein, teils steil bergauf und bergab zurück gelegt werden müssen. Die Adventure zeigt ihren „Straßenschwestern“, wo der Geländehammer hängt. Wie auf Schienen pflügt die Reiseenduro – und das ist wirklich die einzige, die den Zusatz Enduro verdient – über die unebene Bahn. Je schneller, desto besser, weil stabiler. Meine zwei Peters tun sich mit ihren Straßenbikes natürlich ungleich schwerer. Der Lohn für die Mühe: eine einsame, von Pinien gesäumte Badebucht mit smaragd-farben schimmerndem Wasser. Trotz einer Wassertemperatur von höchstens „drei Zentimetern“ lasse ich mich nicht von einem Sprung ins kühle(!) Nass abhalten. Krk ist voll von solchen einsamen Plätzen. Wer etwas abseits die Nebenstraßen nimmt und die Pfade bis zum Ende fährt, findet diese auch. Der gleichnamigen Inselhauptstadt sollte man unbedingt einen Besuch abstatten. Mit ihren engen verwinkelten Gassen, dem aus dem 13. Jahrhundert stammenden Franziskanerkloster, den Resten der Stadtmauer und dem hervorragend erhaltenen Kastell, bietet das kleine Städtchen mittelalterliches Urlaubsflair pur. Mit den Blutsbrüdern Winnetou und Old Shatterhand wollen wir uns am nächsten Tag am Silbersee treffen, um den begehrten Schatz zu suchen. Und dieser soll ja bekanntlich im Nationalpark Plitvizer Seen liegen. Auf ca. 50 Kilometern folgen wir der berühmten Küstenstraße, die sich von Rijeka über Split nach Dubrovnik erstreckt. Seit die im Inland verlaufende Autobahn Zagreb-Split fertig gestellt ist, hat sich der einstmals dichte Verkehr von der Küste ins Landesinnere verlagert. Gut so – denn so können wir unsere frühmorgentliche Fahrt entlang von verträumten Orten, im klaren Wasser dümpelnden Fischerbooten und die raue Schönheit der Landschaft voll und ganz genießen. Bei Senji verlassen wir die Küstenstraße und biegen ostwärts in Richtung Otokac ab. In unzähligen Kurven schlängelt sich die Straße zum 698 m hohen Vratnik-Pass hinauf. Von dort oben bietet sich normalerweise ein grandioser Ausblick auf die Adria mit ihrer Inselwelt. Doch kurz vor der Passhöhe erleben wir ein fast bedrohliches Naturschauspiel. Einem riesigen Wasserfall gleich wälzt sich eine dichte kilometerbreite Wolkenwand über die Abrisskante des Gebirgszuges und deckt uns in kürzester Zeit mit dichtem Nebel ein. Bei Otokac ist das Schauspiel genauso schnell vorbei, wie es begonnen hat, und wir setzen bei herrlichem Sonnenschein unsere Fahrt durch eine grandiose Landschaft, die in ihrer Form und Einsamkeit irgendwie an Kanada oder Skandinavien erinnert, fort. Als dann das Hinweisschild „Vorsicht – Bären“ die nächsten 30 Kilometer am Wegesrand steht, fühle ich mich für meinen Vergleich bestätigt. Lediglich die immer noch deutlich sichtbaren Spuren des verheerenden Krieges, der Ende der 80er Jahre auch in diesem Gebiet tobte, und die Minen-Warnschilder am Waldesrand reißen einen gnadenlos in die Wirklichkeit zurück. Der älteste Nationalpark (seit 1949) Kroatiens, die Plitvicer Seen, erlangten als Drehorte für die Karl-May-Filme in den 60er Jahren internationale Berühmtheit. Wo sich Winnetou u. Co. von den Wasserfällen stürzten, Old Shatterhand mit dem Kanu durch türkisfarbenes Wasser pflügte, oder böse Banditen (generell an den schwarzen Cowboyhüten zu erkennen) mit dem Floß zur Schatzhöhle pirschten, kommen heute inzwischen wieder über eine Million Besucher pro Jahr, um den Komplex von 16 Seen, die durch Kaskaden miteinander verbunden sind, zu bestaunen. Die Schönheit des 295 Quadratkilometer großen Nationalparks, der im Jahr 1979 von der UNESCO in das Verzeichnis des Weltnaturerbes aufgenommen wurde, ist unbeschreiblich. Obwohl ich heute zum sechsten Mal diese unglaubliche Landschaft bestaune, entdecke ich doch immer wieder Neues und so wird dies auch hoffentlich nicht mein letzter Besuch in Plitvice sein. Auf der Rückfahrt nach Malinska biegen wir in Otokac nach links ab und geben uns die Alternativ-Route über den über 1000 Meter hohen Oltari-Pass und am Velebitski-Botanicki-Naturpark vorbei. Bei Sveti Juraj schließlich ist die geniale Berg-und-Tal-Fahrt vorbei und wir finden uns auf der Küstenstraße wieder. Immer, der von der Natur vorgegebenen Küstenlinie entlang, tanzen wir nun den „Kurvenwalzer“ bis „heim“ nach Malinska. Den letzten Abend in Kroatien lassen wir bei einer guten Flasche Rotwein aus Vrbnik (Krk) und je einer riesen Portion Cevapcici ausklingen. Als wir am nächsten Morgen auf die Brücke, die Krk mit dem Festland verbindet, auffahren wollen, werden wir von einem wild gestikulierenden Polizeibeamten angehalten und auf einen Parkplatz beordert. Dort stehen bereits mehrere verdatterte Biker mit ihren Maschinen. Schnell gesellen sich weitere dazu. Auch Wohnwagengespanne und Wohnmobile werden heraus gewunken. Was wir schon aufgrund der gefährlichen Windböen während der Fahrt vermutet haben, bestätigt sich nun: Wegen eines orkanartigen Sturmes, der sich vom Festland her über die Bucht bei Rijeka auf Krk stürzt, ist an eine gefahrlose Überfahrt auf das Festland nicht zu denken. Selbst auf dem Parkplatz kommt eine gewisse Panik auf. Die Orkanböen werden so stark, dass wir uns nicht vom Motorrad weg bewegen können. Selbst als die Blase zu drücken beginnt heißt es entweder: „Tapfer verdrücken“ oder „Zieh’s hoch und spuck’s aus“! Zwei Biker werden vom Sturm auf ihren Maschinen sitzend einfach umgeblasen. So eine Naturgewalt habe ich zuvor noch nie erlebt! Erst nach unendlich langen drei Stunden lässt der Orkan so weit nach, dass wir im Schritttempo, mit den Füßen am Boden, über die Brücke rollen dürfen. Über Rijeka und der italienisch-kroatischen Grenzstadt Nova Gorica fahren wir nordwärts das Soca-Tal hinauf. Das türkisfarbene Wasser des Gebirgsflusses erinnert in seiner Farbe an die Plitvicer Seen. Immer enger wird das Tal, immer mächtiger die Bergriesen, die links und rechts der Straßen im Spalier stehen. Prächtig in seiner Vielfalt und seinen Farben präsentieren sich die saftigen Blumenwiesen und stets zieht eine Sehenswürdigkeit nach der anderen unsere Blicke auf sich. Mal sind es die verwegenen Kajakfahrer, die sich durch die Stromschnellen der Soca stürzen, mal die Fliegenfischer, die fast bis zum Bauch mit ihren Angelruten im Wasser stehen. Dann wieder ein mächtiger Wasserfall, dessen Gischt etwas Frische unter den Helm bringt. Im Triglav Nationalpark machen wir einen Besuch bei Polonza, die mit ihrer Familie die Pension „Kamp Klin“ mit dazu gehörigem Campingplatz betreibt. Hier haben wir uns schon vor Jahren bei der Ausfahrt der COUNTRY RIDER sehr wohl gefühlt. Welch’ ein Zufall! Plötzlich tauchen Steff und Fred mit ihren Bikes auf. Diese haben wir beim Orkan auf dem Parkplatz kennen gelernt. Mit diesen zwei Gaudiburschen aus Bayern ist der Abend gerettet. Mit etwas schwererem Kopf als sonst (liegt wahrscheinlich an der Höhenluft) starten wir am nächsten Morgen zur Soca-Quelle am Fuße des Vrsic-Passes. Ein kurzer aber spektakulärer Fußmarsch führt zum Quelltopf in einer kleinen Grotte. Vom Wasser können wir uns einfach nicht trennen – so folgen wir wieder per Bike dem Flusslauf der Soca abwärts bis kurz vor Bovec. Dort zweigt die Straße Richtung Italien über den Predil-Pass ab. Kurz vor der Passhöhe wagen wir uns auf die teilweise geschotterte Piste zum Mangart, dem höchsten anzufahrenden Punkt in Slowenien. Nach gut 10 Kilometern höchst konzentrierter Fahrt auf enger Piste und unbeleuchteten schmalen Tunnels folgt das plötzliche Ende. Ein Schneerutsch hat die Einfahrt zum letzten Tunnel versperrt – so bleibt uns leider der faszinierende Rundumblick bis hin zum Großglockner verwehrt. Wenn wir ihn von hier nicht sehen können, so fahren wir halt einfach hin! So unser einstimmiger Beschluss. Über den Pass Predil verlassen wir Slowenien, zu Recht als das grüne Herz Europas bezeichnet. Genauso wie meinen zwei Peters ist auch mir dieses kleine Land mit seiner großartigen Natur ans Herz gewachsen und wir haben uns fest vorgenommen bald wieder die kurvenreichen, verkehrsarmen Sträßchen unter die Räder unserer Mopeds nehmen zu wollen. Tarvisio in Italien heißt die nächste Station. Vor dort aus geht es über den Nassfeldpass nach Austria. Mir ist so, als würde die KTM kurz entspannt auflachen, als wir über die Grenze in ihr Heimatland fahren – auf die Kurven der Großglockner-Hochalpenstraße freut sie sich natürlich ganz besonders. Diese befahren wir am nächsten Morgen. Eine grandiose Naturkulisse tut sich bei weit über 2500 Höhenmetern auf. Fahren auf dem weißen Dach Europas. Und endlich sehen wir ihn, den höchsten Berg Österreichs, den 3798 m hohen Großglockner. Viel wird für den einwandfreien Zustand der Hochalpenstraße getan. Mit 18 Euro pro Moped (28 ? pro Auto) lassen sich unsere südlichen Nachbarn dies aber auch fürstlich bezahlen. Die sechs Tage verfliegen wie im Nu und die Heimreise wird nochmals eine Herausforderung, weniger für Maschine, dafür umso mehr für Mensch und vor allem sein leidgeplagtes Hinterteil, welches trotz der bequemen SitzGELegenheit stark in Mitleidenschaft gezogen wird (das Sitzfleisch von Peter auf der BMW ist bewundernswert!!!). Trotzdem darf ich guten Mutes folgendes Resümee ziehen: eine tolle Tour, in der es vielerlei Highlights zu bestaunen gibt – mediterranes Flair, mittelalterliche Stadtbilder, smaragdgrünes Meer mit verträumten Badebuchten, grandiose Naturkulissen und Naturschauspiele in den Nationalparks wie Plitvice (Kroatien), Triglav (Slowenien) oder Großglockner (Österreich), verkehrsarme Straßen mit Kurven bis zum Abwinken. Die KTM Adventure hat sich als toller Reisebegleiter heraus gestellt. Klasse Fahrwerk, individuell einstellbar. Prima Handlichkeit und absolut schottertauglich! Für Etappen im XXL-Format fehlt dann doch (trotz Gel-Sitzbank) die Bequemlichkeit (vielleicht bin ich ja auch bloß ein Weichei!). Kurzum ein Supertyp um auf Reisen zu gehen. Von meinen zwei Peters wusste ich das ja vorher schon!

Länge der Tour: ca. 2500 Kilometer
Übernachtungsempfehlung Slowenien: Pension u. Camping Kamp
Klin (Nähe Bovec), mitten im
Triglav-Nationalpark gelegen
(www.bovec.net/kampklin-1.php)
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