Wie gut sticht die kleine Hornet ? (2006)ie italienisch ist die in Italien zusammen geschraubte Hornet? Wie viele Gene geben die Italiener der kleinen Honda mit? Um diese und andere Fragen zu klären haben, wir uns im europäischen Stammhaus Hondas, im hessischen Offenbach, die 600er Hornet für eine Woche Alltagstest ausgeliehen.
Steil in die Luft gereckt steht wie ein giftiger Stachel das Heck in die Höhe, was ihr ein bisschen das momentan moderne Streetfighterimage geben soll. Die augenscheinlich gute Verarbeitung des Motorrades steht ihren japanischen Schwestern in nichts hinterher. Die Schweißnähte sind sauber ausgeführt und die verwendeten Materialien haben eine hochwertige Anmutung. Selbst die nett gestalteten Armaturen mit kleinem Bordcomputer weisen unter ihrem Glas eine gebürstete Aluplatte auf. Der klassische Klarglasrundscheinwerfer wird oben herum von einer hübsch gestalteten Mikroverkleidung eingefasst. Nur ein Blick unter die Sitzbank trübt ein wenig den sonst guten Gesamteindruck. Dort schaut man auf ein Rahmenheck, das wie kalt übers Knie gebogen aussieht. Aber wer hat schon seine Sitzbank permanent abgebaut? Apropos unter der Sitzbank, hier kann man dann noch weitere italienische Gene finden. Hier im sonst so Dunkeln verrichtet eine Zündbox aus dem Hause Ducati ihre Arbeit.
Drivers start your engines! Ein kleines Schauspiel kündigt nun den bevorstehenden Motorstart an. Denn nach dem drehen des Zündschlüssels beschreibt die Nadel des Drehzahlmesser einen vollen Ausschlag auf ihrem Zenit, während der digitale Tacho sich damit beschäftigt einen schnellen Countdown zu zeigen, nett. Nun will ich doch selbst mal testen wie sich einer der europäischen Bestseller unter meinem Hintern so verhält. Die Sitzposition ist selbst für 1,85m recht angenehm, auch wenn es von der Seite etwas albern aussieht, mich auf der kurzen und tiefen Hornet zu sehen. Der im Prinzip aus der 1998er CBR 600 F stammende Vierzylinder 16V-DOHC ist laut Honda auf mehr Durchzug im niedrigen und mittleren Drehzahlbereich ausgelegt, aber wie bei einem kleinem Vierzylinder üblich, passiert trotz 96,5PS untenherum erst mal wenig. Wenn man den Motor aber mal über die 5200 Drehzahlmarke geschraubt hat, setzt turbinenartig der Schub ein und schiebt die kleine Honda konsequent weiter bis auf die Höchstdrehzahl von 13.000 U/min. Das reicht dann im 6ten Gang für eine Spitzengeschwindigkeit von über 200 km/h, die man aber auf einer unverkleideten Maschine nicht wirklich auf lange Zeit fahren will. Die kurze und niedrige Hornet ist da eher was, um schnell mal durch die Innenstadt zu zirkeln oder das ein oder andere Mal über die Hausstrecke zu kurven, um sich an seinen persönlichen Bestzeiten zu messen. Bei diesem Unterfangen kommt einem das neutral reagierende Fahrwerk zugute. Die 41mm Upside-Down-Gabel ist besser auf die Hornet abgestimmt als die ihrer Vorgängerin. Leider gibt es aber nur die Möglichkeit, dieses Fahrwerk hinten individuell einzustellen. Für mich hat es gepasst, andere müssten es halt selbst mal aufprobieren. Der Mono-Backbone-Rahmen der den Motor als tragendes Element benutzt, setzt das hübsch aussehende 600er Triebwerk gebührend in Szene. Die vier Krümmer münden in einen rechts von der Sitzbank montierten Edelstahlendschalldämpfer. Die Abgase können trotz der Vergaseranlage, mittels eines Kats gereinigt werden, dies wird ermöglicht durch die Kombination aus parallelen Wärmerohren und eines 100-Zellen-Katalysatorelementes.
Um die Hornet zum stehen zu bringen hat Honda ihr vorne eine Nissin 296mm Doppelscheibenbremse im Verbund mit hinten einer 220mm Bremsscheibe mit auf den Weg gegeben. Die bringen die Kleine vernünftig und ohne irgendeine Auffälligkeit zum stehen. An Stauenden kann man den nachfolgenden Verkehr mittels der Warnblinkanlage vorwarnen, bevor man beherzt in die Bremse greift. Wie mittlerweile fast bei Honda schon üblich, hat sie das H.I.S.S. (Honda Igninition Security System) an Bord, das nur dem Besitzer der beiden Originalschlüssel den Spaß mit der kleinen Honda beschert. Alle anderen haben keine Chance, sie sich mit Kurzschließen oder gar dem Austauschen des gesamten Zündschaltermoduls vorübergehend mal auszuleihen. Das freut nicht nur den Besitzer, sondern wirkt sich auch bei dem einen oder anderen Versicherer auf die zu zahlende Prämie aus. Des Weiteren bietet Honda für Ihre Hornet ein umfangreiches Zubehörangebot an, das dem zukünftigen „Hornetisti“ das Individualisieren seines Bikes vereinfacht. Dieses Paket reicht von A wie Alarmanlage bis Z wie Zurrhaken an der Gepäckspinne.
Resumeé: Die Designer von Honda haben es geschafft, etwas biedere Großserientechnik mit italienischem Chic zu kombinieren. Entstanden ist dadurch ein 7190.-€ teueres, alltagstaugliches Bike, das auch klein gewachsenen Italienern oder kleineren Frauen ein relativ leistungsstarkes Motorrad bei einem guten Preis-Leistungsverhältnis bietet. | |