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Friaul Teil 3

Tour 3:
Lignano - BAB Ausfahrt Tolmezzo – Amaro – Moggio – Sella di Cereschiadis – Pontebba – (Abstecher Naßfeldpass bis Passhöhe) – Pontebba – Studena bassa - Passo del Cason di Lanza – Schmugglerpfad – Straniger Alm – Goderschach – Mauthen – Plöckenpaß – Paluzza – Tolmezzo – Villa Santina – Soccheve – Medis – Passo di Rest – Tramonti – Meduno – Spilimbergo - Lignano

Diese Tour beinhaltet alles, was das Biker- und Enduroherz begehrt. Kurven über Kurven, Kehren in allen Variationen, Steigungen bis 30 Prozent und bei Bedarf reichlich Schlamm- und Schotterfutter für die unerschrockenen Enduristen, die zusätzlich noch mit einem sehr feinfühligen „Popometer“ und den richtigen Reifen ausgestattet sein sollten.

Um wieder Zeit zu sparen, fuhren wir über die Autobahn bis zur Abfahrt Tolmezzo und gleich nach der Abfahrt rechts Richtung Amaro – Moggio. Entlang des urwüchsigen Aupaflusses schlängelten wir uns zuerst auf breiter Straße, die dann aber immer schmäler wurde, am Aupafluss entlang. Was so ein Fluss anrichten kann, wenn er wild wird, sahen wir an der längerfristig eingerichteten Baustelle, wo die abgerutschte und weg geschwemmte Straße derzeit möglichst hochwassersicher befestigt wird. Ein kurzes Schotterumleitungsstück leitete uns auf die ursprüngliche schmale Straße zurück und wir erreichten bald die Passhöhe Sella di Cereschiadis, bevor wir uns wieder dank vieler Kehren nach Pontebba hinunterschlängelten. Die Wegweiser zeigten uns den Weg zum Nassfeldpass oder, etwas versteckt, nach Studena bassa bzw. Passo del Cason di Lanza. Wir machten einen kurzen sehr gut zu fahrenden Abstecher hinauf auf die Nassfeldpasshöhe (1530 Meter). Ein herrliches Bergpanorama inklusive Bergsee, Hotel und zwei Kilometer weiter rechts bergauf einer schönen bewirtschafteten Alm. Da das Nassfeld eine von zwei größeren Verbindungen zwischen Austria und Italien ist, gab’s dementsprechend auch den dazu gehörenden Touristenverkehr, dem wir nach Möglichkeit ausweichen wollten. Wir fuhren zurück nach Pontebba und zweigten am Passende zuerst rechts ab. Beim Überfahren der Brücke erkannten wir unter uns schon die Straße zum Passo del Cason di Lanza. An der nächsten Kreuzung bogen wir ganz spitz links ab und sahen dann auch schon die entsprechenden Hinweistafeln.

Schon kurz nach Pontebba führte uns der sehr gut geteerte einspurige Weg mit vielen unübersichtlichen Kurven im Tal der Pontebbana entlang zur ersten Malga. Diese kam für uns wie gerufen, denn so eine schmackhafte Almmilch verlieh zumindest Uwe und mir die nötige Power, um die noch vor uns liegenden Kurven- und Kehrenanforderungen meistern zu können. Von der Alm sah man, dass der Weg ab jetzt gewaltig an Höhe gewinnen musste, um die ganz oben zu sehende Felsscharte zu erreichen. Sehr steile in den Fels gesprengte mega enge Kehren forderten schon etwas Kehrenerfahrung und Schwindelfreiheit. Hier konnte es sein, dass Gerölllawinen die Straße verschütteten. Dies würde am Talanfang, spätestens aber bei der Alm mittels Schranke mitgeteilt! Nachdem wir diese kitzelige Stelle hinter uns gelassen hatten, begann eine Hochebene mit weiteren bewirtschafteten Almen, einigen Wanderern, Mountainbikern und Motorradfahrern, die diese Strecke zumindest bis zu diesen Almen von Paularo aus befahren hatten. Kurz nach Passieren der Passhöhe stand links das Restaurant Cirro und nur 100 Meter danach in der scharfen Linkskurve über eine Brücke fanden wir bei dem unscheinbaren Parkplatz rechts unsere gesuchte Abzweigung zum Schmugglerpfad. Zwei kleine Wanderwegschilder wiesen zum Passo Polentin und zur Straniger Alm. Laut Denzels Alpenstraßenführer sollte jetzt eine teilweise sehr steile und nicht weniger steinige Schotterpiste beginnen. Nach Überwinden der ersten tiefen Betonregenrinne, auch relativ hohe Enduros hatten hier schon tiefe Rillen hinterlassen, ging’s nun sehr kernig in engen Kehren auf rolligem Schotter bergauf. Hier musste man genau das richtige Tempo erwischen um nicht stehen zu bleiben und dann nur noch mühsam mit qualmender Kupplung wieder wegzukommen oder aber in der Kehre in den Graben zu rutschen, wenn man zu zügig daher kam.

Also Fuß in Moto Cross-Manier raus, am Kurvenscheitel behutsam am Gaskabel ziehen und schon fräste man sich wieder geradeaus zur nächsten Kehre und immer diese Regenrinnen beachten, sonst scheppert’s gewaltig. Dieses vielleicht zwei Kilometer lange Steilstück ging auf dem höchsten Punkt, wo auch der Wald aufhört, in einen normalen leicht bergab führenden Schotter-, Wald- und Wiesenweg über, der an der Valbertad Alm vorbei wieder in den Wald führte. Von einem ehemaligen laut Denzel dort stehenden absoluten Durchfahrtsverbotsschild sahen wir glücklicherweise nur noch den Stahlpfosten und somit konnten wir ganz legal weiterfahren, wie so mancher Allradfahrer vor uns, wie die Spuren zeigten. Kurz nach der Alm verwandelte sich der tolle Schotterweg in eine äußerst schmierige Schlammpiste, durch die mehrere tiefe PKW-Spuren führten. Jetzt die richtige Spur auswählen, die Arschbacken zusammenpressen, den Popometer auf größte Empfindlichkeit stellen und mit höchst sensiblem rechtem Händchen an der Gaskurbel drehen. Zu wenig heißt eventuell stehen bleiben und die Stiefelchen wie am Nikolaustag bis oben hin mit Schlamm füllen. Zu viel Gas und das Ganze wird zum Schlammrodeo. Mehr schwimmend als fahrend sind wir mit unseren GS’en durch drei solcher Passagen erfolgreich geturnt. Mit entsprechend grober Stollenbereifung wie TKC 80 etc. hätten wir wesentlich weniger Balanceprobleme und Muffensausen gehabt.

Nach kurzer Verschnaufpause war auch unsere Pulsdrehzahl wieder im grünen Bereich und wir konnten die vor uns liegende zehn Kilometer lange Bilderbuchschotterstrecke, die am Grenzschild Italien/Österreich und der auftauchenden Straniger Alm (Austria) vorbei ins Tal führt, herrlich genießen. Ab der Straniger Alm war auch mit PKW-Gegenverkehr auf dem sehr schmalen und besonders bei Nässe schmierigen und oftmals unübersichtlichen Weg, besonders im Wald, zu rechnen. Bei den Hinweisschildern, die links nach Goderschach und geradeaus den Weg nach Stranig weisen, bogen wir links nach Goderschach ab, um im Tal über Dellach nach Mauthen zum Plöckenpassaufstieg zu fahren. Hier sollte man die Gelegenheit nützen, seine Benzinfässer nochmals mit preisgünstigem Ösisprit zu füllen, bevor man den breiten gut ausgebauten Plöckenpass hinauf nach Italien fährt.

Hier konnte man jetzt sehr zügig Richtung Passhöhe fahren. Nur kurz vor der Passhöhe kamen einige enge Kehren, die problemlos zu fahren waren. Nicht die Strecke, aber unsere weiß bemützten Ösifreunde haben uns kurz erschreckt. Aber heute machten sie glücklicherweise auf Schwammerlsucher Jagd. Kurz nach der Plöckenpasshöhe führten auf italienischer Seite einige interessante enge Kehrenkombinationen, auch in Tunnels, wieder bergab Richtung Tolmezzo. Was für Wohnmobile, PKW mit Wohnwagen und viele andere auf dieser Strecke verkehrende Vehikel kein Problem darstellte, war erst recht keines für Motorradfahrer. Auf ganz neuem frischem griffigem Teerbelag kurvten wir über Timau, Paluzza, Arta Therme bis nach Tolmezzo. Da wir zeitlich noch nicht all zu spät dran waren, konnten wir uns endlich noch den Rest geben. Ja, den Passo di Rest. Zuerst der grünen Beschilderung Autostrada und Umfahrung Tolmezzo folgen. Dann die Abzweigung rechts nach Ampezzo, Forni und Passo di Mauria nicht verpassen, sonst gibt’s eine Ehrenrunde im Industriegebiet mit anschließender Stadtrundfahrt in Tolmezzo. Über Villa Santina, Soccheve fuhren wir bis Medis. Am Ortseingang von Priuso zweigte links ganz verdeckt die Straße nach Tramonti und zum Passo di Rest ab. Eine schmale aber gut geteerte Straße schraubte sich überwiegend im Wald und an steil aufragenden Felswänden entlang in unzähligen Kurven und Kehren den Berg hinauf. Vor lauter Kurvenrausch hatten wir fast unbemerkt die Passhöhe überschritten.

Die schmale Straße führte jetzt in genauso herrlichen Kurven und Kehren wieder ins Tal hinunter nach Tramonti. 15 Kilometer Kurvenrausch vom Feinsten ohne Gegenverkehr. Der Passo di Rest hat uns nicht den Rest gegeben! Er hat uns sehr eindrucksvoll gezeigt, wie wirkliche Traumpässe mit allen zig Kurven- und Steigungsschwierigkeiten aussehen. Dies ist doch der Reiz des Pässefahrens, nicht das Hinauf- und Hinabeiern in einer nicht enden wollenden Motorrad- und PKW-Schlange in 48 meist übersichtlichen Kehren zum Stilfer Joch und womöglich noch von übermotivierten Möchtegern-Rossis als Prellbock benutzt zu werden. Der Passo di Rest war der krönende Abschlusspass einer herrlichen Traumpässetour, denn die 90 Kilometer Strecke zurück nach Lignano über Meduno, Spilimbergo, Dignano und Codroipo waren nur noch zum Ausrollen und um das Erlebte zu genießen. Am Ende dieser anstrengenden Zehn-Stunden-Tour standen immerhin 420 Kilometer mehr auf unserem Tacho und zwei kühle Gläser Bier als Empfang und zur Abkühlung auf dem Tisch.

 

 











 
© Regio Verlag Schwäbisch Hall 2008

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