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Meyers Motorradstadl



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Friaul Teil 2

Tour 2 Lignano – Pordenone - Aviano – Piancavallo- Barcis- Andreis- Forcella Di Pala Barzana – Poffabro- Navarons- (Tankmöglichkeit Tramonti di Sotto) Clauzetto – Castelnovo – Lestans – Spilimbergo – Lignano: Ca. 300 km – Fahrzeit, ca. 10 Stunden Schwierigkeit:
Ohne Schotter leicht bis mittel - Schotterteil mittel – schwierig!

Wir erfreuen uns zwar auch an den vielen schönen Städtchen, aber in erster Linie erfreuen wir uns natürlich an den unbeschreiblich schönen Motorradstrecken, die uns das Friaul und Venetien in der Ebene und ganz besonders in den Bergen bietet. In Aviano folgen wir der sehr guten Beschilderung nach Piancavallo und zum Monte Cavallo. Außerhalb des Städtchens, gleich nach dem letzten Rechtsabzweig in Richtung Piancavallo lässt eine breite sehr gut ausgebaute Asphaltstraße unser Bikerherz schon höher schlagen. Genau die richtige Warmfahrstrecke für uns. Schon nach wenigen Minuten müssen wir der herrlichen Aussicht, die sich uns wie von einem Balkon aus auf Aviano und der dahinter liegenden Tiefebene präsentiert, Tribut zollen. Anhalten, Fotos raus und die Aussicht bis zur Adria kurz genießen! Nach einigen schwungvollen Bergaufkilometern müssen wir uns vor einem nicht gerade schmuckvollen Antennenmeer für links oder rechts nach Piancavallo entscheiden. Der Abzweig nach rechts sieht nach mehr „Adventurestrecke“ aus. Wir haben richtig gewählt! Kurz hinter dem Antennenwald verengt sich die etwas rustikal geteerte Strecke auf die halbe Breite und auch der immer wieder durchscheinende grüne Moosbelag zeigt uns, dass auf dieser Strecke relativ wenig gefahren wird.

Immer wieder weit in die Fahrbahn hängende Zweige und Büsche bestimmen dann zwangsläufig unsere Fahrspur. Enge meistens unübersichtliche Kurven und Kehren führen uns nach 4 km in den sehr modernen Wintersportort Piancavallo. Schon bei Tour 1 war uns eine eventuelle Verbindung von geschätzten 20 km, auf der Karte als fast unsichtbare weiße Strecke eingezeichnet, aufgefallen. Leider ist hier kein Kartenpunkt, den wir in unser Navi eingeben können. Da aber Kartenlesen, vorausgesetzt man hat eine geeignete, mein Hobby ist, und ich auch piccolo Italienisch kann, haben wir uns nach 2 erfolglosen Dorfumrundungen entschlossen, nach dieser Wegmöglichkeit zu fragen. Wir waren schon wie die Maus vorm Loch in ihr Labyrinth.
Der Wegweiser nach Suc war zu sehen, aber das Sackgassenschild irritiert uns noch. Die Auskunft auf meine Frage, ob die Strecke auf der Karte auch befahrbar ist, wurde uns mit einem Lachen verneint. „Strada kaputto“ und eine zusätzliche Handbewegung gen Himmel soll uns auch noch vor Steilheit warnen. Eines wusste ich jetzt. Die Sackgasse war keine Sackgasse, sondern es war die gesuchte Straße und dass diese „kaputto“ unfahrbar und steil sein sollte, macht es für uns noch viel reizvoller, uns und die Adventure’s wieder herauszufordern. Anfangs führt uns die beschilderte Sackgasse eher talwärts statt steil aufwärts, aber nach 1,5 km taucht endlich unser gesuchter Wegabzweig nach rechts auf. Schmal und mit teilweise „Brötchen grobem“ Schotter garniert, führt uns dieser Weg nun wirklich bergauf. Steil wäre übertreiben. Teilweise sind die wenigen Kehren sogar komfortabel betoniert. Wegbegrenzung oder gar Leitplanken oder andere Abflughaltemittel sind hier nicht anzutreffen.

Das „Reisetempo“ ist bei so einer Piste sowieso sehr niedrig und wenn man das vielleicht vorhandene ABS deaktiviert, lässt es sich mit blockierender Bremse HINTEN noch besser dosieren. 8 km über Stock und Stein und oftmals nah am Abgrund entlang sind für uns wie ein Saunagang von ununterbrochenen 40 Minuten, aber viel viel schöner! Nachdem die Piste langsam wieder zu einem rustikalen Weg geworden ist, stehen wir auch schon an einer Weggabelung, die links abbiegend geteert ist und sehr schmal steil talwärts führt oder geradeaus weiter auf Schotter Richtung (n)irgendwohin führt. Der Schotter würde ja schon saumäßig reizen, aber unsere eigentlich geplante Tour geht halt leider in die entgegen gesetzte Richtung. Also schweren Herzens links abgebogen und auf maximal 1 autobreitem Asphaltbändchen über unzählige Kurven, Kehren, Wasserquerrinnen und in die Fahrbahn hängende Büsche nochmals 6 km bis zur Hauptstraße hinab. Wir sind in Mezzomonte, wie auf dem Ortschild zu lesen ist. Ein wieder weiß auf der Karte eingezeichneter Verbindungsweg nach Glave war aber diesmal ganz speziell für Motorräder gesperrt! Wir sehen uns den Weg an, aber der sieht wirklich nicht bikerfreundlich aus. Also am Friedhof (Cimitero) statt links rechts auf die tolle Straße abbiegen und mit Herzenslust über Coltura – Budoia zurück zu unserem Tourausgangspunkt Aviano zurückwedeln. Nochmals links ab hoch nach Piancavallo und diesmal am Antennengewirr links auf der breiten Straße nach Piancavallo abbiegen und schon kommen wir wieder an der tollen Sackgasse vorbei! Abspeckbedürftige könnten ja nochmals eine Runde drehen oder besser an dem nach 8 km kommenden Linksabzweig einfach geradeaus weiter auf Schotter fahren und schon wären mit einer weiteren 15 km Schotterdiät nochmals einige Pfündchen abgeschwitzt.

Diese vermutlich weiteren 15 km Schotter werden wir 2008 erkunden. Solche Schmankerl muss man sich auch aufheben können. Von Piancavallo führt uns nun eine normale Straße überwiegend durch dunklen Wald, wie immer mit vielen Kurven und Kehren gesegnet, u. a. am speziellen Bikerverkehrsschild „Serie Kurva“ vorbei hinunter ins traumhaft am gleichnamigen Lago di Barcis gelegene Städtchen Barcis. An der Kreuzung links ab und schon kommt nach wenigen hundert Metern noch ein kleines Highlight. Nicht nur die super Aussicht über den Lago, sondern auch noch eine jeweils nur mit einem Fahrzeug befahrbare Hängebrücke. Nach so vielen herrlichen Kurven-, Schotter- und Aussichtseindrücken, ist die Cappuccinopause am Ende des Sees längst überfällig.

Hätten unsere Körper eine Flüssigkeitsstandsanzeige außer der berühmten „Konfirmandenblase“, hätte längst die Warnlampe geleuchtet. Restwasser geleert und neues in den Körper inklusive Kuchen gefüllt und schon sind wir wieder voll motiviert, den folgenden Forcella di Bazana zu genießen. Ein fast unbeschreiblicher Kurvenspaß über Poffabro - Navarons bis hinunter zur Hauptstraße. Wir haben unseren Durst ja schon gestillt, aber nun melden unsere KTM’s ebenfalls ihren Durst an, der für die geschlauchten Kilometer mit 6,5 l auf 100 km wirklich sehr kommod ausgefallen ist. Links ab am nächsten schönen Stausee und auch vorerst am nächsten Abzweig nach Clauzetto vorbei, fahren wir nach Tramonti di Sotta und können dort auch unseren KTM’s ihr verdientes Superbenzin gönnen. Mit vollen Tanks und leichter Flüssigkeitsunterstützung in Form von Regentropfen beginnen wir nun die letzte Etappe des Heimweges nach Lignano über Clauzetto und Castelnovo. Immer an einer tollen Flussschlucht entlang, der allerdings reichlich Wasser fehlt, machen wir in Clauzetto dem schönsten Balkon des Friauls, wie es auf einer großen Tafel steht, eine kurze Fotorast, um uns wieder auf kürzester TomTom Strecke nach Lignano geleiten zu lassen.

Einige sehr reizvolle Städtchen und Dörfer, die wir natürlich kreuz und quer, dafür aber auf kürzester Strecke durchqueren, lassen nie Langeweile aufkommen und sorgen so indirekt dafür, dass wir auch noch kulturelle Sehenswürdigkeiten zu sehen bekommen. Ich kann aber meistens nicht mehr sagen, wo und was wir alles für schöne und wertvolle Kulturgüter gesehen haben. Die einzelnen gefahrenen Strecken natürlich sehr gut, aber wir sind ja, wie schon betont, in erster Linie wegen der megageilen Motorradstraßen im Friaul unterwegs. Wenn dann nach 10 Stunden Motorradfahren pur, zeitgleich bei unserer Ankunft auf dem Zeltplatz am WOMO, und die unterwegs erträumte und erhoffte sehr leckere Pizza angeliefert werden, kann Mann als Resümee des Tages nur sagen: Ein unvergesslicher erlebnisreicher Urlaubstag, wie Mann ihn sich nicht schöner vorstellen kann. Danke Familie für diesen tollen Tag!

 

 










 
© Regio Verlag Schwäbisch Hall 2008

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