Honda CBF 600Auch bisherige Biker-Lieblinge werden mit der Zeit älter und deshalb entschloss sich Honda, auch seinen Dauer(b)renner CBF 600 einer Frischzellenkur zu unterziehen. Was dabei herauskam, davon durften sich zahlreiche Journalisten aus ganz Europa bei der CBF 600 Premiere im spanischen Tarragona überzeugen. Aller guten Dinge sind drei! Das Wetter war hervorragend und die Teststrecken rund um Reus konnten nicht schöner ausgewählt sein. Das dritte „Ding“ war die neue CBF 600 und die wollte natürlich in keiner Weise das herrliche Gesamtbild trüben. Wie es oftmals bei Frischzellenkuren der Fall ist, hat sich bei der neuen CBF 600 äußerlich nur sehr wenig verändert. Ihr nach wie vor elegantes aber nicht unbedingt ins Auge stechende Design wurde durch eine aerodynamisch optimierte Linienführung bei der Verkleidung (S-Variante) und entsprechenden Lufteinlässen auch unterhalb des Tankes verfeinert. Dies macht sich durch die sehr gute Fahrtwindverteilung bei höherer Fahrgeschwindigkeit und selbst bei einer Körpergröße von 195 cm trotz niedriger Scheibeneinstellung positiv bemerkbar. Diese Scheibe ist in zwei Stufen verstellbar. Ein aufgeräumtes Cockpit, mit separater Tankanzeige und einem Dreierkombiinstrument für ABS, Tacho und Einspritzung, sorgt für den nötigen Überblick. Da Bikerlieblinge nicht nur immer von Freunden umgeben sind, gibt’s bei der neuen CBF 600 nun auch eine Wegfahrsperre! Dass die Hondafrischzellen hauptsächlich im Inneren, sprich im Motor wirken, war schnell zu merken. Im Gegensatz zur „alten“ CBF 600, die doch etwas behäbig war, hat die neue jetzt richtig Drehmoment und ruckfreien Bums von unten heraus. Der Motor hat zwar immer noch 78 PS, aber die sind nun ganz anders abgestimmt. Sehr oft bewegte ich mich im 6. Gang und nicht selten wippte meine linke Stiefelspitze, um vielleicht noch den 7. oder 8. Gang einzulegen. Durch den sehr geschmeidigen und dezenten Motorlauf des 4-Zylinders mit 16 Ventilen merkt man gar nicht, wenn die Gangpalette beim 6. Gang angelangt ist. Für schaltfaule und nicht drehzahlgeile Biker ist die CBF mit ihrem sehr leichten Einlenkverhalten auf allen Kurvenstrecken ein Genuss. Wer doch etwas mehr vom Motor hören und ganz besonders auch das wie immer topp funktionierende Honda CBS-ABS (Aufpreis 600 Euro inklusive Hauptständer) einsetzen möchte, der schaltet flugs mal ein bis zwei Gänge herunter und dann geht sprichwörtlich die Post ab. Also für jeden Fahrtyp hat die CBF 600 etwas in Petto. Jetzt wird auch mancher Hubraum-und-Drehzahl-ist-alles-Biker merken, dass diese Aussage nicht immer zutrifft. Diese CBF lässt sich spielerisch mit einem sehr hohen Spaßfaktor zwischen 4000 und 6000 U/min (von 12.000 möglichen) durch die tollsten Kurvenorgien treiben, ohne bei normaler Fahrweise jemals an die Grenzen des Fahrwerks und den serienmäßig aufgezogenen Michelin Pilot Road zu kommen. Wer ein gewisses Kribbeln an seinem Allerwertesten haben möchte, der kann die CBF auch locker bis 12.000 U/min drehen. Ganz maßgeblich verantwortlich für dieses unproblematische und jederzeit beherrschbare Fahrvergnügen ist die neue acht Kilogramm leichtere Mono-Backbone Alurahmenkonstruktion, die aus der Hornet übernommen wurde. Wem die Sitzposition in Serieneinstellung nicht passt, der hat noch zwei zusätzliche Höhen-Verstellmöglichkeiten. Insgesamt beträgt die Sitzhöhe zwischen 770 und 800 Millimetern. Zur Verstellung benötigt man allerdings das Bordwerkzeug und ca. zehn Minuten Zeit. Es ist zwar etwas umständlich, bis die insgesamt vier Schrauben gelöst und der Verstellrahmen neu eingepasst ist, aber dafür ist das Ganze dann sehr stabil im Gegensatz zu mancher Schnellverstellung mit Gummis etc. Auch für körperlich große Biker ist der Kniewinkel sehr angenehm und es treten keinerlei Beinermüdungserscheinungen auf, denn wer die CBF auf den nützlichen Hauptständer stellen möchte, sollte doch einigermaßen ausgeschlafene Beinmuskeln haben. Fazit: Die CBF 600/S ist ein ideales Motorrad nicht nur für Einsteiger, für die es eine gedrosselte Version mit 33 PS gibt, sondern auch für Wiedereinsteiger, und ich denke, auch für manchen Hubraumabsteiger, der das Motorradfahren genießen möchte. Mit 6.440 Euro für die CBF 600 in der Basisversion bringt Honda ein absolut fast allen Bikerwünschen entsprechendes Motorrad auf den Markt, das bestimmt nicht nur ein Alltags- oder Brot- und Butter-Bike ist, das sich aber garantiert wieder wie geschnittenes Brot verkaufen wird. | |