20.000km mit der CBF1000"Wenn man den Roller mit der Honda vergleicht, ist auf dem Roller mitfahren, wie auf einem Fahrrad mitfahren." So sprach die beste Sozia der Welt und musste gleich mit zur Kati. Mit dem Roller ging es immer nur zum Italiener ums Eck. Der angesprochene(italienische) Roller wurde mit seinen 40 PS und 500 ccm zum Ärgern von alten 3er BMWs und Pumpe-Düse-Fahrern in der Stadt abgestellt. Mit der Honda ging es ab April in eine traumhafte und abwechslungsreiche Saison 2006. Sie durfte unter anderem auf dem Plöckenpass, in der südlichen Toskana, im Gebirge in Umbrien, in der Rhön(mehrfach), in Tschechien und dem Timmelsjoch beweisen, dass sie als so genannter Allrounder bestens für jede Strecke geeignet und gewappnet ist. Trotz des eigentlich hohen Gewichtes von 242 Kilo konnte das Gerät (wenn auch unter Fluchen und Bittgesängen) sogar auf einer wohl nur für echte Enduros geeigneten Mörder-Schotterstrecke auf der Halbinsel St. Stephano in Italien bewegt werden. Die Kilo-Honda bietet für eigentlich recht „wenig“ Geld (im Vergleich zu anderen Herstellern) viel. Auch mit einem 100 Kilogramm schweren Fahrer ist das Fahrwerk durch einen Durchschnittsfahrer kaum an seine Grenzen zu bringen. Die nicht einstellbare Gabel und das nur in der Vorspannung einstellbare Federbein sind in allen Lebenslagen ausreichend. Das Federbein wurde auf Stufe drei eingestellt und wird auch mit Sozia oder Gepäck so belassen. Man fährt zwar nicht mehr ganz so komfortabel, wie auf der empfohlenen Stufe zwei. So habe ich es auch bis dato nicht geschafft, den Angstnippeln den letzten Schliff zu verleihen. Grund dafür dürfte auch sein, dass die Honda hinten lediglich einen 160er Puschen aufgezogen hat. Damit gehen hohe Kurvengeschwindigkeiten auch ohne, dass die Funken fliegen. Genauso unproblematisch und gut, wie das Fahrwerk, sind auch die Bremsen. Das ABS reguliert keinesfalls zu früh. Auf trockener Strecke kündigt das Wimmern der Reifen an, dass die elektronischen Helfer demnächst zugeschaltet werden. Die Vorderbremse ist gut dosierbar und bringt auch mit nur zwei Fingern gezogen vollen Einsatz. Mit dem Bremspedal betätigt man einen Kolben vorne und die hintere Bremse. Die Dosierung ist etwas tranig. Laut diverser Testberichte kann bereits mit der Kombibremse kein schlechtes Ergebnis erzielt werden. Für eine Schreckbremsung auch ein weiterer Punkt auf dem Konto Sicherheit. Die Wirkung der Kombibremse kann zum mindesten so dosiert werden, dass sie auch in der Kurve die Geschwindigkeit leicht reduziert, ohne dass sich das Motorrad aufstellt. Als Erstbereifung war mein oranger Bomber mit Bridgestone BT 057 ausgerüstet. Aufgrund der sehr trockenen Saison 2006 konnte ich nur wenige Kilometer im Regen fahren. Die Haftung bei Nässe erschien jedoch gut. Der Reifen vermittelt für den Popometer einen etwas direkteren Eindruck als der ansonsten aufgezogene Michelin Pilot Road. Letzterer ist etwas komfortabler. In der Kurve ist er keinesfalls indirekt und kann insbesondere als hervorragender Regenreifen bezeichnet werden. Knappe 10.000 km Laufleistung(hinten) sind trotz der Fireblade-Gene drin. In Benzingesprächen und diversen Internetforen wird häufig auch der Metzeler Roadtec Z 6 sehr gelobt. Die 20.000 km verliefen ohne außerplanmäßige technische Zwischenfälle. Einzig bei einer 6-stündigen Regenfahrt im Hochgebirge in Umbrien zweifelte ich kurz und vorübergehend geschockt an der Zuverlässigkeit meines Gefährts. Bei einem Zwischenstopp auf dem Seitenständer abgestellt tropfte auf einmal aus der linken Seite des Kühlers ein recht starkes Rinnsal heraus. Ein undichter Kühler am A.... der Welt wäre ein ziemlicher Horror gewesen. Wie sich aber (auch durch andere "Leidensgenossen" bestätigt) herausstellte, sammelt sich bei Regen oder auch beim Waschen des Fahrzeugs in den Waben des Kühlers außen soviel Wasser an, dass beim späteren Abstellen auf dem Seitenständer erst einmal eine nicht unbeachtliche Menge Wasser abläuft. Das dürfte auch an dem sehr kurzen vorderen Schutzblech liegen.
Ansonsten gibt es während der gesamten 20.000 km eigentlich keine Welt bewegenden negativen Ereignisse zu vermerken. Leichte Kritik muss sich die Sitzbank gefallen lassen. Bei Montage auf der höchsten Stufe (von dreien) liegt sie vorne nicht mehr auf dem Tank auf und biegt sich im Laufe der Zeit etwas nach unten. Dadurch wirft der Bezug Falten und bei starkem Bremsen bei Bergabfahrten rutscht man auf der ansonsten sehr griffigen Bank mit einer reinen Textilmotorradhose nach vorne. Die Sitzbank ist langstreckentauglich. Über die hintere ebenso ausreichend große und bequeme Bankhälfte, sowie die 2 großen Griffe hinten(spanngurtempfindlich in Farbzeugfarbe lackiert) freut sich die Sozia. Zudem erlaubt die Ergonomie der Honda auch einem 1,90 m-großen Fahrer mit nicht mehr ganz schmerzbefreitem Rücken und ebensolchen Knien ein Tagespensum von 600 km, ohne dass der Körper mault. Den etwas größeren Zeitgenossen wird der Windschutz der zweifach verstellbaren Scheibe nicht ganz ausreichen. Bis ungefähr 130 km/h wird der Wind genügend abgehalten. Wer aber auf der Autobahn Kilometer in Richtung Urlaubsziel abreißen möchte, sollte sich zum Beispiel aus dem Zubehörhandel die MRA-Varioscreen mit verstellbarem Spoiler gönnen. Die Geräuschentwicklung bleibt ungefähr gleich. Die Reisegeschwindigkeit erhöht sich aber locker auf 160 km/h oder mehr. Zum Thema Zubehör: Die Hinterradabdeckung(kostet extra) der Firma Honda kann ich nicht wirklich empfehlen. Wer des Öfteren auf grauen Sträßchen unterwegs ist, der muss gerade bei Regen damit rechnen, dass sehr viel Dreck auf dem flachen Teile der Abdeckung liegen bleibt. Auch dass Federbein wird nicht optimal vor dem Auswurf des Hinterreifens geschützt. Der Zubehörhandel bietet hier längere Abdeckungen, welche größeren Schutz bieten, an. Folgende Teile sind noch an meinem Motorrad verbaut : ein schwarzer Schutzbügel von Hepco-Becker (macht einen soliden Eindruck und war leicht zu montieren), ein Kettenoiler CLS200(, weil ich ein fauler Hund bin), Spielverlängerungen(wegen dem breiten Dauergrinsen) und von SW-Motech das Quicklock-Kofferträgersystem mit Kappacruiserkoffern( Träger und Koffer sind schnell z. B. für Fahrten ohne Beautycase oder Großraumhandtasche zur Kati abmontiert und für den Urlaub genauso schnell drangeklickt). Viele Honda CBF 1000-Treiber(s. z.B. www.honda-board.de) rüsten noch einen breiteren Lenker nach. Mancher schimpft das Original Fahrradlenker. Beliebt ist auch die Höher- und Vorverlegung des Lenkers, der sowie so schon 2-fach(nach vorn bzw. hinten) verstellbar ist. Zum Schluss natürlich zum absoluten Sahnestückchen des Motorrads, dem Motor. Bekanntlich hat Honda das Triebwerk aus der Fireblade entnommen und den Motor auf 98 PS reduziert, wobei aber auf den Drehmoment besonderer Wert gelegt wurde. Systematisch angegangen kann man folgendes sagen: Der erste Gang wird zum Anfahren benutzt(im Schritttempo wird nur im Standgas über die Kupplung dosiert). Der erste ist recht lang ausgelegt und wirkt etwas zäh. Ein unfreiwilliges Wheelie ist deswegen eher im zweiten Gang möglich. Diesen Gang braucht man in sehr engen Serpentinen oder im Stop-and-Go-Verkehr. Der dritte Gang ist der bevorzugte Gang auf Alpenpässen und engen Kurven. Im vierten Gang ist man unterwegs, wenn man sportlich fahren und auch akustisch die Firebladegene abrufen möchte. Gelegentlich nutzt man den vierten Gang auch, wenn es beim Überholen wirklich sehr, sehr zügig vorangehen soll(also man quasi schon das Weiße im Auge des Feindes sieht). Der fünfte Gang ist der eigentliche Gang für das Überholen auf der Landstraße. Man kann ihn auch in der Stadt benutzen, wenn der Verkehr etwas langsam vonstatten geht. Der sechste Gang darf problemlos schon bei 2000 Umdrehungen eingelegt werden. Man kann ohne weiteres im sechsten durch Dörfer und über die Landstrasse „cruisen “und doch reicht auch der sechste, um ordentlich am Quirl zu drehen. Das Motorrad hängt so gut am Gas, dass ich früher oder später einen neuen Schalthebel brauchen werde, weil ich so oft den nicht vorhandenen siebten Gang einlegen will. Wer möchte kann mit dem äußerst gelungenen Triebwerk der Honda also äußerst sportlich unterwegs sein. Man kann aber genauso gut auf der Drehmomentwelle schwimmen und dem kultivierten Brummen der 4 Zylinder lauschen.
Von einigen Testern und auch einigen Besitzern der Honda wird moniert, dass bei circa 130 km/h bzw. ca. 4500 Umdrehungen der Motor einige doch etwas unkultivierte Vibrationen von sich gibt. Richtig ist, dass dies nicht so ganz ins Bild passt. Wer aber sonst nur mit Ein-Zylindern unterwegs war, den ficht das nicht an. Es bleibt festzuhalten, dass die Honda keinen außerplanmäßigen Werkstattaufenthalt (kleine Inspektion alle 6000 und große Inspektion alle 12.000 km) hatte. Sie war also stets zuverlässig. Für jemanden, der bis dahin mit weniger PS unterwegs war, ist sie ein sicheres, handliches und gut berechenbares Motorrad. Sicherlich kann sie im Design nicht mit italienischen Schönheiten mithalten. Ich persönlich finde sie aber in dem Bombay Orange Metallic sehr anziehend und gut aussehend. Meine Erwartungen hat das Motorrad bis dato voll erfüllt. Nicht umsonst ist die Honda CBF 1000 auf Platz drei der Zulassungsstatistik zu finden. Ich hoffe, dass ich, wenn mich mein 7. Sinn und das ABS weiterhin so gut vor den vielen „Blinden“ da draußen schützen, im Jahr 2012 eine 100.000 km Zwischenbilanz abliefern kann. CU on the road! Kritischer Nachtrag aus aktuellem Anlass: Bei einer Ausfahrt bei den milden Temperaturen im Frühjahr 2007 fiel die Birne für das Abblendlicht aus. Zum Wechsel war die linke Seitenverkleidung zu entfernen. Beim Montieren gab es dann die böse Überraschung: augenscheinlich wird die Verkleidung (Endmontage der CBF erfolgt in Italien) unter Hochspannung angebracht. Insbesondere für eine Schraube, für deren Montage zwei Teile der Verkleidung und der Verkleidungshalter übereinander gebracht werden müssen, "fehlte" plötzlich ein Loch. Erst ein von mir in das Plastik gedremeltes "Langloch" und die Hilfe des freundlichen Honda-Händlers in Nürnberg/Fischbach ermöglichten die spannungsfreie Wiedermontage der Verkleidung unter Einhaltung der alten Spaltmasse. Somit lassen sich auch die von einigen Kilo-CBF-Treibern gerügten Vibrationsgeräusche der Verkleidung erklären.
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