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Meyers Motorradstadl



Honda / CB 1300 ABS 2006 / 


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Die samtenne Faust

Die Pressevorstellung der neuen CB 1300 ABS im April ist im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser gefallen. Als meine neugierigen Kollegen und ich nach Seligenthal bei Bonn angereist waren, um ein paar Testrunden im Rahmen der Vorstellung zu drehen, hatte Petrus kein Einsehen mit uns armen Schreibern und entließ bis zu 50 Litern Wasser/m2, um uns mal wieder so richtig abzukühlen. Mit einigen dieser Liter im Stiefel stellte ich die CB damals ab und versprach ihr, dass wir uns demnächst mal wieder sehen würden.

Im Juni war es dann soweit. Endlich ein Anflug von Sommer. Offenbach 30°C im Schatten, die Sonne brennt. Die Schranke zu HONDA NORTH EUROPE öffnet sich. Dann steht sie vor mir in ihrem weiß/roten ausgesprochen gefälligen Retrodesign, bereit für zwei Wochen in die Freiheit auf den Landstrassen entlassen zu werden. Ein kurzer Blick über das nun endlich in der Sonne glänzende Bike erfreut mein Auge. Eine elegant geschwungene Maschine auf hohem Verarbeitungsniveau. Mit kleinen Aufmerksamkeiten an den Fahrer wie die praktischen, wenn auch etwas niedlichen Staufächern, von denen eines abschließbar ist, und die allemal groß genug für das Handy oder die Sonnenbrille sind. Eine Straßenkarte findet allerdings keinen Platz. Selbst die beiden klassischen Rundarmaturen mit ihrem dazwischen platzierten kleinen LCD-Anzeigen fügen sich gut in den Retro-Look ein.

Ich nehme also auf dem, leer 252 kg schweren, Mopped platz. Es stellt sich sofort das mir so liebgewordene „Ich-will-auf-lange-Tour-gehen-Gefühl“ ein. Das liegt an der hervorragenden aufrechten Sitzposition und dem, auch bei meinen 1,87 m, immer noch angenehmen Kniewinkel. Also, Startknopf drücken, dem freundlichen Hondapförtner noch einmal zugewunken und ab in den Stadtverkehr. Trotz des Gewichtes macht die 1300er hier eine gute Figur. Agil wie eine 600er läst sie sich in der morgendlichen Rushhour bewegen. Zwei Ampeln später kommt es dann zu unserer ersten Begegnung mit einem Fremdfabrikat. Der Ampelnachbar lässt seine wohlwollenden Blicke über das Bike schweifen und signalisiert mir mit dem Daumen nach oben, dass die CB diesen ersten Test für sich entscheiden konnte. Ich bin allerdings der Versuchung nahe, den Anlasser noch einmal in die bereits laufende Maschine einzuhängen, lediglich die leichten Vibrationen des Motors halten mich davon ab, den Startknopf erneut zu betätigen. Der Hondamotor arbeitet so leise, dass ich ihn tatsächlich wegen der Soundwolke der Nachbarmaschine nicht mehr gehört habe. Bei einem Big Bike würde ich mir einen etwas grimmigeren Klang wünschen. Doch beim anschließenden Beschleunigen ist das schon wieder vergessen. Der federartig einsetzende, doch deutlich spürbare Schub beim Gasbefehl an die Einspritzanlage erinnert an eine im Samthandschuh steckende Faust, die einen zwar sanft, aber doch mit Nachdruck von der Stelle schiebt.

Nach einer Viertelstunde sind die letzten städtischen Ausläufer des Rhein-Main-Gebietes verlassen und die Honda und ich bewegen uns über die leicht geschwungenen Sträßchen der Wetterau Richtung Norden. Ohne konkretes Ziel lasse ich den Vierzylinder seine Auf- und Abwärtsbewegungen an die Kurbelwelle weitergeben und genieße das Dahinschweben. Hier hat die Honda eindeutig ihre Stärken, leicht wie eine 600er lässt sie sich manövrieren und, falls die Straßenplaner mal eine besonders dämliche Kurve in die Landschaft gezeichnet haben, auch korrigieren. Die 21 Liter Tankinhalt erlauben längere Touren auch ohne Zwischenstopps. Im Durchschnitt nimmt die CB 5,9 Liter Normalbenzin auf 100 km. Auch bei zügigerer Autobahnfahrt kommt der Verbrauch nicht über 7,5 Liter. Nach 250 km hab ich dann trotzdem eine Verschnaufpause eingelegt, da meine sensiblen Beckenknochen eine kleine Erholung eingefordert haben. Mein leicht schmerzendes Gesäß kommt nicht von der gut einstellbaren Federung der 1300er (vorne eine 43 mm Upside-Down-Gabel, hinten zwei Gasdruck-Stoßdämpfer), sondern an der etwas zu weich geratenen Sitzbank, in der die Polsterung sich verdichtet hat. Ein weiterer Punkt, der die Rast notwendig macht, ist eine Kante im Tank, die mir kontinuierlich ins Knie drückt. Zugegebenermaßen bei mir nur wegen der Beinlänge. Fahrer bis 1,80 m werden hier keine Schwierigkeiten haben. Aber nach einer kurzen Rast haben sich das Knie, Hinterteil und die Sitzbank wieder erholt und ich kann wieder aufsatteln, um noch ein paar herrliche Kurven auszukosten.

Im Laufe der nächsten zwei Wochen sollten wir noch viele Kurven miteinander erleben, aber auch so manch riskante Situation. Dank ihres aus der CBF600 bekannten ABS-Systems bleibt die Honda in extremen Situationen immer gut beherrschbar. Auch in den Bremsbereichen, in denen das ABS noch nicht helfen muss, sind die Bremsen einwandfrei dosierbar. Nur ein leichter Wehmutstropfen ist mir aufgefallen. Bei einer zügig gefahrenen Bergabpassage, bei der ein noch etwas schlaftrunkener Wanderer abrupt meinte, meinen Weg kreuzen zu müssen und ich beherzt in die Bremse griff, versuchte sich die CB aufzustellen und es bedurfte deutlichen Nachdrückens, um die Maschine auf ihrem Ausweichkurs zu halten. Ansonsten arbeitete das System auch bei Bremsübungen auf einem leeren, versandeten Supermarktparkplatz einwandfrei. Der Windschutz, der an der Testmaschine montierten Halbverkleidung ist bis ca. Tempo 160km hervorragend. Die Honda bleibt auch bei höheren Geschwindigkeiten neutral im Fahrverhalten. Das exakt zu schaltende Getriebe hat leider keinen als Overdrive ausgelegten 6ten Gang, der die Drehzahl auf schnellen Autobahnetappen ein wenig absenken könnte. Obwohl, meiner Meinung nach, die 5 kg mehr für eine zusätzliche Schaltstufe bei einem Leergewicht von über 252 kg auch keine große Rolle mehr spielen würden.

Resumée:
Für unsere Testmaschine müsste der Kunde 10.990 € (inklusive ABS 600 € und Halbverkleidung 300 € ) hinlegen. Für diesen durchaus fairen Preis bekommt er ein exzellent verarbeitetes Motorrad mit hoher Alltagstauglichkeit, auf dem man auch mal eine längere Urlaubstour entspannt zurücklegen kann. Und beim Zubehörhandel wird sich sicherlich auch noch ein etwas auffällig klingender Endschalldämpfer finden lassen.

Soziatauglichkeit von Ingrid Mages

Auf dem etwas erhöhten hinteren Sitz sitzt die Sozia bequem. Der Kontakt zum Fahrer ist angenehm, dicht und trotzdem mit übersichtlichem Blick zur Straße. Auch in der hinteren Reihe will die Straße überwacht werden. Trotz Erhöhung ist das Aufsteigen einfach. Die Fußrasten lassen einen entspannten Kniwinkel zu, was sich besonders bei langen Touren positiv bemerkbar macht (für die Knie). Für meine Stiefel mit Schuhgröße 41 sind die serienmäßigen Abstreifer allerdings zu klein, so dass ich froh bin, als mein Fahrer eine Pause macht. Meine Zehen liefen Gefahr einzuschlafen vom verkrampften Versuch, meine Füße auf den Fußrasten zu halten. Doch welche Sozia hat schon so große Füße wie ich?














 
© Regio Verlag Schwäbisch Hall 2008

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