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Suzuki / GSF 1250A Bandit / 


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GSF 1250 A Bandit

Zwei Räder, einen ordentlichen Motor, ein sauber reagierendes Fahrwerk, ein paar gut dosierbare Bremsen und manchmal die beste Sozia der Welt. Vieles davon bringt die Suzi von Haus aus mit. Für anderes muss man selbst Sorge tragen. Aber der Reihe nach. Als ich die Bandit bei Suzuki Europe in Bensheim übernommen habe, war ich ob ihres Erscheinungsbildes sehr erstaunt. Für eine 1250er wirkt sie nicht nur sehr zierlich, nein sie ist es. Das wird die kleineren Fahrer, aber auch die ein oder andere Frau freuen. Das Auftreten ist unspektakulär klassisch mit kleinen modernen Applikationen. Ein leicht nach oben gestelltes Heck, kantige Kotflügel, Rundinstrumente mit Chromringen, in denen leider auf der rechten Seite ein digitales Anzeigewerkzeug seinen Dienst verrichtet, um nur einige Beispiele zu nennen.

Auf der gut geformten Sitzbank erst einmal Platz genommen, fühlt man sich direkt wohl. Zwar hat die Bandit auch den fast schon suzitypischen schmalen Lenker, der ist aber reine Gewohnheitssache. Nach ein paar Metern fühlt man sich “diebisch“ wohl auf der Japanerin. Unter ihrer Sitzbank werkelt ein völlig neu entwickeltes 4 Zylinder-Triebwerk, dessen Hubraum auf 1255ccm angeschwollen ist. Ob das immer sein muss das mit jeder neuen Motorengeneration eine Hubraumerhöhung mit einhergeht? Irgendwann werden wir wohl nur noch 2 Liter-Motorräder fahren können, die sich dann wie frisierte Elektromotoren anhören werden. Ich hoffe dass ich nicht allzu viel prophetisches Potential habe!! Das Getriebe der Suzuki ist weiter nach oben gewandert und bietet jetzt 6 Gängen Platz. Ich bin ja dafür bekannt, dass ich bei einem 4 Gang Motorrad immer nach dem 5ten als Overdrive schreie. Einen sechsten habe ich allerdings noch nie vermisst. Aber was den Dosenfahrern recht ist, sollte uns Bikern billig sein. Nötig? Das sei dahin gestellt.

Aber nun zu der erfreulichen Seite des Testerdaseins, dem eigentlichen
Fahren. Drivers start your engines, Starter drücken und die Suzi läuft rund und seidenweich. Ja läuft die den überhaupt? Sie tut´s, den Umweltauflagen sei dank, so leise wie ich es einige Sätze zuvor bereits befürchtete. Eigentlich ein bisschen schade, den um denn Anfang des Artikels noch einmal aufzugreifen was braucht ein Motorrad? Ein klein wenig Emotionen gehören auch dazu und die werden bei uns Bikern oft auch über Sound erzeugt. Da ist hier wenig zu vernehmen. Manchmal wünschte ich mir die Herren Ingenieure würden die Grenzen hier etwas mehr auskosten. Der Rest der Bandit geht soweit in Ordnung. Ein ordentlich funktionierendes Fahrwerk das eindeutig Alltagstauglichkeit hat. Vorne an der 43mm Teleskopgabel lässt sich die Federvorspannung einstellen, während das Hintere auf die Alukastenschwinge wirkende Zentralfederbein volleinstellbar ist. Auch der Serienmäßige Hauptständer unterstreicht den Anspruch auf den Every day use. Ob für den Weg zur Arbeit oder fürs gemeinsame Kurvenräubern danach dieser Bandit macht mit. Auch im Soziabetrieb sind längere Fahrten ohne Ermüdungserscheinungen möglich. Die Sitzbank ist hinten wie vorne gut gestaltet und bieten ordentlichen Sitzkomfort. Für den Fahrer kann die Sitzhöhe zwischen 790 und 810 mm eingestellt werden. Die Sitzhaltung ist durch den Lenker und die Position der Fußrastenanlage aufrecht mit einem kleinen Spritzer Sportlichkeit durch die ganz leicht nach vorne gebeugte Sitzposition. Das 19 Liter Fass schreit zwar nach knapp 180km schon wieder nach Befüllung aber folgt man dieser Aufforderung kann man nur knappe 11 Liter in Behälter zwingen. Also einfach entspannt noch mal 100 km on top fahren und dann erst zum freundlichen Tankwart abbiegen. Hier begnügt sie sich dann mit dem „billigen“ Normalbenzin. Ein kleiner Wehmutstropfen bleibt auch hier. Die digitale Tankanzeige signalisiert nur durch unauffälliges Blinken des Zapfsäulen-Symbols das es an der Zeit ist Sprit zu fassen. Mir persönlich gefallen ja hell leuchtende Kontrolllämpchen besser, da die direkt ins Auge stechen.

Der Motor liegt ordentlich am Gas und beschleunigt die Fuhre vernehmbar kraftvoll und ohne ein deutliches Drehzahlloch (wer den Motor der aktuellen Honda CB1300 kennt wird wissen von was ich rede). Dass hier für den 1250er Motor nur 98 Pferde bei einer Drehzahl von 7500 U/min an den Start gehen merkt man kaum. Die 108 Nm gehen ordentlich zur Sache und schieben ohne zu Murren die Bandit bei 9000 Touren in ihren roten Bereich. Ab Tempo 160 km/h wird alles ein wenig zäher, aber da spielt der Luftwiderstand bei der unverkleideten Testversion natürlich eine erhebliche Rolle. Oberhalb von 180 km/h ist dann Schluss mit Lustig. Dauerhaft in diesem Bereich Reisen macht mit den nackten Maschinen einfach keine Laune, das ist nur für Überholmanöver okay. Da lässt sich die Suzuki auch mal über die 200er Marke bewegen, ansonsten bevorzugt auch sie die Geschwindigkeiten unter 150km/h. Die Gänge lassen sich leicht und präzise schalten, auch wenn das ein oder andere mal während der Schaltorgien (immerhin schaltet man sich in den rund 7 Sekunden, die der Normal-Pilot bis Tempo 120 braucht, durch sechs Gänge), der sechste Gang außer acht gelassen wird. Die serienmäßige Dunlop - Reifenpaarung der Bandit ist altbekannt, sie fährt vorne 120/70 ZR17 und hinten einen 180/55 ZR17. Die verhalten sich sehr neutral und kündigen ihren Grenzbereich rechtzeitig an. Aber für diesen Bereich ist die Nackte ja nicht konzipiert und auf der von ihr so heiß geliebten Landstrasse wird er im Regelfall nicht abgefordert.
Im Bereich Bremsen wird man vom Hersteller mit einem ABS verwöhnt, der Druckpunkt ist sauber erkennbar und sie verzögern standesgemäß. Insgesamt könnten die Bremszangen aber etwas kräftiger zubeißen, als sie es in der Serienausstattung machen. Das mag am relativ hohen Gewicht liegen. Trocken bringt die 1250er stolze 226 kg auf die Waage, alles in allem dürfen es sogar 475 kg werden.

Resümee:

Die nackte Wahrheit ist so paradox es auch klinken mag: Die 1250 Bandit ist trotz ihres Namens ein von Grund auf ehrliches Motorrad zu einem guten Preis. Für 8290? erhält man jede Menge Spaß und Features wie ABS. Wer Alltagstauglichkeit gepaart mit einem Schuß sportlicher Tourentauglichkeit sucht ist mit der Suzuki gut bedient. Im Angebot von Suzuki findet man noch das passende Koffersystem. Oder man entscheidet sich vielleicht für Ihre verkleidete Schwester die 1250S. Sicherlich dann die erste Wahl, wenn es um mehr Komfort durch Windschutz geht. Was beiden allerdings fehlt ist der kleine Spritzer Emotion, der den Unterschied zu den kultigen Bikes ausmacht. Sie ist in ihrem ganzen Auftreten ein unauffälliges Alltagsmotorrad, das sich manchmal ein wenig zu verstecken scheint. Mit ihr kann man aber jederzeit Pferde stehlen gehen und für einen echten Banditen geziemt es sich ja etwas unauffälliger als so manch anderer zu sein.

Technische Daten

Motor: Wassergekühler 4Zylinder mit Euro 3-Norm
Hubraum: 1255 ccm
Leistung: 72 kW (98PS) bei 7500 U/min
Drehmoment: 108 Nm bei 3700 U/min
Rahmenbauart: Doppelschleifen-Stahlrohrrahmen
Vorderradaufhängung: 43 mm Teleskop
Hinterradaufhängung: Alukastenschwinge mit Zentralfederbein
Federweg vorn: 13O mm Federvorspannung einstellbar
Federweg hinten: 136 mm Zug und Druckstufe einstellbar
Bremsanlage vorn: 2x Scheibe 310 mm, 4Kolben, ABS
Bremsanlage hinten: 1x Scheibe 240 mm, ABS
Bereifung vorn: 120/70 ZR17
Bereifung hinten: 180/55 ZR 17
Gesamtlänge: 2130 mm
Gesamtbreite: 790 mm
Gesamthöhe: 1235 mm
Radstand: einstellbar 790 – 810 mm
Trockengewicht: 226 kg
Zulässiges Gesamtgewicht 475 Kg
Tankinhalt: inkl. Reserve 19 Liter
Getriebe: 6-Gang
Kupplung (Betätigung): Mehrscheiben in Ölbad (hydraulisch)
Höchstgeschwindigkeit: ca.210 km/h

 

 









 
© Regio Verlag Schwäbisch Hall 2008

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