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Suzuki / B-King / 


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Be KING !

Bensheim 10:00h die Frisur sitzt. Alles ist perfekt vorbereitet, doch eins fehlt mir zum Glück: der Schlüssel, um endlich die B King zu erfahren.10:30h Da steht sie jetzt vor mir. Schwarz, grimmig, angriffslustig mit ihren 135 kW oder stolzen 184 PS verbaut in einem Naked Bike!! Wenn das mal nicht eine klare, aber auch Respekt einflößende Ansage ist.

Wirklich furchteinflößend sieht sie ja eigentlich nicht aus. Von vorne, durch die breiten Lufteinlässe ein wenig pausbäckig wirkend und von hinten?

Über die optische Gestaltung der karoförmigen Endrohre hat man auch schon genug gehört und gelesen. Dem einen gefällt es halt, dem anderen graust es. Meine Meinung: Unterhalb der Auspuffanlage beginnt es gestalterisch viel fragwürdiger zu werden. Das gehört auf alle Fälle in die geschulten Hände eines erfahrenen Chirurgen der ihr, oder sollte man lieber ihm sagen, ein gezieltes Back-Lifting verpasst. Am besten mit ein paar anderen Endrohren, neuerdings auch bei Suzuki ab Werk zu haben. Diese nicht unbedingt wegen der Optik sondern wegen des Kastratentenors, der mir ans Ohr dringt. Denn bei solchen Leistungsdaten, wie sie der König mitbringt, will ich auch einen Löwen brüllen hören.

Angetrieben wird der B-King von dem drehmomentgewaltigen 4-Zylinder der GSX 1300R Hayabusa, der in einem robusten Aluminium-Rahmen hängt und in Leistung und Drehmomentverlauf modifiziert wurde. Sprich weniger kW und weniger Drehmoment als in der Haya. Der B-King besitzt ein mit den GSX-R Modellen vergleichbares Motormanagement mit zwei Drosselklappen pro Zylinder. Eine Drosselklappe wird direkt mit dem Gasgriff angesteuert, die zweite Drosselklappe bekommt ihre Befehle durch die Motorsteuerung. Diese Steuerung in der Kombination mit dem großen Hubraum verhilft dem Motor auch bei 2.000 Touren zu einem ruckfreien Lauf. Dieser spricht auf jede Änderung am Gashahn direkt und hart an, jedoch sanft genug, um das Bike nicht jedes Mal auf das Hinterrad zu stellen. Während der Fahrt fühlen sich die 184 PS tatsächlich erheblich anders an als die180 PS, die man aus aktuellen 1000ccm Sportlern kennt.

Die entspannte und komfortable allroundertypische Sitzposition macht den Unterschied. Die Griffe hat man locker in der Hand liegen und nicht wie bei Supersportlern üblich, auf den Handgelenken abstützend, bis dann die Strasse den Zug am Gashahn ermöglicht und endlich Entlastung bringt. Dadurch fühlt sich der Vortrieb deutlich härter und direkter an als auf jedem Sportler. Er beschleunigt ohne ein spürbares Drehmomentloch durch alle sechs Gänge. Beeindruckend mit welcher Leichtigkeit die gewaltige Power bis zur Spitzengeschwindigkeit von 250 km/h aus dem Ärmel schüttelt wird. Bei dieser Geschwindigkeit macht sich dann der fehlende Windschutz allerdings so deutlich bemerkbar dass man es auf langen Autobahnetappen freiwillig etwas langsamer angehen lässt. Am Kurvenausgang wird leicht die Gashand bewegt und die Fuhre beschleunigt stoisch ohne jede Änderungen im Fahrwerk oder am Sound aber mit deutlichem Nachdruck. Und zwar nicht erst, wenn die Drehzahlnadel jenseits der 5000er Marke steht, sondern in jeglichem Drehzahlbereich versucht mir der B-King die Handschuhe von den Händen zu ziehen.
Wem das dann zuviel wird, drückt den auf dem Tank positionierten Wahlschalter und manipuliert die Motorcharakteristik, so dass sich das Gefühl einstellt, auf einer 750er zu fahren, was bei einer Regenfahrt ja auch ganz angenehm sein kann.
Fahrwerksunruhen sind Dank des Zentralfederbeins der soliden Alu-Schwinge mit Oberzügen hinten kaum zu spüren. Vorne dämpft eine 45er Upside-down Gabel, was dann noch an Schwingungen vorhanden ist, wird vom serienmäßigen Lenkungsdämpfer unterdrückt. Das ganze wird seit 2008 auch noch von radialverschraubten Bremsen mit optionalem ABS zum stehen gebracht. Muss man vor einem solchen Bike eigentlich noch Respekt haben?

Die Antwort ist eindeutig „JA.“
Für unerfahrene Biker ist so ein Motorrad gar nichts, man muss sich daran gewöhnen, dass die Kraft viel früher und vehementer als bei anderen Bikes einsetzt. Einfach mal so drauf losfahren ist nicht. Mal eben am Scheitelpunkt der Kurve voll aufmachen und darauf warten, dass die Leistung erst am Kurvenausgang zur Verfügung steht, wäre ein Vabanquespiel, dazu reagiert er zu hart. In Schräglagen muss man das Gas vorsichtig dosieren, dann allerdings kann man selbst in Serpentinen seinen Spaß mit dem gewaltigen 1340ccm Motor haben. Das breite 200er Hinterrad und der lange Radstand scheinen eine andere Sprache zu sprechen, dem ist aber nicht so. In schnellen Wechselkurven kann man das Gewicht und die Aggressivität seines langen Radstandes nicht einfach wegzaubern, hier muss er sich den kleineren Nakedbikes wie zum Beispiel eine Honda CB1300 geschlagen geben. Unangenehm wirken sich das Gewicht und der lange Radstand auch beim Rangieren aus.

Kraft ist im Überfluss da, man muss nicht drastisch am Gasgriff drehen um Vortrieb zu erzeugen. Auch so bringt man auf Anhieb brachiale Beschleunigungswerte zu Stande. Wer sich den B-King in die Garage stellt, will auf alle Fälle einmal wissen, wie es sich anfühlt, der König. zu sein.

Gibt es für viele unter uns vernünftige Gründe, ihn nicht zu kaufen, zum Beispiel wegen des Preises (13.490 Euro) oder den immensen Kosten für die Versicherung, so gibt es einen guten und äußerst triftigen Grund dieses Motorrad zu kaufen und somit erleben zu dürfen:

Das Gefühl unverkleidet der brachialen Beschleunigungsgewalt ausgesetzt zu sein. Dieses Gefühl treibt einem das Grinsen vom einem zum anderen Ohr und wieder zurück.

Technische Daten

Bauart:    4-Zylinder Viertakt-Reihenmotor, flüssigkeitsgekühlt, DOHC
Bohrung x Hub:    81 x 65 mm
Leistung:    135 kW  (184 PS)  9.500 U/min.
Max. Drehmoment:    146,0 Nm  7.200 U/min.
Hubraum:    1340 cm3
Ventile / Zylinder:    4 Elektronische Benzineinspritzung
Kupplung:    Mehrscheiben Ölbadkupplung
Getriebe:    6-Gang

Fahrwerk :
Rahmen-Bauart:    Brückenrahmen aus Aluminium
Lenkkopfwinkel:    64 °
Nachlauf:    107 mm
Radstand:    1525 mm
Stoßdämpfer vorne:    Upside-down Gabel
Federweg vorne:    120 mm
Stoßdämpfer hinten:    Zentralfederbein
Federweg hinten:    137 mm
Bereifung vorne:    3.50 x 17" , 120/70 ZR 17
Bereifung hinten:    6.00 x 17" , 200/50 ZR 17
Bremse vorne:    310 mm Doppelscheibenbremse mit 4-Kolben Radial-Bremssätteln
Bremse hinten:    260 mm Scheibenbremse mit 1-Kolben Bremssattel

Trockengewicht:    235,0 kg
Tankinhalt:    16,0 Liter
Listenpreis UVP:    13.490,00 Euro(inkl. MwSt.)

 

 












 
© Regio Verlag Schwäbisch Hall 2008

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